Ausbildungstips

Ausbildung des Jagdhundes: Das 1x1 des Grundgehorsams

Dieter Hupe
am
Sonntag, 05.04.2020 - 16:06
Grundgehorsam Jagdhund © solya96 - stock.adobe.com
Der Grundgehorsam ist das Fundament der jagdlichen Ausbildung.

Unser Ziel ist ein Jagdhund, der Sie ohne Leine begleitet, auf Ihr Zeichen an seinem Platz bleibt und auf Ihren Pfiff freudig zu Ihnen kommt, alles ohne Brüllerei im Revier! Deshalb: von Anfang an Konsequenz und leise gesprochene Kommandos, die später weitgehend durch Handzeichen ersetzt werden. Die Hundepfeife kommt zum Einsatz, wenn z.B. große Distanzen das erfordern.

Auf „Bei Fuß“ soll Ihr Hund bei locker durchhängender Führerleine neben Ihrem Knie folgen. Nach Ihrer Entscheidung halten Sie den Vierbeiner auf der linken oder rechten Seite und bleiben dabei. 

Führen Sie Ihren Hund anfangs z.B. an einer Mauer oder einem Zaun entlang. Seine Bewegungsfreiheit wird durch das Hindernis auf der einen und den Führer auf der anderen Seite begrenzt. Will er vorprellen, blockieren Sie mit  Knie oder Fuß den Weg nach vorn. Zeigen Sie durch leichtes Klopfen mit der Hand auf den Oberschenkel, wo gestreichelt wird.

Wenn die Leine nach etlichen Metern locker durchhängt, vergrößern Sie allmählich die Entfernung zum Hindernis. Im günstigsten Fall bleibt er dicht bei Ihnen. Versucht er, von Ihnen wegzustreben, bewegen Sie sich wieder auf die Mauer zu und zeigen, dass Sie die Lage unter Kontrolle haben. 

Stangenholz steigert den Schwierigkeitsgrad

Den Schwierigkeitsgrad steigern Sie nach einiger Zeit bei einem Gang durch Stangenholz, dicht an einzelnen Bäumen vorbei. Ihr Hund soll dabei weder vorprellen noch mit der Leine hängen bleiben. Verfängt er sich dennoch an einem Stamm, gehen Sie weiter! Er wird eventuell fühlen, dass Bäume härter sind als Hundeköpfe und lernen, wie angenehm es ist, dicht beim Führer zu bleiben. Einige Wiederholungen der Übung ohne Fehler und Ihr Lob festigen die neue Erkenntnis.

Kombinieren Sie das Erlernen der Leinenführigkeit mit der Übung „Sitz“: Fassen Sie mit einer Hand die Halsung des stehenden Hundes und legen Sie die andere auf dessen Rücken. Dann an der Halsung nach oben ziehen, auf die Hinterhand drücken, begleitend das Wort „Sitz“ – und schon sitzt der Hund tatsächlich. Freundliches Loben (nicht zu stürmisch, sonst ist er gleich wieder in Bewegung!) unterstützt seine Mitarbeit. Wiederholen Sie das Ganze nach einigen Metern Bewegung und bestätigen Sie die richtige Ausführung durch erneutes Lob.

Sitz mit Belohnung © bnenin - stock.adobe.com

Belohnungen festigen den Gehorsam in kurzer Zeit.

Sitz vor dem Futternapf

 

Lassen Sie ab jetzt Ihren Vierbeiner vor jedem Leckerbissen und vor dem Füttern einmal „Sitz“ machen. Wiederholungen und die anschließende schmackhafte Belohnung festigen seinen Gehorsam in kurzer Zeit. Allmählich können Sie auch das gesprochene Wort durch Zeichen ersetzen – bald sitzt Ihr Lehrling, wenn Sie nur stehen bleiben oder einfach den Zeigefinger heben.

"Platz" und "bleib"

Wenn das Hinsetzen zuverlässig klappt, geht es weiter mit „Platz“ und „Bleib“. Wählen Sie für den Anfang einen trockenen Platz, kein nasses Gras oder spitzen Schotter als Untergrund. Sonst kann der angeleinte Junghund seine verständliche Abneigung gegen Kälte und Pikser auf die von Ihnen geforderte Unterordnung übertragen – eine schlechte Voraussetzung für erfolgreiche  Arbeit. 

Es gibt eine elegante Technik, einen Hund „an den Boden“ zu bringen: Führen Sie vor der Nase des sitzenden Vierbeiners einen Leckerbissen in Richtung Boden, dem Ihr Schüler mit seinem Kopf folgt – schon befindet er sich (vielleicht mit etwas Nachhilfe Ihrerseits) in Bauchlage, die Belohnung zwischen den Zähnen. Das Kommando „Platz“ begleitet die Aktion, Ihre Hand in der Halsung sorgt dafür, dass der Vierbeiner  liegen bleibt und Lobesworte hört. 

Nach etlichen Wiederholungen wird Ihr Hund diese Übung auch unangeleint zuverlässig ausführen. Wenn er auch Ihren erhobenen Arm als Sichtzeichen für „Platz“ respektiert, ergänzen Sie das optische Signal durch den Pfiff auf der Trillerpfeife. Schon bald können Sie auswählen, ob sich Ihr Lehrling auf Zuruf, Trillerpfiff oder Handzeichen hinlegen soll. 

Für die nächste Übung legen Sie ihn mit der Feldleine an der Halsung ab. Mit dem neuen Kommando „Bleib“ und der offenen Handfläche als Sichtzeichen fordern Sie ihn dann zum Liegenbleiben auf. Während Sie langsam zurückgehen, rollen Sie die Leine ab. Achtung: Nicht an der Leine ziehen – sonst ist er sofort bei Ihnen! Entfernen Sie sich zunächst mit dem Gesicht zu Ihrem Vierbeiner. So können Sie bereits die ersten Zeichen von Unruhe sehen und mit einem schnellen Schritt zum Hund oder per Trillerpfiff Ihre Anordnung durchsetzen. Der Hund muss an der Stelle bleiben, die Sie bestimmt haben. Ist er vorgekrochen, bringen Sie ihn an den Ausgangspunkt zurück. Gehen Sie anfangs nur wenige Schritte von Ihrem Hund weg und holen Sie ihn immer an seinem Platz ab.

Schritt für Schritt

Ablegen des Hundes © Aler - stock.adobe.com

Mit der Zeit lässt sich der Hund auch ohne Feldleine sicher ablegen und wartet auf seinen Führer.

Mit zunehmender Zuverlässigkeit steigern Sie die Dauer des Ablegens und verzichten auf die Feldleine. Danach entfernen Sie sich allmählich aus dem Sichtfeld Ihres Hundes und verstecken sich so, dass Sie ihn sehen und bei Ungehorsam sofort einwirken können. Nach einiger Zeit ist es dann kein Problem mehr, den Vierbeiner auch eine halbe Stunde an einem sicheren Ort im Revier frei abzulegen – er weiß schließlich, dass Sie zu ihm zurückkehren werden.

Wenn Ihr Hund bis hierher mitgearbeitet hat, geht die restliche Unterordnung leicht: Fordern Sie ihn mit „Hier“ auf, zu Ihnen zu kommen, wenn Sie auf einem übersichtlichen Platz mit ihm allein sind. 

Verstärken Sie die Wirkung Ihres Befehls eventuell durch das Klatschen der Hände an die Unterschenkel. In schwierigen Fällen laufen Sie vom Hund weg, niemals hinter ihm her (das wäre nur ein tolles Spiel). Das Sichtzeichen „Händeklatschen“ ergänzen Sie nach einigen Wiederholungen durch den „glatten“ Pfiff auf Ihrer Hundepfeife. Lob und Leckerbissen bei Gehorsam? Natürlich! So können Sie Ihren Vierbeiner auch aus „Sitz“ oder „Platz“ abrufen (nur nach dem Befehl „Bleib“ müssen Sie ihn persönlich abholen).

 

 

 

 

So macht Ihr Hund den Fang auf

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Nicht immer lassen sich Jagdhunde auf Zuchtschauen oder Prüfungen gerne in den Fang schauen. Vor allem dann, wenn Sie es nicht von klein auf gewöhnt sind. Hier finden Sie Tipps von Thore Wolf, wie der Blick in den Fang ohne Gewalt gelingt.

Damit die Zahnkontrolle für Richter und Vierläufer nicht zur Tortur wird, sollten Sie folgende Punkte beachten:

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Zahnkontrolle beim Teckel. Foto: Selina Breidling.
  • Öffnen Sie regelmäßig den Fang ihres Welpen und sprechen dabei stets dasselbe Kommando, wie „zeig die Zähne“, mit ruhiger Stimme.
  • Bringen Sie den Hund in eine entspannte Lage (auch im Liegen)
  • Üben Sie keinen übermäßigen Druck mit der Hand aus, sondern ziehen mit den Fingern die Lefzen nach oben und unten auseinander.
  • Drücken Sie leicht mit Daumen und Zeigefinger in Höhe der Backenzähne zwischen Ober- und Unterkiefer und öffnen Sie den Fang.
  • Die meisten Backenzähne kann man bei mittelgroßen bis großen Hunden bereits erkennen, wenn die Lefzen seitlich nach oben und unten auseinandergezogen werden.
  • Der Blick nach ganz hinten in den Fang macht ein relativ weites Öffnen des Fangs erforderlich. Aber auch hier gilt: keine Gewalt und ruhiger Zuspruch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So brav, mein Hund

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Flugwildjagd mit firmen Hunden ist Waidwerk vom allerfeinsten. Alle Erfordernisse an Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden ergeben sich aus den Notwendigkeiten der Jagdpraxis – so einfach ist das.

 

Eine geballte Ladung süßer Fasanenwittrung bannt beide DK-Vorstehhunde an den Platz

Wer auf Fasan und gebietsweise noch auf Rebhühner jagt, braucht einen vierläufigen Helfer, der Appell hat, zumindest planmäßig sucht, sicher vorsteht und zuverlässig bringt.

Läuft beispielsweise ein geflügelter Hahn nach dem Schuss in die nächste Deckung oder „taucht“ das mausetote Huhn im kniehohen Winterraps unter, ist Naseneinsatz, Finderwille und zuverlässiges Apportieren gefordert.

Auch sollte der Hund sich lenken lassen und z. B. nicht eigenwillig links an der Hecke entlang suchen, wenn sein Führer ihn nach rechts in die Rüben schickte, wohin das Wild gefallen ist.

Jagdliche Erfahrung ist allerdings auch beim Führer vonnöten, wenn er Drahthaar, Kurzhaar und Co. erfolgreich ausbilden will. Wer selbst selten oder noch nie auf Federwild gejagt, oder seinen letzten Fasan vor 30 Jahren erlegt hat, tut sich bei der Einarbeitung seines Jagdhelfers auf diesem besonderen Aufgabenfeld einfach schwer.

Aber zum Glück gibt es im jagdlichen Freundeskreis meist hilfsbereite Menschen mit einschlägiger Erfahrung – man sollte sich nicht scheuen, sie um Unterstützung zu bitten.

Gehorsam ist der Grundstock für die Bewältigung aller Aufgaben des Jagdhundes. Es ist kein Problem, gleichgültig was man gerade trainiert, regelmäßig und zwischendurch ein paar einfache Übungen wie Triller-down zu absolvieren.

Das gilt für jeden Spaziergang, in den ohne Mühe ein paar Lektionen eingebaut werden. Dann weiß der Hund stets, wo’s langgeht. Bevor wir ihn im Revier arbeiten lassen, muss der Grundgehorsam sitzen.

Danach üben wir mit ihm Quersuche und festigen das Vor- und Durchstehen. Eine weitere Voraussetzung ist die Stand- und Schussruhe – allein schon aus Gründen der Sicherheit.

Es ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich, ob man einen jungen Hund ausbildet, oder bei einem erfahrenen Erlerntes nur wieder auffrischt. Zwar vergisst ein älterer Hund nach einem langen, meist „arbeitslosen“ Sommer nicht, was er einmal lernte, aber die Ausführung gewisser (meist für den Vierläufer unbequemer) Arbeiten lässt im Herbst doch zu wünschen übrig – Nachbereitung tut not.

Gehen wir davon aus, dass ein junger Hund das „Grundapportieren“ beherrscht, dann lassen wir ihn zunächst sichtiges Federwild bringen. Wenn das nahtlos klappt, verbergen wir das Wild, so dass er gezwungen ist, seine Nase zu gebrauchen.

Auf relativ kurze Entfernung angefangen, steigert sich der Schwierigkeitsgrad mehr und mehr. Selbstverständlich natürlich: Das dicke Lob am Ende jeder erfolgreichen Arbeit. Mit der Gewissheit, dass gleich etwas „Schönes“ geschieht, arbeitet übrigens nicht nur ein Hund freudiger.

Ausbildung nur für die Jagd

Da in der Jagdpraxis nicht alles erlegte Federwild zu Boden fällt, ist es praxisnah, wenn der Vierläufer lernt, gelegentlich auch aus Büschen und dichten Dornenverhauen zu bringen.

Dann kommen die Schleppen dran. Anfangs am Riemen ausgearbeitet, wird der Hund erst dann am simulierten Anschuss geschnallt, wenn er verknüpft hat, dass er um jeden Preis gefundenes Wild zu bringen und korrekt auszugeben hat.

Bei solchen Arbeiten hat derjenige einen Vorteil, der mit seinem Hund bereits im Welpenalter Lungen- und Futterschleppen gelegt hat. Die Verknüpfung: Erst suchen, finden und bringen, dann gibt es Fressen, prägt sich nachhaltig ein.

Je länger es einem Führer gelingt, seinen Vierläufer bei der freien Suche möglichst wenig auf Sicht arbeiten zu lassen, je mehr wird die Nase vom Hund selbst als sein „findigstes“ Organ angesehen und dementsprechend eingesetzt.

Und dann ist da noch die Übung am „Apportparcours“, bei der vor einem Reviergang mehrere Stücke Wild am Wegrand oder in Feld oder Wald versteckt werden.

Genau diesen Parcour geht man unter Wind mit dem freisuchenden Hund ab und freut sich wie ein Schneekönig, wenn „Harro“ selbständig gefunden, aufgenommen und gebracht hat.

Das veranlasst den Hund dazu, in ständiger Erwartung etwas zu finden und dafür gelobt zu werden, mit der Nase zu suchen. Außerdem wird die Bringtreue gefördert.

Nicht ohne Grund ist das freie Verlorensuchen von Federwild inzwischen auf vielen Prüfungen ein festes Fach. Dabei wird in großen Schlägen mit Deckung Beute versteckt, der Hund eingewiesen und losgeschickt. Erwartet wird hier zielgerichtetes Suchen, Finden und Bringen.

Was muss der Hund für die Jagd auf Flugwild beherrschen?

1. Er muss nach dem Schuss ein Geläuf ausarbeiten können. Das hat er auf der Schleppe gelernt.

2. Er muss zuverlässig bringen. Das lernte er auf dem Apportierparcours und mit verstecktem Wild.

3. Er muss vor und nach dem Schuss selbständig mit der Nase, nicht auf Sicht, suchen und finden. Es hat sich ihm ja eingeprägt, dass ihn nichts besser an Wild bringt, als der Einsatz seiner Nase.

4. Er muss sich drückendes oder ablaufendes Federwild, das er in der Nase hat, anzeigen, vorstehen, nachziehen und gegebenenfalls festmachen. Stets Trillerpfiff-down am vorm Hund aufstehenden Federwild verhindert Nachprellen.

Bedauerlicherweise gibt es nicht einmal ein besonderes Leistungszeichen des Jagdgebrauchshundverbandes dafür, wenn „Feldmann“ nach mehreren hundert Metern Arbeit auf dem Geläuf eines kranken Fasans in schwierigem Gelände stolz mit dem Gockel zum Führer zurückkehrt.

Auch Einträge in seiner Ahnentafel sind dafür leider nicht vorgesehen – aber gebratener Fasanen schmeckt nun einmal so unendlich gut! Und nichts ersetzt für einen passionierten Hundeführer die Freude über eine gelungene, schwierige Arbeit des eigenen vierläufigen Jagdhelfers im Jagdbetrieb.

 

 

 

Vorstehen, Vorliegen, Nachziehen, Festmachen: Was der Hund uns zeigt

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Mehr als 8 000 Mal im Jahr werden auf Verbandsprüfungen und speziellen Rasseprüfungen die Vorstehleistungen der Jagdhunde bewertet. Grund genug, das Gezeigte und dessen Beurteilung auf nationaler und internationaler Ebene zu betrachten.

 

Von Claus Kiefer

Auch wenn alle Welt über den Rückgang der Niederwildjagd diskutiert, ist die Zahl der jährlich im Vorstehen geprüften Hunde eine unbestrittene Größe. Um diese über Jahrhunderte gefestigte Anlage, das „Zeigen“ des Wildes, in der Zucht zu erhalten, wird es von der Jugendsuche (VJP) über die Herbstzuchtprüfung (HZP) bis hin zur „Meisterprüfung“, der Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) immer wieder abgefragt. Die Prüfungsordnungen (PO) des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV), der Fédération Cynologique Internationale (FCI) als auch einzelner Rasseverbände haben eines gemeinsam: Sie beschreiben das eigentliche Vorstehen nicht oder nur sehr unzulänglich. Sowohl im nationalen und erst recht im internationalen Vergleich unterliegen die Anforderungen an das Vorstehen und dessen Bewertung großen Schwankungen und Unterschieden. Daher ist es immer schwierig, die Beurteilung von Vorstehhunden international miteinander zu vergleichen.

In der Praxis nicht ganz unproblematisch

Die Bestimmungen der einzelnen Prüfungsordnungen werfen bei näherem Hinsehen eigentlich mehr Fragen auf, als sie Antworten geben. In allen nationalen Prüfungsordnungen wird beispielsweise deutlich zwischen Nase, Vorstehen und Gehorsam abgegrenzt. Das ist in der Theorie auch völlig unproblematisch, nicht ganz so sehr in der Praxis. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Nase und Vorstehen wird gelegentlich bei Prüfungen nicht eindeutig differenziert betrachtet. Natürlich muss ich von einem guten Richter erwarten können, dass er weiß, dass ein Hund trotz bester Nase nicht vorsteht, und dass umgekehrt ein Hund, der sehr häufig vorsteht, und wenn, dann aber leer, damit beweist, dass er keine besonders gute Nase hat.

Ein kompliziertes Kapitel

Die meisten Ordnungen enthalten so gut wie keine Definition für das, was eigentlich unter Vorstehen zu verstehen ist. Sie räumen dem Ermessen der Richter einen sehr großen, vielleicht sogar einen zu großen Spielraum ein. Die Auslegungsmöglichkeiten für Vorstehen gehen vom einfachen Stehenbleiben bis eben hin zu dem, was in der VGPO mit „Manieren am Wild“ umschrieben ist. Diesen Vorgang zu beschreiben, ist außerordentlich schwierig, wenn man nicht über dichterische Fähigkeiten verfügt oder ins Schwärmen geraten will. Aber selbst die Beschreibung in der VGPO lässt noch genügend Beurteilungsspielräume. So ist auch dort die Frage, ob zu einem perfekten Vorstehen auch eine völlig ruhige Rutenhaltung gehört, offen. Dies spielt im internationalen Bereich eine größere Rolle als bei uns in Deutschland. Wer Gelegenheit hat, noch auf Federwild, aber auch auf andere Niederwildarten mit dem Vorstehhund zu jagen, weiß, dass die meisten Hunde sich ihrer Sache erst dann völlig sicher sind, wenn auch die Rute sich nicht mehr bewegt.

Ein ganz besonders kompliziertes Kapitel beginnt dann, wenn der Hund fest und ausdrucksvoll vorsteht und dann vor dem Hund kein Wild aufsteht, beziehungsweise wenn die Richter kein Wild sehen können. Hier stellt sich zuerst die Frage, ob eine bestimmte Wildart festgelegt ist, die der Hund vorstehen muss. Die meisten nationalen Prüfungsordnungen bringen hier zum Ausdruck, dass am liebsten gesehen wird, wenn der Hund Federwild vorsteht. Es zählt aber auch das Vorstehen an anderen Niederwildarten, wenn kein Federwild vorhanden ist. Dies ist eine sehr gute, weil praxisnahe Regelung. Die Beschränkung auf eine ganz bestimmte Wildart, wie wir sie teilweise im internationalen Reglement finden, sollte nicht zwingend sein. Zumal uns unsere Altvorderen beigebracht haben, dass ein Hund, der beispielsweise einen Hasen in der Sasse vorsteht, in punkto Nasenqualität ganz besonders hoch einzustufen ist. Wohingegen das Überlaufen festliegender Hasen nicht negativ gewertet werden darf.

Problematisch ist bereits die Feststellung, ob ein Hund „leer“ vorgestanden hat, das heißt, ohne dass Wild vor ihm war. Hier sind zunächst die Richter gefragt. Wenn sie nah beim Führer beziehungsweise Hund sind, sollten sie feststellen können, ob zum Beispiel in den hohen Rüben ein Hase oder ein Kaninchen oder aber auch Federwild abgelaufen ist. Vor dem Urteil, der Hund hat „leer“ vorgestanden, muss man außerordentlich vorsichtig sein. Dass tatsächlich nachgewiesenes leeres Vorstehen in fast allen Prüfungsordnungen zumindest negative Auswirkungen auf die Benotung hat, halte ich für völlig konsequent. Hunde, die ohne Wild vorstehen, können in der praktischen Jagd zu einem enormen Störfaktor werden. Es gibt wohl nichts Schlimmeres, als mit der Flinte schon halb im Anschlag auf das aufstehende Wild zu warten, und dies dann regelmäßig umsonst.

Die Richter sind gefordert

Die nächste Problematik kann mit dem Begriff „Nachziehen und Festmachen“ umschrieben werden. Ein firmer Hund muss zumindest weglaufendem Wild in ausdrucksvoller Manier und in stetigem Nasenkontakt folgen. Wobei die Länge des Nachziehens nicht vom Hund, sondern vom Wild bestimmt wird. Entscheidend sollte sein, ob der Hund am Ende seiner Nachzieh- und Festmachleistung in der Lage ist, das Wild zu zeigen. Es also zum Abstreichen oder Ablaufen zu veranlassen. Was den Nasenkontakt des Hundes mit ablaufendem Wild angeht, sollten keine allzu strengen Maßstäbe angelegt werden. Jeder erfahrene Jäger und Richter weiß, dass beispielsweise Fasane im sehr lockeren Bewuchs schnell ablaufen können, was natürlich auch bei dem Hund ein entsprechendes Nachziehtempo erzwingt. Noch problematischer wird es, wenn, und auch das ist gerade bei Fasanen gar nicht selten, der Hund das Wild nach rückwärts umschlagen muss, weil es nach hinten abläuft. In einem solchen Fall sollte, wenn der Hund die Arbeit erfolgreich zu Ende bringt, auch ein kurzzeitiges Hochnehmen der Nase und ein kurzzeitiges Sich-Neu-Orientieren nicht unbedingt bestraft werden. Ganz im Gegenteil: Dies ist eine besonders wertvolle und vor allen Dingen für die praktische Jagd wichtige Arbeit. Auch hier sind die Richter gefordert, echtes Nachziehen außerordentlich positiv zu bewerten.

In den meisten nationalen Prüfungsordnungen endet das, was unter dem Fach „Vorstehen“ zu beurteilen ist, mit dem Abstreichen oder Aufstehen des vorgestandenen Wildes. Das Verhalten beim Abstreichen oder Aufstehen des Wildes wird unter der Überschrift „Gehorsam mit Wildberührung“ beurteilt. Dies ist im internationalen Reglement etwas anders geregelt. Vom Ergebnis her kann man mit der einen Regel genauso leben wie mit der anderen. Natürlich gehört der ganze Ablauf von der Sache her zusammen. Denn der Gesamtvorgang ist eigentlich erst dann beendet, wenn feststeht, wie der Hund beim Schuss auf abstreichendes Federwild reagiert. Also ob er ohne jegliche Einwirkung des Führers „hält“ oder „nachprellt“, oder ob er sich durch entsprechende Kommandos halten lässt. Ob hier Fehler bei der Note des Vorstehens berücksichtigt werden oder unter der Rubrik „Gehorsam“, ist im Grunde egal. Dass der Hund auch ohne Kommando apportieren darf, wenn er das Stück fallen sieht, ist eine gute, praxisnahe Regel in den nationalen Prüfungsordnungen.

Es gibt rassespezifisch und je nach Prüfungsordnung erhebliche Unterschiede in der Wertigkeit des Vorstehens. Nach außen hin treten diese nicht so sehr in Erscheinung. Aber vor allen Dingen bei Prüfungsordnungen, die keine Preiseinteilung mehr vorsehen, sondern bei denen nach dem „12“-Punkte-System gerichtet wird, ist dies der Fall. Dort kann man allenfalls an der Fachwertziffer – dem Multiplikator – erkennen, welche Bedeutung diesem Fach zugemessen wird. Bei der Herbstzuchtprüfung zum Beispiel hat das Vorstehen die Fachwertziffer „2“ im Gegensatz zur Spurarbeit und zur Nase, die die Fachwertziffer „3“ haben. Bei der Verbandsgebrauchsprüfung hat das Vorstehen die Fachwertziffer „4“, während die Schweißarbeit die Fachwertziffer „8“ beziehungsweise „5“ hat und der Nasengebrauch die Fachwertziffer „6“. Die Prüfungsordnungen des Deutsch-Kurzhaar-Verbandes beispielsweise geben dem Vorstehen eine deutlich höhere Wertigkeit. Für einen 1. Preis, gleichgültig, ob bei Derby, Solms, IKP oder Dr.-Kleemann-Ausleseprüfung, muss der Hund, ebenso wie in den Fächern Nase und Suche, die Höchstnote „4“ haben. Anders ausgedrückt, ein Hund mit einem 1. Preis auf einer Zuchtprüfung des Deutsch-Kurzhaar-Verbandes hat immer Höchstnote in Nase, Suche und Vorstehen.

International spielt nur der „Nasengebrauch“ bei der Bewertung eine Rolle

Und nun einige Anmerkungen zum internationalen Reglement der FCI, vor allem für die „Field-Trials“: Der erste wesentliche Unterschied besteht darin, dass bei diesen Field-Trial-Prüfungen eine Bewertung der Nasengüte, und dies gar mit einer Note, nicht stattfindet. Während wir in Deutschland gewohnt sind, aus verschiedensten Anzeichen Rückschlüsse auf die Güte der Nase unserer Hunde zu ziehen und dies dann in einer Nasennote zum Ausdruck bringen, spielt international nur der „Nasengebrauch“ bei der Bewertung der Leistung eines Hundes eine Rolle. Ausfluss dieser Problematik ist der deutlichste Unterschied der beiden Systeme: Während es national bei all den Jagdhundrassen und -schlägen, die die Arbeit auf der Gesundspur des Hasen vorsehen, außerordentlich erwünscht ist, wenn der Hund mit tiefer Nase einer Wildspur folgt, ist dies bei einem Field-Trial geradezu verpönt. Dort will man den Hund sehen, der mit relativ hoher Nase, bei bester Ausnutzung des Windes und des Geländes, sucht. Dort wird eine intensive Beschäftigung mit Spuren und Geläufen mit dem Ausschluss aus der Prüfung geahndet. Ob wir es in Deutschland richtig machen, wenn wir rückschließend eine Note für die Nasengüte vergeben oder, wie es international üblich ist, ob wir nur das beurteilen, was wir effektiv sehen können, nämlich wie der Hund seine Nase einsetzt, tritt in diesem Zusammenhang natürlich in den Hintergrund.

Alles dreht sich um den „Punkt“

Der nächste wesentliche Unterschied ist ein Formulierungsproblem. In dem internationalen Reglement spricht man nicht vom Vorstehen, sondern vom so genannten „Punkt“. Der „Punkt“, englisch „Point“, hat der Rasse Pointer (Punktemacher) sogar den Namen gegeben, und auch der Deutsch-Kurzhaar heißt im englischen Sprachgebrauch „German-Shorthair-Pointer“. Zu einem „Punkt“ gehört dann konsequenterweise das gesamte Spektrum vom möglicherweise weiten Anziehen bis zum Verharren beim Aufstehen des Wildes und bis zur Ruhe beim Schuss. Man kann hier ohne Weiteres sagen, dass der „Punkt“ das A und 0 der gesamten Field-Trial-Prüfung ist. Um diesen „Punkt“ dreht sich im Endergebnis alles bis hin zur Klassierung der Hunde, also wer aus einem solchen Wettbewerb als Sieger hervorgeht. Dies hat zur Folge, dass ein Hund, der nicht mindestens einen „Punkt“, und das an Federwild, gemacht hat, bei einer solchen Prüfung nicht qualifiziert werden kann. Es ist hier nicht der Ort, sich mit den Vor- und Nachteilen der beiden Prüfungssysteme auseinander zu setzen. Eins kann aber festgehalten werden: Die Vielseitigkeit unserer Vorstehhunde, und unsere Hunde als Vollgebrauchshunde können bei diesen Prüfungen nur einen Teil ihrer jagdgebrauchshundlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Umgekehrt ist es dann natürlich nicht verwunderlich, dass der Art und Weise des Vorstehens die allergrößte Aufmerksamkeit gewidmet wird. Unter der Überschrift „Das Richten/Die Klassierung“ beschreiben diese Prüfungsordnungen sehr ausführlich, was alles zum „Punkt“ gehört und wie die einzelnen Aktionen zu erfolgen haben. Die Grundregeln sind im Prinzip dieselben, die wir in Deutschland haben. Danach beginnt der „Punkt“ mit einem eventuellen weiten Anziehen, was nicht immer der Fall sein muss, gefolgt von festem Vorstehen, möglicherweise einem Nachziehen auf Befehl oder einem Herausstoßen auf Befehl. Die Unbeweglichkeit an Ort und Stelle beim Aufstehen des Wildes, der Ruhe beim Schuss und das Anleinen des Hundes beenden den Vorgang.

Neu in das internationale Reglement wurde das Herausstoßen auf Befehl aufgenommen, im englischen Sprachgebrauch „Flush“ genannt. Dies geschieht vor allem im Interesse der Länder, in denen in besonders unwegsamen Gelände gejagt wird. Dort kann es vorkommen, dass der Jäger gar nicht bis zu seinem vorstehenden Hund kommen kann. In einem solchen Fall macht es Sinn, wenn der Hund auf Kommando des Führers das vorgestandene Wild herausstößt. Allerdings muss er dann genauso unbeweglich auf seinem Platz verharren, wie wenn das Wild ohne den „Flush“ abgestrichen wäre.

Das kleinste Nachprellen wird geahndet

Fein unterschieden wird auch zwischen dem Nachziehen auf Befehl des Führers nach dessen Ankunft beim vorstehenden Hund und der spontanen Annäherung an das Wild, um mit diesem Kontakt zu halten, bevor der Führer beim Hund ist. Bereits aus der Formulierung „Das Nachziehen wird unter bestimmten Voraussetzungen geduldet“ kann entnommen werden, dass der ideale „Punkt“ der ist, bei dem sich die Hühner – die meisten Field-Trials sehen nur Hühner als vorzustehendes Wild vor – so nahe im Einzugsbereich des Hundes befinden, dass diese vom Führer herausgetreten werden können.

Ganz besonderen Wert wird auf das Verhalten des Hundes bei abstreichenden Hühnern und beim Schuss gelegt. Der Hund muss ohne jegliche Einwirkung des Führers auf der Stelle verharren, auf der er vorgestanden beziehungsweise sich durch Nachziehen herangearbeitet hat. Hier wird bereits das kleinste Nachprellen geahndet. Das höchste Prädikat, ein „CACIT“, die Anwartschaft für den Internationalen Arbeitschampion, kann nur erteilt werden, wenn der Hund absolut auf dem Platz verharrt.

Natürlich gehören auch bei einem „Field-Trial“ Suche, Suchenstil und vor allem Gehorsam am Haarwild zu weiteren Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden. Bei Suche und Suchenstil wird deutlich differenziert zwischen den einzelnen Jagdhundrassen. Gewünscht ist ein rassespezifischer Suchenstil, wobei allerdings oft die Maßstäbe, vor allem auch an das Tempo bei der Suche, bei unseren deutschen Vorstehhunden von den Richtern etwas überspitzt werden. Dies wird verständlich, wenn man bedenkt, dass viele international tätige Richter ursprünglich aus dem Lager der englischen Vorstehhunde kommen.

Die deutschen Prüfungsordnungen lassen sowohl das Vorstehen als auch das Vorliegen gleichwertig zu. Dies missfällt den Anhängern der deutschen Vorstehhundrassen, insbesonders den Anhängern von Deutsch-Kurzhaar vor allem in Italien, aber auch in Spanien. Der Hauptgrund hierfür ist, dass die Auffassung vertreten wird, das Vorliegen sei mehr für den Setter rassetypisch als für kontinentale Vorstehhunde. Eigentlich gibt es aber keinen Grund, einen Hund deshalb geringer zu werten, weil er in allerletzter Anspannung und Intension, zum Beispiel am Ende eines Nachziehens, fast kriecht oder eben vorliegt.

Große Vielfalt natürlicher Schwierigkeiten

Der Präsident des französischen Kurzhaar-Verbandes, René Gerlet, hat einmal formuliert: „Bevor man Prüfungssysteme und Prüfungsleistungen von Hunden beurteilt, muss man die Jagdart und die Wildarten kennen, die im Einzelfall im betreffenden Land oder gar im betreffenden Erdteil gejagt werden.“ Dies wurde besonders deutlich bei meinem Besuch in Argentinien. Eine argentinische Spitzenhündin hätte beispielsweise bei Anlegung des internationalen Prüfungsreglements und der strengen Beachtung der Grundsätze auch für das Vorstehen gelegentlich auch den einen oder anderen kleinen Abstrich erhalten an einem langen Jagdtag. Warum das so ist, hat Graf Jorge Kesselstatt in seinem leider vergriffenen Buch in spanischer Sprache über die „Gebrauchshunde“ vortrefflich zum Ausdruck gebracht und wie folgt formuliert:

„An gewissen Tagen passiert es, dass die Perdices (Rebhühner) sehr weit laufen und dann auffliegen, ohne vorher anzuhalten. In diesen Fällen ist es nicht ein Fehler des Hundes, wenn er nicht vorsteht und ihnen langsam folgt. Ohne Zweifel ist die Arbeit des Hundes in Argentinien in diesem Punkt viel schwieriger, weil das südamerikanische Huhn sehr viel weiter läuft als das europäische, bevor es aufsteht. In Argentinien läuft das Huhn mehr oder weniger beeinflusst von der Windrichtung, von der allgemeinen Wetterlage und von der Vegetation. Wo das Huhn gute Deckung hat, bleibt es fester sitzen. Wenn das Gelände niedrigen Grasbewuchs hat, läuft das Huhn mehr. Bei ungünstigen Bedingungen ist es möglich, dass das Huhn aufsteht, bevor der Hund mit der Arbeit begonnen hat. Andererseits gibt es Tage mit sehr starkem Wind, an denen die Hunde sehr sicher markieren, obwohl das Huhn sich 50 Meter entfernt aufhält. Der argentinische Jäger muss die große Vielfalt natürlicher Schwierigkeiten kalkulieren, die sich dem Hund in einem so ausgedehnten Gebiet bieten, wenn er unvoreingenommen die Arbeit des Hundes in den riesigen Territorien der Republik Argentinien beurteilen will.“ Auch die Bewertung des dauernden Nasenkontaktes mit dem Rebhuhn kann nicht so eng gesehen werden wie bei Rebhühnern im Frühjahrs-Field-Trial.

Bei der Bewertung der Vorstehleistungen, der Nase beziehungsweise ihrer gesamten jagdlichen Anlagen sind die äußeren Umstände, wie Witterung und Geländeverhältnisse, das bejagte Wild und die Jagdart im hohen Maße mit zu berücksichtigen.

Das Sekundieren:Mit hoher Nase, unbeweglich vor Anspannung stehen zwei Deutsch-Kurzhaar vor. Macht sich das Wild auf, sollen sie nachziehen und es festmachen, bis das Wild abstreicht beziehungsweise abläuft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Praxisnahe Schweissprüfung: Tropfen, tupfen oder treten?

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Brauchbarkeitsprüfung, Verbandsschweiß- oder Fährtenschuhprüfung – welche Prüfung entspricht der Praxis? Von Thore Wolf.

Hund
Bild: Thore Wolf

Mein Hund soll hauptsächlich für die Nachsuche eingesetzt werden. Nun weiß ich aber nicht, auf welche Art ich ihn am besten einarbeite und für die Praxis vorbereite. Ist eine Fährtenschuhprüfung denn wirklich praktikabel, so ganz ohne Schweiß? Oder reicht auch die einfache Brauchbarkeitsprüfung auf der getropften Fährte?“

Solche Fragen erreichen häufig die Redaktion. „Der Irrglaube, dass sich der Hund nur an Schweißtropfen orientiert, ist noch immer weit verbreitet“, sagt WuHNachsuchenexperte Stefan Mayer. „Doch inzwischen sollte es sich rumgesprochen haben, dass Wild nicht fliegen kann, und dass der Hund nicht die Schweißfährte als solches, sondern die damit verbundene Bodenverwundung durch den Fährtenleger arbeitet. Zahlreiche Kynologen haben dies in diversen Arbeiten belegt. So weist beispielsweise MÜLLER (2004) darauf hin, dass eine Kunstfährte aus vier wesentlichen Komponenten besteht, an denen sich der Hund orientiert:

1. die mechanische Veränderung des Bodens

2. freigesetzte Duftstoffe durch Zerstören von Pflanzenteilen

3. Duftstoffe des Fährtenlegers

4. Duftstoffe, die durch das Zersetzen zerquetschter Pflanzenteile durch Bakterien entstehen. BORNGRÄBER (2004) favorisiert die Ausbildung des Hundes an der Bodenverwundung und nicht am Schweiß. Schließlich könne auch in der Praxis der Schweiß im Unterschied zur Bodenverwundung gänzlich fehlen. Ist es nach diesen Erkenntnissen überhaupt praxisgerecht, reine Schweißprüfungen – getupft oder getropft – durchzuführen?

Landauf, landab existieren die unterschiedlichsten Prüfungsvarianten. Sowohl die Brauchbarkeitsprüfungen der jeweiligen Landesjagdverbände, der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) als auch die jeweiligen Zuchtvereine der verschiedenen Jagdhunderassen bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Schweiß-Prüfungsmodelle an.

Betrachtet man sich alleine die Brauchbarkeitsprüfungsordnungen der Länder, stellt man schnell fest, dass es auch dort zahlreiche Unterschiede gibt. So wird beispielsweise in Brandenburg eine 600 Meter lange Übernachtfährte mit einem Viertel Liter Schweiß gefordert, aber in Nordrhein-Westfalen und Bayern beispielsweise nur 300 Meter. Ob die Fährten getupft, getropft oder mit dem Fährtenschuh getreten werden, ist ebenfalls in jedem Bundesland unterschiedlich.
Bei den meisten Schweißprüfungen wird maximal ein Viertel Liter Schweiß auf einer bestimmten Fährtenlänge ausgebracht. So auch bei der Verbandsschweißprüfung (VSwP, Fährtenlänge: mindestens 1 000 Meter) des JGHV und bei der Verbandsgebrauchsprüfug (VGP, Fährtenlänge: mindestens 400 Meter).

 

Schweisshundestation
Dies, so sind sich Nachsuchenpraktiker einig, ist vollkommen praxisfern. Eine Diplom arbeit an der Technischen Universität Dresden (DONAT 2010) kommt zum Schluss, dass der Schweiß eher für den Hundeführer von Bedeutung ist, nicht aber für den Hund. Im Jagdgebrauschhundlager ist diese Erkenntnis aber anscheinend noch nicht überall angekommen. Zeugnis darüber legte die Abstimmung auf der Verbandstagung des JGHV in diesem Jahr ab. Entgegen aller kynologischen Erkenntnisse lehnte die Mitgliederversammlung mehrheitlich ab, in der VGP-Ordnung die Fährtenschuhfährte als dritte Variante neben getupfter oder gespritzter Fährte zuzulassen.
Ebenso wurde abgelehnt, die Mindestlänge der VGP-Fährte anzuheben. Und das, obwohl bereits 2010 DONAT nach einer Auswertung von 995 Nachsuchen zu dem Schluss kam, dass schon auf einer einfachen Brauchbarkeitsprüfung Hunde auf einer Übernachtfährte mit einer Mindestlänge von 600 Metern geprüft werden sollten, um den Anforderungen der Jagdpraxis gerecht zu werden.

 

 

Fährte
Szene einer Hauptprüfung im Verein Hirschmann: Im Echtbetrieb wird das Gespann unter Richterbegleitung geprüft.Bild: Ulf Muuß

„Eine echte Wundfährte, auf der ein Viertel Liter Schweiß schön gleichmäßig auf einen Kilometer verteilt ist, gibt es nicht!“, meint Schweißhundexperte Bernd Krewer. Aber darauf kommt es nach seiner Überzeugung auch nicht unbedingt an. „Wenn ein Hund nach Regen oder Frost einen Kilometer weit einer nach 24 Stunden nur noch wenig Wittrung abgebenden Leitschnur folgen kann, dann hat er zumindest einen guten Nasengebrauch und eine sehr hohe Konzentrationsfähigkeit bewiesen“, sagt Krewer. „Seine Verleitungssicherheit hängt entscheidend davon ab, ob er das süße Gift des freien Jagens hinter den Wildarten kennt oder eben nicht, die ‚seine‘ Fährte kreuzen. Es ist sicher kein Zufall, dass oft die Hunde auf den Siegertreppchen stehen, die bis dahin selten oder nie zum Stöbern oder auf echten Nachsuchen eingesetzt worden waren.“

Noch kritischer betrachtet WuH-Nachsuchenexperte Stefan Mayer die reinen Schweißprüfungen. Vor allem die der Baden-Württemberger Brauchbarkeitsprüfung. Dort besteht die Möglichkeit, eine Brauchbarkeit ausschließlich für die „Nachsuche in Schalenwildrevieren“ abzulegen. Die Anforderungen: Eine 400 Meter lange Übernachtfährte, auf der ein Viertel Liter Schweiß ausgebracht wird.

Hat ein Hund diese Prüfung zusammen mit dem allgemeinen Gehorsam, der Schussfestigkeit und dem Benehmen am verendeten Stück bestanden, ist er im Sinne des baden-württembergischen Landesjagdgesetzes brauchbar für Nachsuchen in Schalenwildrevieren. Und genau darin liegt der Knackpunkt: „Viele Hundeführer ziehen daraus die falschen Schlüsse“, sagt Mayer. „Die ‚Brauchbarkeit im Schalenwildrevier‘ suggeriert ihnen, dass sie mit bestandener Prüfung ihren Vierläufer nun tatsächlich für alle anfallenden Nachsuchen einsetzen können. Dem ist aber beileibe nicht so!“

Der Schwarzwälder Nachsuchen führer ist davon überzeugt, dass man diese Prüfungsfährten in den meisten Fällen mit dem bloßen Auge – auch ohne Hund – nachlaufen könne. „Ein auf diese Minimalanforderungen eingearbeitets Gespann kommt in der Praxis sehr schnell an seine Leistungsgrenze“, ist sich Stefan Mayer sicher. Seine Erfahrungen belegen dies: Viel zu häufig wird auch noch in der Nacht mit solchen „brauchbaren“ Hunden probiert. Die kranken Stücke werden immer wieder aufgemüdet. Professionellen Nachsuchengespannen, die dann die „Kartoffeln aus dem Feuer“ holen müssen, erschwert das unnötig die Arbeit. Vom Leiden des kranken Wildes ganz zu schweigen.

 

 

Schalenwild
Schalenwild gibt durch seine Fährtenabdrücke (hier Damwild) ausreichend Witterung für den Hund ab.Bild: Florian Stamdke
Stefan Mayer und seine Kollegen von der Schweißhundestation Südschwarzwald haben seit ihrer Gründung alle Zahlen und Fakten ihrer Einsätze akribisch erfasst und ausgewertet. Wurden zu Anfang bei weniger als zehn Prozent der Suchen vorher bereits andere „Durchschnittshunde“ auf der Wundfährte eingesetzt, ist dies seit Einführung und offensiver Werbung für die Brauchbarkeitsprüfung inzwischen seit 2009 bei rund 30 Prozent der Nachsuchen der Fall.
„Dementsprechend stiegen auch die Fehlsuchen unserer Station an. Obwohl die Leistungsfähigkeit unserer Hunde tendenziell gesteigert wurde“, gibt Mayer zu bedenken. In Zahlen ausgedrückt: Bei jährlich rund 130 von 400 Nachsuchen wurde vorher schon mit einem anderen Hund probiert. Kurzum: Bei jeder dritten Arbeit! (siehe Grafik links) „Daran ändert auch die Prüfungsordnung selbst nichts. Mit Sicherheit ist sie sinnvoll, damit die Hunde einen Befähigungsnachweis und somit einen Versicherungsschutz erlangen“, fügt Mayer hinzu und betont, dass die Verantwortlichen im Landesjagdverband den Hundeführern unmissverständlich klarmachen sollten, dass das Experimentieren mit solchen Hunden auf schwierigen Wundfährten teilweise einer unterlassenen Nachsuche nahe kommt. Und das sei Tierquälerei.

 

 

Fährte
Fährtenschuhe.Foto: Adolf Schilling

„Natürlich ist die Bodenverwundung durch den Menschen auch dabei deutlich verstärkt. Aber die Fährtenschuhprüfung ist aus meiner Sicht die pragmatischste“, erklärt Stefan Mayer. Am wenigsten praxisgerecht scheint für ihn die Verbandsschweißprüfung, weil die große Schweißmenge für erschwerte Nachsuchen recht ungewöhnlich ist: „Bedenkt man, dass mindestens zwei Personen mit all ihren Bodenverwundungen und Eigengerüchen die Fährte legen, sollte es für einen normal eingearbeiteten Hund keine Mühe sein, solch eine Fährte zu arbeiten.“

 

 

Fährte
Bei Fährtenschuhprüfungen spielt der Schweiß eine untergeordnete Rolle.Foto: Adolf Schilling

Aber wie werden eigentlich die Hunde der professionellen Nachsuchengespanne geprüft? Also die Vertreter der Rassen Bayerischer Gebirgsschweißhund und Hannoverscher Schweißhund? Ihre Zuchtvereine gehen noch einen Schritt weiter. Bei der Vorprüfung werden die Hunde auf einer schweißfreien Fährtenschuhfährte geprüft. Die spätere Hauptprüfung findet im echten Jagdbetrieb als Nachsuche mit Richterbegleitung statt. Für die Hannoverschen Schweißhunde war lange Zeit die „klassische Hirschmannschule“ das Nonplusultra der Vorprüfung. Dabei wurden die Vierläufer auf der genau beobachteten Gesundfährte eines einzelnen Stückes Hochwild eingearbeitet und geprüft. Der Vorteil: Der junge Schweißhund lernt, sich an der individuellen Wittrung eines einzelnen Stückes festzusaugen. Und das ganz ohne menschliche Gerüche. Kritiker behaupten, diese Einarbeitung sei kontraproduktiv. Schließlich würde der Hund an Gesundfährten gewöhnt, die er später auf der Wundfährte als Verleitung ignorieren müsste. Dass dieser Einwand nicht haltbar ist, kann Bernd Krewer aus eigener Erfahrung belegen: „Ich habe acht Schweißhunde nach der Hirschmannschule eingearbeitet. Alle wurden sehr leistungsstark. Die Wundwittrung und der vielleicht vorhandene Schweiß in den ‚echten‘ Krankfährten wurden nach der Einarbeitung auf den Gesundfährten sehr rasch zur dominanten Leitschnur ihrer Arbeit.“

Dieses Talent zeigten bereits die Leithunde, von denen die Hannoverschen Schweißhunde abstammen. Vom Mittelalter bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ihnen die Aufgabe zuteil, die Gesundfährte eines einzelnen Hirsches oder eines Keilers zu arbeiten, um das Stück in seinem Einstand zu bestätigen und dorthin zu lancieren, wo die höfische Jagdgesellschaft bereitstand. Am Riemen (Leitseil) geführt, mussten die Hunde mit tiefer Nase über Stunden diese einzelne Fährte konsequent halten. Schweiß brauchten die Leithunde dazu nicht!

 

Hunde besser verstehen

 


Die wichtigste Erkenntnis gleich zu Beginn: Wie ihre wölfischen Vorfahren sind Hunde von Natur aus Rudeltiere. Sie brauchen eine Gemeinschaft zum Wohlfühlen, am liebsten Familienanschluss! So ist auch die Leistungsbereitschaft eines Jagdhundes erheblich größer als die eines Wurfbruders, der die meiste Zeit allein unter Verschluss gehalten wird.

Daher gilt: Dabei sein ist alles! Je häufiger die Kontakte mit unserem Hund sind, desto besser richtet er sein Verhalten nach unseren Wünschen. Übungen zur Vertiefung des Gehorsams werden einfach in den gemeinsamen Tagesablauf eingebaut – im Haus und beim Reviergang.

Natürlich können Hunde durch behutsame Gewöhnung auch lernen, stundenweise allein zu bleiben, einschließlich Zwingeraufenthalt. Am besten lässt sich das trainieren, wenn der Vierbeiner nach Spiel und Spaß ein deutliches Ruhebedürfnis hat. Wichtig bleibt aus Hundesicht die Feststellung, dass die Trennung von der „menschlichen Meute“ möglichst die Ausnahme bleibt.

Bedürfnisorientiert

Allerdings enthält der Wunsch des Hundes nach Familienanschluss weitere Herausforderungen: Aus seiner Sicht gehört zu jedem Rudel auch ein Anführer. Diese Rolle muss der Zweibeiner übernehmen! Dabei gelingt die Ausbildung am besten, wenn der menschliche Trainer sich an den Bedürfnissen seines Lehrlings orientiert. Hierzu gehört auch die richtige Ausbildungsmethode: Neues wird in kleinen Einheiten über den Tag verteilt geübt, stationäre Übungen („Sitz“, „Platz“) wechseln mit Bewegung („Komm“, „Bei Fuß“). Am Ende jedes Abschnitts sorgt der Führer für ein Erfolgserlebnis – das Gespann soll mit einem guten Gefühl in die Pause gehen und sich auf neue Herausforderungen freuen.

Bei derartigem Umgang miteinander wird der Hundeführer schnell zum anerkannten „Leithund“. Diese Autorität wollen Hunde spüren! Fehlt sie beim Menschen, übernimmt der Vierbeiner allmählich diese Rolle. Die Folge sind Hunde, denen man (angeblich) nichts beibringen kann, bzw. große Jagdhunde, die ihre Familie „strammstehen lassen“. Diese Fehlentwicklungen sollten durch konsequentes Rollenverhalten vermieden werden: Der Mensch ist der Boss!

Ziel unserer Ausbildung ist ein Vierbeiner, der freudig mit uns zusammenarbeitet. Das geht nur über positive Verknüpfungen beim Hund – für Erfolgserlebnisse bei der Ausbildung und im Jagdbetrieb müssen Sie sorgen. Dagegen kann unerwünschtes Hundeverhalten durch Ablenkung oder angemessene Strafreize unterdrückt werden. Dabei gilt:

Für Wölfe und Hunde sind körperliche Auseinandersetzungen im positiven wie negativen Sinn normal: Einerseits signalisieren gegenseitiges Belecken und Kontaktliegen Zuneigung und Wohlbefinden. Andererseits wird körperliche Überlegenheit eingesetzt, um Rangordnungskämpfe auszutragen oder Fehlverhalten zu bestrafen. Allerdings geht der Einsatz körperlicher Gewalt regelmäßig nur bis zur Unterwerfung des Gegners. Instinktsichere Verlierer treten deshalb rechtzeitig den Rückzug an oder gehen in die Rückenlage – wohl wissend, dass damit der Kampf beendet wird.

Positive Erlebnisse

An diesem Verhalten sollte sich auch der Mensch orientieren: Wenn schon körperliche Bestrafung, dann höchstens so lange, bis die Ursache abgestellt ist. Damit verbietet sich „Verprügeln“ von selbst – von tierschutzrechtlichen Problemen und ihren Folgen einmal ganz abgesehen. Schläge mit der Hand, Fußtritte oder ein Hieb mit der Hundeleine? Nein – wir wünschen uns einen Hund, der sich gern streicheln lässt und angesichts der Leine seine Freude über den Reviergang zeigt. Das kann er nur, wenn unsere Hände und Ausbildungshilfen mit positiven Erlebnissen verknüpft werden. Zum Strafen werden andere „Instrumente“ benötigt, von der unfreundlich lauten Stimme bis zur Wurfkette.

Natürlich wird nur im Augenblick des Fehlverhaltens korrigiert. Wenn Ihr Hund das offenstehende Hoftor für einen Streifzug durch die Felder genutzt hat, darf er bei seiner Rückkehr freundliche Worte erwarten – für sein Zurückkommen nämlich! Wird er in diesem Moment gestraft, verknüpft er das nicht mit dem lange zurückliegenden Weglaufen, sondern mit seinem Heimkommen, und das will der Mensch sicher nicht erreichen.

Auch die „fünf Sinne“ des Hundes beeinflussen unsere Ausbildung. Auf drei Faktoren soll näher eingegangen werden: Das Verhalten wird wesentlich durch Informationen gesteuert, die der Vierbeiner durch seine Nase wahrnimmt. So erfährt er, wo ein Fasan sich drückt und eine läufige Hündin in der Nähe ist. Das Problem für den Menschen: Er sieht nichts von diesen „Geruchs-Bildern“. Deshalb muss er lernen, die Körpersprache seines Hundes richtig zu deuten. Die Botschaft eines fest vorstehenden Deutsch Langhaar ist eindeutig: Hier ist Wild im Nahbereich!

Weitere Reize erhält der Hund durch den Gebrauch seiner Augen. Schon bei den Wölfen sorgt die Flucht eines Beutetieres für die Aufnahme der Verfolgung. Bewegungsreize lassen auch unsere Jagdhunde schneller werden – Hasen und Radfahrer könnten ein Lied davon singen. Wenn der Mensch die Umgebung aufmerksam beobachtet, nimmt er schnelle Bewegungen meist vor dem Hund wahr und kann einwirken, bevor der Bewegungsjäger zum Sprint ansetzt. Diese körperliche Überlegenheit müssen wir nutzen!

Für eine erfolgreiche Ausbildung brauchen wir die Ohren unserer Hunde nicht durch Schreierei zu strapazieren. Wer überwiegend mit voller Lautstärke arbeitet beziehungsweise brüllt, darf sich nicht wundern, wenn ein gelegentlicher Befehl im Umgangston“überhört wird. Und in wirklich kritischen Situationen gibt es dann keine Einwirkung mehr, weil „Stimmreserven“ fehlen. Erfolgversprechender als die menschliche Stimme ist über größere Entfernung ohnehin die Hundepfeife.

Zwischen den Zeilen lesen

Auch wenn der Mensch nicht alle Faktoren wahrnimmt, die einen Hund beeinflussen, ist er ihnen nicht einfach ausgeliefert: Jeder Hund zeigt durch Veränderung seines Verhaltens, wenn er bestimmte Signale empfangen hat. Diese kleinen Zeichen müssen wir erkennen, um ihn anzuspornen oder zu bremsen. Manchmal entscheiden Sekunden über Erfolg oder Misserfolg: Die Einwirkung des Menschen auf den Hund wird am ehesten gelingen, wenn andere Reize ihre Wirkung noch nicht entfalten konnten. Die für uns nicht wahrnehmbare Wittrung an der Kopfhaltung des Vierläufers zu erkennen und zu reagieren, bevor er dem Schmalreh nachjagt – das ist wahres Können!

Zum Schluss noch eine Empfehlung: Geben Sie Ihrem Hund Gelegenheit zum Spielen. Je früher Sie es tun (z. B. bei Welpenspieltagen), je häufiger Sie es einrichten (z. B. um „ernste“ Ausbildungsabschnitte aufzulockern), desto besser. Für Sie und Ihren Vierbeiner – ja, Sie sollen sich beteiligen! Es ist gerade für junge Hunde einfach toll, ungezwungen mit anderen Vierbeinern und dem eigenen „Leithund“ herumzutoben oder zu schmusen. Es gibt auch kaum einen besseren Weg, Körperkraft und Geschicklichkeit zu entwickeln, spielerisch die Rangordnung innerhalb einer Gruppe herzustellen und sich einfach mit seinem Menschen wohlzufühlen. Dies gilt für Hunde bis ins hohe Alter, lediglich die Spielformen müssen „den müden Knochen“ angepasst werden … DH

 

Beißer und Reißer – Problemhunde umerziehen

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Wie entsteht Fehlverhalten bei Hunden und wie kann man es korrigieren? Jagdhundeprofi Theodor Heßling zeigt dies an Beispielen aus seiner alltäglichen Praxis.

Ganz klar: Hunde benötigen positive Zuwendung. Sie brauchen aber auch klare Strukturen, konsequente Führung, Familienanschluss und viele unterschiedliche Sozialkontakte. Emotionen sind in der Hundeausbildung wichtig. Ebenso die Liebe zum Hund! Aber alles in geordneten Bahnen.
In den Jahrzehnten, in denen ich mich mit Hunden befasse, sie beobachte, ausbilde und jagdlich führe, habe ich keinen Vierläufer erlebt, der im Familienverbund ausnahmslos mit positiven Reizen konditioniert wurde. Im Gegenteil: Untereinander greifen Hunde auf leichte bis massive Abbruchsignale zurück, sofern sich das „Miteinander“ störend darstellt.
Verhaltensforscher wie Prof. Dr. Monika Meyer-Holzapfel, Dorit Feddersen-Petersen oder Ulrich Klever, sind darüber einig, dass die meisten Verhaltensstörungen bei Hunden durch die Haltung und den Umgang des Menschen entstehen. Häufig schleichen sich solche Verhaltensstörungen nur langsam und unbemerkt ein. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem dieses Fehlverhalten zum großen Problem wird. Überängstlichkeit, Aggressionsverhalten oder Hyperaktivität sind nur einige Ausprägungen.
Viele natürliche Verhaltensreaktionen des Hundes werden schnell als genetisch bedingte Verhaltensstörung abgetan, beispielsweise wenn der Hund beim nächtlichen Ansitz nicht im Auto bleiben will und randaliert. Ursprünglich ist dieses Verhalten aber völlig normal. Schließlich will der Hund als Rudeltier bei seinem Familienverband bleiben und macht dies mit Protestbellen deutlich. Fast alle Hunde mit solchen Problemen können schnell und einfach umkonditioniert werden.
Allerdings gibt es auch kompliziertere Fälle. So wie „Siggi“, ein vierjähriger, bis zur Verbandsgebrauchsprüfung ausgebildeter Deutsch-Drahthaar., und „Zeus“, ein Langhaar-Weimaraner mit dem Leistungsstand der jagdlichen Brauchbarkeit. Beide Hunde zeigten Aggressionen gegenüber Artgenossen und ihren jeweiligen Hundeführern. In meiner Hundeschule wurden die beiden einem Anti-Aggressionstraining unterzogen. Die Namen der Hunde wurden geändert. Das jeweils geschilderte Verhalten ist nicht an der Rasse festzumachen. Nach Ausführungen der Verhaltensforscher Eberhard Trumler und Konrad Lorenz ist allen Tieren ein angeborener Aggressionstrieb eigen, der normalerweise durch Hemmzentren im Gehirn blockiert wird. Die Hemmungen können entweder durch Erfahrungen (Selbstdressur) oder vernunftvolle Ausbildung (Fremddressur) verstärkt werden. Zunächst dient die Aggression der innerartlichen Kommunikation: Ein ranghöherer Hund beantwortet Fehlverhalten eines rangniederen mit abgestufter Aggression.

 

Zeus siggi
Dominanzaggression in Höchstform: Weimaraner „Zeus“ und Drahthaar „Siggi“ legten das gleiche Verhaltensmuster an den Tag. Nur unter großer Kraftanstrengung konnten sie bei Kontakt mit anderen Hunden an der Leine gehalten werden.Foto: Theodor Heßling
Bereits dem Welpen muss deshalb vermittelt werden, dass andere Hunde eine Gegner sind. Durch viele positive Kontakte in der Jugend mit unterschiedlichen Rassen und Altersstufen kann der junge Hund ein normales und positives Verhalten anderen Vierläufern gegenüber entwickeln.
Bei „Siggi“ und „Zeus“ war die Situation eindeutig. Die Führer der Hunde zeigten wenig Durchsetzungsvermögen und führten die Hunde sehr inkonsequent. Zudem waren beide Rüden sehr unruhig, was sich durch hyperaktives Hecheln und lautes Fiepen äußerte. Während der jagdlichen Ausbildung hatten sie zwar die üblichen Hörzeichen erlernt und auch verstanden. Allerdings führten sie Befehle nur bedingt aus. Begegnungen mit fremden Hunden waren selbst angeleint nur auf große Distanz möglich. Dabei präsentierten sich die Rüden mit stark hochgezogenen Ruten, extrem angespannten Gliedmaßen und aufgestelltem Nackenhaar.
In einem Test wurden beide Rüden einander gegenübergestellt. Verringerte sich die Distanz zwischen ihnen, fixierten sie sich kurz durch gegenseitiges Anstarren und gingen sofort in starke Aggressionen über. Nach diesem Test war klar, dass beide Hunde andere Artgenossen massiv angreifen und auch verletzen würden.

Schnell wurde auch offenbar, dass bei beiden Hunden „Fehler“ in der Unterordnung mit unterschiedlichen Konsequenzen vom Hundeführer gemaßregelt wurden Vermeintlich „kleine „Fehler“ wurden auch nur mäßig korrigiert. Frei nach dem Motto: „Ist ja nicht so schlimm.“ Unbewusst gingen die Hundeführer viel zu emotional und inkonsequent vor.

 

 

Maulkorb.
Stetig wurde die Distanz zwischen den Hunden verringert. Zum Schutz trugen die Vierläufer einen Maulkorb.Fot: Theodor Heßling
Als die Rüden vorgestellt wurden, zeigten sie sich absolut charakterstark. In unterschiedlichen Reizsituationen ließen sie sich kaum oder nur unter großer Kraftanstrengung führen. Nach Auskunft der Hundeführer fielen beide Rüden bis zum sechsten, beziehungsweise achten Lebensmonat nicht auf. Weder in der Familie noch auf Spazier- oder Reviergängen. Auch das Spiel mit anderen Hunden war problemlos. Danach verselbstständigten sich die Hunde immer mehr. Bis zum Horizont jagten sie Wild, begegneten anderen Hunden angespannt bis hin zum Knurren. Die Führigkeit ließ immer mehr nach.
In diesem Alter beginnt die „Halbstarkenphase“. Damit verbunden setzen zu diesem Zeitpunkt meistens auch die ersten richtigen Probleme ein. Zeigt der Halter dem Hund in diesem Alter keine Grenzen, entgleitet ein charakterstarker Vierläufer zwangsläufig. Er folgt seinem Bedürfnis, „Platzhirsch“ zu werden, und will dies auch seiner Umwelt begreiflich machen.
Das kann in sehr unterschiedlicher Form beginnen. Der Hund verweigert plötzlich Hörzeichen, die er erlernt und bisher sogar unter Ablenkungsreizen gut ausgeführt hat. Er beginnt, andere Vierläufer anzuknurren, hebt ständig im Beisein anderer Hunde das Bein, um seine Duftmarken zu hinterlassen. Lässt der Hundeführer dies zu, lernt der Hund rasch, wie stark er wirklich ist. Das Austesten steigert sich allmählich bis hin zu massiven Beißereien.
Dann beginnt die Konfliktkette: Der Hundeführer fühlt sich hilflos, will Konflikten aus dem Weg gehen und lässt den Hund nur noch an der Leine. Die geringe Reizbelastung in plötzlich auftretenden Konflikten führt dann aber dazu, dass der Hund immer aggressiver wird. Verständlicherweise waren die Führer von „Siggi“ und „Zeus“ inzwischen überfordert.
Das ausgeprägte Fehlverhalten ließ bei „Siggi“ und „Zeus“ nur eine stationäre Ausbildung zu. Ich war mir nicht sicher, ob die Vierläufer überhaupt noch zu korrigieren waren. Sie hatten ihre Aggressionen über einen langen Zeitraum ausleben können. Wenn sie jetzt noch das genetische Potenzial zu einem Alpha-Tier besitzen, könnte es äußerst schwierig werden.
Grundlage für jede Korrekturerziehung ist der Gehorsam. Durch ihn kann sich der Hund besser auf sein Umfeld einstellen. Er wird durch die klare Hierarchie ruhiger und belastbarer. Zunächst wird der Gehorsam nur in leichten Reizsituationen trainiert, bis der Hund zuverlässig auf das erste Hörzeichen gehorcht. Erst dann kann die Korrektur beginnen. Beim Stadttraining ohne Hundekontakt ließen sich sowohl „Siggi“ als auch „Zeus“ problemlos führen. Passanten lobten die Vierläufer sogar für ihr gutes Benehmen. Doch der Schein trog. Schon beim ersten Versuch, die Hunde angeleint an einem Artgenossen vorbeizuführen, reagierten sie äußerst aggressiv. Der Abstand zum friedlichen Testhund betrug dabei etwa sechs Meter. Die Vierläufer über ihren Gehorsam zur Räson zu rufen, war nicht möglich. „Siggi“ und „Zeus“ konnten aus dem Konflikt nur „herausgezogen“ werden.

 

 

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Durch das Gruppentraining entsteht eine Reizüberflutung, die die Aggression bei den Hunden abbaut.Foto: Theodor Heßling
Um die Hyperaktivität der Rüden abzubauen, wurden sie täglich zwei bis drei Stunden am Fahrrad und im Freilauf geführt. Die Distanz zu anderen Hunden beim Training betrug anfänglich etwa 15 Meter. Zunächst wurden sie mit Maulkorb an einer kurzen Leine mit Korallenhalsung geführt, nachdem Zugkette, Halti und andere Hilfsmittel erfolglos blieben.
Nach einigen Übungseinheiten ließen wir die angeleinten Rüden sich jeweils auf etwa zehn Meter Entfernung an andere Hunde annähern. Großer Wert wurde dabei auf exakt und schnell ausgeführten Gehorsam gelegt. Führten die Vierläufer alle Kommandos sauber und friedlich aus, wurde der Abstand verringert. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der anderen Trainingshunde war, dass diese sich neutral verhielten und nicht auf die Provokationen von „Zeus“ und „Siggi“ reagierten.
Mit der Reizüberflutung durch mehrere andere Hunde und die starken Korrekturmaßnahmen konnten die Rüden etwas beruhigt werden. Immer größer wurden die Intervalle zwischen ihren Aggressionsausbrüchen.
Als zusätzliches Hilfsmittel verwendete ich ein Sauerstoffsprühgerät. Sobald einer der Hunde aggressiv reagierte, wurde sofort das Trainingsgerät ohne Hörzeichen ausgelöst. Damit sollte der Hund den starken Sauerstoffstrahl mit seinem Fehlverhalten verknüpfen.

 

 

Doppelbild
links: Auch die persönliche Beziehung zum Hundeführer spielt eine große Rolle in der Verhaltens entwicklung eines Hundes.rechts: Sofern keine anderen Hunde in Anblick kamen, ließ sich Drahthaar „Siggi“ problemlos in der Stadt führen .
Nach einigen Wochen reagierten die Schüler zuverlässig und verhielten sich – zumindest angeleint – neutral gegenüber Artgenossen. In einem Abstand von vier Metern gingen sie reaktionslos an anderen Hunden vorbei. Erkannten sie, dass es sich bei dem Trainingshund um eine Hündin handelte, reagierten sie sogar positiv und forderten sie zum Spiel auf. Zu Beginn der Ausbildung bellten sie auch noch Hündinnen aggressiv an.
Dieser neue Wesenszug wurde nun genutzt, um wieder Positivkontakte mit Hunden zu vermitteln. Also wurden die beiden Problemhunde angeleint mit kleinen und größeren Hündinnen ausgeführt. Der Abstand zwischen den Vierläufern wurde stetig verringert, bis sie problemlos nebeneinander herliefen. Nach kurzer Zeit war das sogar unangeleint möglich. Das gleiche System auch bei Rüden durchzuführen, war jedoch ein schweres Unterfangen. Erst nach intensiver Arbeit war es bis zu einer Distanz von einem Meter möglich. Bei Negativkontakten wurden beide Hunde stark korrigiert, teilweise mit Strafton, Ruck an der Leine und dem Sprühgerät. Durch die vorhergehenden Sensibilisierungen waren die Hunde jetzt wesentlich schneller zu beeinflussen.
In der nächsten Übungsstufe wurden Fremdrüden eingebaut, die keine Aggressionsbereitschaft zeigten. „Zeus“ und „Siggi“ nahmen für die Reizüberflutung am Gruppentraining teil. „Siggi“ freute sich nun, sobald er die anderen Hunde sah. Mit friedlichen Artgenossen zeigte er an der Schleppleine freundliche Körpersignale. Jetzt konnte er ohne Leine zum Rudelspiel ausgeführt werden. Anzeichen einer unbegründeten negativen Reaktion konnten erfolgreich mit einem scharfen „Nein“ unterbrochen werden. Anfänglich begleitete der Trainer das Spiel auf dem Übungsplatz, um dem Hund zu vermitteln, dass er stets einwirken kann. Erst dann wurde „Siggi“ auch im Wald mit anderen Vierläufern laufen gelassen. Sehr schnell bemerkte er, dass der Kontakt mit anderen Hunden immer positive Eigenschaften hat. Das Aggressionsproblem trat nur noch auf, wenn andere Rüden Aggressivitätssignale sendeten. Jetzt konnte „Siggi“ aber zuverlässig abgerufen werden, bevor die Situation eskalierte.
Bei „Zeus“ gestaltete sich die Vorgehensweise deutlich problematischer. Zwar konnte er inzwischen unangeleint geführt werden, aber nicht mit Rüden, die ständig provozierten. Das Aggressionsverhalten, das er nun zeigte, war allerdings schon deutlich schwächer. Verhielten sich die Fremdrüden neutral, zeigte „Zeus“ Desinteresse. Er wollte weder spielen noch ging er direkte Kontakte mit ihnen ein. Dabei musste er aber stets durch den zuvor aufgebauten Gehorsam gelenkt werden. Positiv war, dass er von sich aus keinen Streit mehr suchte. Meist konnte er auch bei rechtzeitigen Abrufen durch den Hundeführer kontrolliert werden.

 

 

Ende
Am Ende ihrer stationären Korrektur konnten die beiden ehemaligen Problemhunde gefahrlos mit anderen Artgenossen spielen und laufen.Foto: Theodor Heßling
Als die Hundeführer ihre Vierläufer abholten, waren sie sehr erstaunt. Doch nur schwer war ihnen zu vermitteln, dass die Hunde erneut in das alte Negativ-Verhalten fallen würden, wenn die Führer nicht strikt die Empfehlungen der Hundeschule befolgen würden.
„Siggis“ Besitzer hatte als erfahrener Hundemann keine Probleme damit. Bis heute führt er den Drahthaar problemlos. Die Halterin von „Zeus“ war Erstlingsführerin und hatte es demnach schwerer, sich konsequent bei ihrem Hund durchzusetzen. Sie gab sich große Mühe. „Zeus“ war auch weiterhin gut lenkbar, sein Gehorsam in leichten Konflikten gut. Aber leider vermied sie weiterhin Konfliktsituationen. Zu groß war ihre Angst vor einer Auseinandersetzung mit dem Hund. Die Probleme waren nach zwei Monaten wieder vorhanden. Schade!

Prägen, aber richtig

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Julia Numßen

Pfeifen, in die Hocke gehen, schon kommen die Welpen freudig angesaust. Da hat die Hündin das Nachsehen, und das ist gut so. Schließlich sollen die Kleinen auf den Menschen geprägt werden. Wie man das erreicht und wie man außerdem die Basis für die Stubenreinheit und das Apportieren legen kann – wir sagen es Ihnen.

Prägen, aber richtig

Foxterrier-Hündin Emma streckt sich und springt aus der Wurfkiste, die bei uns im Wohnzimmer in der Ecke steht. Draußen im Zwinger, es ist Mitte März, wäre es für ihren Wurf einfach zu kalt. Ich sehe nach den zwei Wochen alten Welpen. Dick und rund liegen sie eng beisammen. „Anton“ allerdings dreht sich von seinen Geschwistern weg und robbt
wenig elegant über die Zeitung. Mit beiden Händen nehme ich ihn vorsichtig auf und
lege ihn auf die Grassoden, die in einem Karton direkt vor der geschlossenen Wurfkiste
liegen. Und schon passiert’s: Er löst sich. „So fein Bächlein“, sage ich mit freundlich hoher Stimme. Wenn es mir in den nächsten Tagen wiederholt gelingt, den richtigen Zeitpunkt abzupassen und die kleinen Foxterrier zum Nässen oder Lösen auf das Gras zu setzen, habe ich hier einen wichtigen Grundstein für Stubenreinheit gelegt. Gras wird für die Foxe bald bedeuten: Hier kann ich laufen lassen. Und der Satz „So fein Bächlein“ wird ganz nebenbei richtig zugeordnet. Bin ich später im Revier und möchte, dass der Hund sich
vor dem dreistündigen Ansitz löst, brauche ich nur diesen Satz im gewohnten Ton anzuschlagen und er weiß genau, worum es geht und was er zu tun hat.
Es liegt im Instinkt der jungen Hunde, ihr Lager nicht zu beschmutzen. Sie werden
dann unruhig, suchen einen Platz, an dem sie ihr Geschäft erledigen können.
Wer hier aufpasst, kann den Welpen schon früh beibringen, dass sich nicht in einer
Hüttenecke, sondern nur „draußen“, in diesem Falle auf dem Gras, gelöst wird.
Es gibt manche verzweifelte Hundebesitzer, die nicht verstehen, dass ihr Hund
beispielsweise nur auf die Fliesen macht, obwohl sie gerade eine Runde draußen spazierengegangen sind. Oft wurde hier vom Züchter „fehlgeprägt“. Die Wurfkiste stand
wahrscheinlich im Keller, der wiederum gefliest war. Kaum sind die Hunde alt genug,
verlassen sie ihr Lager und verrichten ihr Geschäft auf dem nackten Boden. So
etwas setzt sich fest und ist später nur mühsam, für den neuen Hundebesitzer wieder
herauszukriegen.

Schon nach rund vier Wochen haben die Kleinen ihren noch wackeligen Seemannsgang
drauf. Dann kann man die Wurfkiste öffnen und den Karton mit dem Gras direkt vor den Ausgang schieben. Sie werden sehen, dass es die Welpen nach draußen zieht, um sich dort zu lösen. In dem Alter würden sie sonst die Hütte inklusive ausgelegter Zeitung gewaltig unter Wasser setzen, und die Hündin käme mit dem Auflecken gar nicht mehr nach.
War es draußen warm und sonnig, haben wir die Wurfkiste in das mit einem Hühnerdraht eingezäunte rund vier mal vier Meter große „Welpengehege“ gestellt
– schließlich sollten die Kleinen ja nicht nur „Wohnzimmer-Luft“ schnuppern. Im Garten war der natürliche Untergrund Gras, wie es die Welpen gewohnt waren. Sie waren jetzt schon darauf geprägt, ins Grüne zu laufen, wenn sie ein Bedürfnis verspürten.

Nun zum freudigen Herankommen auf Pfiff: Die Hündin säugt die Welpen mindestens sechs Wochen lang. Nutzen Sie diese „Still-Phasen“ und setzen Sie sich bereits ab der zweiten Woche, wenn sich die Augen der Welpen geöffnet haben, neben den Wurf. Pfeifen Sie, nein, kein Kinderlied oder Jagdhornsignal, sondern immer den Doppelpfiff, allerdings nicht mit der lauten Hundepfeife, sondern mit dem Lippen. Ich weiß, nach zwei, drei Minuten stetigem Pfeifen könnte man schon die Lust verlieren, aber bleiben Sie dran: Warum? Wenn Sie irgendwann nach den jungen Hunden pfeifen, haben die bereits verknüpft: Pfiff
ist toll, da gibt es doch immer Milch, also Futter! Und natürlich sollten Sie dann auch
kleine Wurstschnipsel bereithalten, wenn die Racker freudig angestürmt kommen. So
lernen die Hunde von Welpenbeinen an, dass der Doppelpfiff etwas angenehmes ist,
„Komm“ heißt und mit Futter belohnt wird. Diese Verknüpfung wird den „Hundlingen“
nicht mehr verlorengehen, und dem zukünftigen Besitzer wird sehr viel Arbeit
erspart. Ab der sechsten Woche wird die Hündin bei normaler Wurfgröße nicht mehr voll
säugen, und der Züchter sollte langsam mit dem Zufüttern beginnen. Leicht angebratenes,
nicht gewürztes Hack mit Quark anrühren, etwas warmes Wasser dazu, fertig ist das Welpenfutter. Sobald Sie mit der Schüssel in der Hand pfeifend durch den Garten spazieren, sollen Sie mal sehen, wie die Welpen angefegt kommen. Hierbei lernen
sie – neben dem freudigen Kommen –, sich am Menschen zu orientieren, nach dem Motto: Schau, er hat Futter für mich, er sorgt für mich, ich muss mich an ihn halten. Der junge Hund lernt in dieser Phase, sich von seiner Mutter abzunabeln und sich dem Menschen anzuvertrauen. Ein wichtiger Punkt, vor allem was die spätere Zusammenarbeit auf der Jagd betrifft! Der Hund begreift, dass der Mensch ihn zur Beute, sprich zum Futter führt.

Apropos spätere Zusammenarbeit: Der Hund soll schon als Welpe lernen, auf „seinen“
Menschen zu achten. Auch hier kann der Züchter richtig prägen, indem er, wenn er mit den Welpen im Garten oder Revier unterwegs ist, ab und zu in die Hocke geht.
Neugierig werden die Racker angelaufen kommen – jetzt für jeden von ihnen kleine
Bröckchen Futter, und die Hunde werden in Zukunft noch besser auf „ihren“ Menschen achten. Ist der Züchter dann mit seinen Schützlingen auf neuem Terrain unterwegs und
gibt es dort etwas zu bestaunen, beispielsweise einen Teich, einfach am Wasser in
die Hocke gehen und abwarten. Ein paar Sekunden später werden die Welpen bei Ihnen
sein und erforschen, was ihnen da Tolles vom Menschen gezeigt wird. Klar, dass Sie
hier auf die Futtergabe bereits verzichten können. So muss man nicht ewig die Welpen
rufen oder pfeifen, denn die jungen Hunde werden ständig bemüht sein, Blickkontakt
zu halten. Der Welpe lernt, sich nach Ihnen zu richten. Und nicht umgekehrt.
Auch das ist später beim gemeinsamen Jagen wichtig. Was nützt Ihnen beispielsweise
ein Vorstehhund, der nicht unter der Flinte jagt, sondern vorprellt und das Wild
weit über die Reviergrenze hinaus verfolgt? Nichts. Er soll doch auf Sie geprägt sein, mit
Ihnen zusammen jagen und kein Einzelkämpfer sein, oder? Auf eines sollten Sie allerdings achten, wenn Sie mit den jungen Hunden ausrücken: Die Kleinen müssen auch wirklich
Hunger haben. Wurden sie gerade von der Hündin gesäugt oder haben gerade eine ordentliche Quark-Hack-Mischung gefressen, kann man sich das Pfeifen und in die
Hocke gehen sparen. In diesem Alter läuft eben wirklich alles allein über die Futterschiene.

Wie im Garten: Die Hütte im Wohnzimmer hat „natürlichen“ Auslauf. Die Welpen werden geprägt, sich auf Gras und nicht auf den Teppich, das Parkett oder die Fliesen zu lösen.
Fotos: Julia Numßen

Selbst das Apportieren kann der junge Hund schon beim Züchter lernen. Natürlich nicht mit „Sitz“ und „Aus“, aber bereits das Bringen kann gefördert werden. „Tauschen“ ist angesagt, wenn der junge Hund beispielsweise einen Hausschuh anknabbert. Natürlich würde man in so einer Situation automatisch „Pfui“ und „Aus“ sagen. Verkneifen Sie es sich. Nehmen Sie
ihm den Hausschuh kommentarlos weg und geben Sie ihm dafür ein Leckerchen.
So wird er sich später immer etwas abnehmen lassen, weil er gewohnt ist, etwas anderes
Schönes dafür zu bekommen, also zu tauschen. Oft genug passiert es, dass die Welpen
versuchen, vor ihren Geschwistern etwas in Sicherheit zu bringen.
Rufen oder pfeifen Sie, bringen Sie den Welpen dazu, mit Ihnen zu tauschen. Noch ein
wichtiger Grundstein fürs spätere Apportieren:Dem Hund wird die Beute nicht einfach
überlassen, so dass er sie wegtragen, knautschen, zerkauen oder gar verbuddeln kann (Totengräber). Damit ersticken Sie solch ein Verhalten von Anfang an. Der Welpe lernt hierbei, dass Sie am Ende der Kette „Finden-Aufnehmen- Apportieren-Geben“ stehen.

Die erste Beute: Der Rüde bewindet den Stoffhasen. Sobald er ihn aufnimmt und wegschleppen will,versuchen Sie, den Hund mit hoher Stimme zu sich zu locken. Nehmen Sie ihm dann den
Hasen ab. Dafür bekommt der Welpe Futter. Er lernt bereits jetzt zu tauschen.

Noch eines können Sie sich als Züchter zunutze machen, beispielsweise das Verhalten
im Rudel. Terrier imponieren gern ihren Geschwistern, indem sie ihnen zeigen, was sie da Tolles ergattert haben und im Fang mit sich umhertragen. Der eine oder andere wird versuchen, dem Angeber die Beute streitig zu machen. Hier greifen Sie ein, nehmen dem Apporteur die Beute ab und tauschen gegen Futter. Der Hund lernt damit, dass es eigentlich ziemlich blöd ist, die Beute unnötig mit sich herumzutragen, schließlich könnte sie ihm ja von den Geschwistern abgeluchst werden. Also lieber gleich dem Menschen geben oder bringen und gegen Futter tauschen – das A und O fürs spätere Apportieren!
Moment mal, werden Sie jetzt beim Lesen sagen und mich in dem Moment fragen:
„Glauben Sie das wirklich, was Sie da schreiben? Kann der Hund so komplex denken?“ Und ich werde Ihnen sagen. „Ja, er kann!“
Die Welpen sollten beim Züchter auch lernen, sich auf verschiedene Situationen und Umgebungen einzustellen. Deshalb habe ich bereits die fünf Wochen jungen Hunde zu allerlei Ausflügen mitgenommen. Ob ins Revier zum Hochsitzbauen oder zur Kirrungs-Tour, zum Einkaufen und zum Jagdhorn-Blasen, zur Kinder-Krabbelgruppe oder in die WILD UND
HUND-Redaktion. So wurden sie ans Autofahren gewöhnt, haben gelernt, mit neuen
Situationen umzugehen, auf mich zu warten, auf mich zu achten und mich nicht zu verpassen.

Dach über dem Kopf: Die Transportkiste wollen die Welpen nach der Fahrt ins Revier gar nicht mehr verlassen

Nun zur Prägung am Wasser: Im warmen April bin ich jeden Tag mit der Rasselbande an den Teich gefahren. Dabei wurden die jungen Wilden zu gar nichts gezwungen. Wenn die Hündin eine Runde schwamm, haben die Kleinen beeindruckt zugeschaut, und der eine oder andere hat sich mal bis zum Bauch ins kühle Nass getraut. Ende April bin ich dann auch schon mal selbst barfuß in den Teich gegangen, habe versucht die Welpen zu ermuntern, hinterherzukommen. Wer nicht wollte, musste nicht. Hauptsache das Wasser war für sie nicht die „große Bedrohung“. Heute habe ich die Rückmeldung von allen
meinen Foxl-Besitzern, wie wasserverrückt die jungen Hunde sind. Es ist natürlich von Vorteil, wenn der Wurf nicht so groß ist und die Welpen auch unterschiedlich gezeichnet sind. Ich weiß nicht, ob ich bei acht Teckel-Welpen den Durchblick gehabt hätte. Und noch etwas: Die Mühe, die sie sich bei der Prägung Ihrer Welpen geben, zahlt sich aus, zwar
nicht in barer Münze, aber dafür sind die neuen Hundebesitzer glücklich, wie das
neue „Hundle“ beispielsweise auf den Pfiff reagiert, oder wie er auf „seinen“ Menschen
achtet und sich nach ihm richtet. Das alles kann dem jungen Hund niemand mehr nehmen.
Welpen, die so geprägt wurden, haben es später im Jagdbetrieb einfach leichter – und der neue Hundebesitzer auch.

Wo Mutter ist, ist vorne: Doch irgendwann muss Abschied genommen werden, umso
wichtiger, dass der Welpe bereits darauf geprägt wurde, sich am Menschen zu orientieren

 

Erstlingsführer versammelt Euch

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Gemeinsam mit anderen zu üben, die Meinung von Fachleuten zu suchen und zu berücksichtigen, vor allem aber bei Rückschlägen nicht gleich zu verzagen, ist wichtig.

 

Die Zeit bis zum Prüfungstag vergeht meist schneller als man angenommen hat – oft beängstigend schnell.

Von Richard Große-Katthöfer

Die Entscheidung, sich einen eigenen Jagdhund anzuschaffen, wurde hoffentlich unter der wichtigen Voraussetzung getroffen, ihm später ausreichend Jagdgelegenheit, artgerechte Haltung und genügend Bewegung bieten zu können. Mit dem Frühjahr naht die Zeit der Verbandsjugendprüfungen (VJP) für Vorstehhunde, und damit drängt die Zeit nicht nur für Erstlingsführer. Für viele besteht beispielsweise aus beruflichen Gründen nur an den Wochenenden ausreichend Möglichkeit, sich intensiv um den zukünftigen vierläufigen Jagdhelfer zu kümmern.

Natürlich kann man seinen Hund zu einem mehr oder weniger professionellen Abrichter in die Ausbildung geben, denn es ist nicht für jeden unbedingt selbstverständlich, seinen Vierläufer selbst auszubilden. Wenn man sich aber dazu entschlossen hat, muss man wissen, dass der Zögling die ihm zuteil gewordene persönliche Zuwendung meist auf seine Art „danken“ wird. Der beim Einarbeiten entstehende Kontakt zueinander zahlt sich in der Regel später beim gemeinsamen Waidwerken aus. Nicht nur der Hund lernt übrigens beim Lernen, auch der Führer gewinnt immer wieder neue Erkenntnisse hinzu.

Allein ist es kaum zu schaffen

Die Zahl der heute angebotenen Fachbücher mit dem Themenkreis Jagdhundausbildung ist groß. Es seien an dieser Stelle nur drei genannt: „Guter Jagdhund – treuer Freund“ v. Dieter Hupe, „Der Gebrauchshund“ v. Hegendorf, „Vom Welpen zum Jahdhelfer“ v. H.-J. Markmann.

Nachahmung ist die einfachste Art, zum Erfolg zu kommen, weil man sich damit manches Fehlverhalten erspart, für das andere schon „bezahlt“ haben. Das ist zwar nicht so edel, wie Probleme durch Nachdenken und Praxis selbst zu lösen, aber viel weniger schmerzhaft, als durch Ausprobieren über den falschen, dann den richtigen Weg zu finden.

Kurz gesagt, ohne ein gutes Abrichtelehrbuch geht es nicht. Aber selbst wenn Sie ein gutes Buch studiert und ein geeignetes Übungsrevier zur Verfügung haben, ist es sehr schwer, ohne fremde Hilfe einen Junghund zum firmen Jagdhund auszubilden. Man muss als Hundeführer praktisch erst selbst in die Lehre gehen und braucht hin und wieder jemanden, der auf mögliche Anfängerfehler aufmerksam macht. Auch muss man nachfragen können, wenn man einmal nicht recht weiter weiß und das Lehrbuch keinen Aufschluss gibt.

Am besten, man sucht sich einen Lehrmeister in seiner Nähe nach eigenem Geschmack. Dabei sollte allerdings bedacht werden, dass nicht jeder, der sich selbst für einen Spitzenführer hält, auch wirklich einer ist.

Einfacher ist es, einem örtlichen Jagdgebrauchshundverein beizutreten. Dort trifft man in der Regel unter den Jägerinnen und Jägern erfahrene Hundeleute, die bereit sind, einem Erstlingsführer unter die Arme zu greifen. Zum Teil handelt es sich bei den Mitgliedern sogar um Verbandsrichter, die viel aus ihrem Erfahrungsschatz weiterzugeben in der Lage sind.

Solche Jagdgebrauchshundvereine sind zwar nicht überall flächendeckend vorhanden, aber jeder Hegering hilft sicher gern weiter, Kontakte herzustellen. Ideal ist der Besuch eines Hundeführerlehrgangs, wie sie von Gebrauchshundvereinen, aber auch oft von Hegeringen abgehalten werden. Hier trifft man auf andere Erstlingsführer mit meist ähnlichen Sorgen und Nöten. In der Gemeinschaft geht es grundsätzlich besser.

Über Prüfungen zum firmen Jagdhund

Es ist einfach so, dass man über die Ausbildung zu Prüfungen das erfolgreiche Führen des Hundes auf der Jagd lernt. Dazu gehört Einfühlungsvermögen, wohlwissend, daß ein Hund keine Maschine ist.

Vorstehhunde (mit Stammpapieren) können – oder besser sollten – im auf das nach ihrem Wölfen folgende Frühjahr erst einmal die Verbandsjugendprüfüng (VJP) als reine Anlageprüfung ablegen. Danach geht es nahtlos an die Vorbereitung zur Herbstzuchtprüfung (HZP) mit zusätzlicher Schleppen- und Wasserarbeit. In Ausnahmefällen kann man noch im selben Jahr versuchen, die Meisterprüfung für Jagdgebrauchshunde, die VGP, zu absolvieren. Das ist aber, auch mit dem gelehrigsten Hund am Riemen, zumindest für Erstlingsführer nicht empfehlenswert, da beide – Hund und Führer – allzuleicht überfordert werden und aufgeben.

Im „Hauruck-Verfahren“ ist eine VGP kaum zu schaffen, denn sie beinhaltet zu viele Klippen. Besser ist es, diese erst zum kommenden Herbst in Angriff zu nehmen. Das Bestehen der ersten Prüfung (VJP) ist übrigens nicht Voraussetzung für die Zulassung zur HZP und VGP.
Prüfungen für Jagdgebrauchshunde sind nicht, wie man manchmal hört, irgendwelcher sportlicher Zirkus, sondern nicht nur im Sinne der Zuchtauswahl bei den einzelnen Rasse unverzichtbar. Das Deutsche Jagdgebrauchshundwesen würde ohne seine Verbandsprüfungen nicht über eine so hohe internationale Anerkennung verfügen.

Zurück zur VJP. Nehmen Sie sich jetzt schon vor, Ihren Hund auch durch die beiden anderen Prüfungen zu bringen. Das Ziel fordert von Ihnen viel Zeit und Geld, sowie Geduld und Liebe zum Hund. Für Ihren vierläufigen Meutegenossen und Waidgesellen bedeutet das aber zugleich eine Fülle von Lebensfreude. Sie werden sehr schnell merken, wie Ihr Hund sich freut, wenn er verknüpft, dass es zum Üben hinausgeht. Wenn Sie dann später mit Ihrem firmen Hund jagen, wird Ihnen die Mühe reichlich gelohnt.

Ich erinnere mich gern des Glücksgefühls, das in mir aufkam, als mein erster Hund, eine etwas zu groß geratene Kleine Münsterländerin, mit ihrem ersten Fasan im Fang vor mir saß. Das war auf einer kleinen Gemeinschaftsjagd nach der Herbstzuchtprüfung.

Der Gockel hatte – wie sich später herausstellte – nur ein Schrotkorn abbekommen und wäre ohne meine „Hummel“ verludert. Die Hündin legte im Jahr darauf die VGP ab. „Nur“ mit dem III. Preis, aber ich wußte, was ich an ihr hatte.

Worauf kommt es an?

Auch wenn man bei konsequenter und frühzeitig, bereits im Welpenalter begonnener Ausbildung von einem Jährling schon viel mehr Leistungen erwarten könnte, so erstreckt sich seine Beurteilung auf der VJP doch ausschließlich auf seine Anlagen. Lediglich diese müssen offenkundig gemacht werden. Beurteilt werden der Gebrauch der Nase, die Arbeit auf der Hasenspur, die Suche, das Vorstehen und die Führigkeit des Kandidaten. Es wird ferner festgestellt, ob der Hund schussfest ist, keine offensichtlichen Wesensmängel wie Scheu vor Menschen zeigt und keine körperlichen Mängel wie Zahn- oder Augenfehler hat.

Alles ist nachzulesen in der VZPO, der Verbandszuchtprüfungsordnung, die man sich für kleines Geld beim Druckhaus Oberpfalz, 92224 Amberg, bestellen kann. Am besten lässt man sich gleich die Unterlagen bzw. Ordnungen für alle Verbandsgebrauchsprüfungen (VGPO) mitschicken. Das spart Porto und die VGPO braucht man ja später ohnehin.

Natürlich muss der Hund bereits gelernt haben, seine Anlagen auch zu zeigen. Ihm das beizubringen, ist eigentlich schon die ganze Vorbereitung auf die VJP. Hinzu kommt im Zuge der Ausbildung ein bestimmter Gehorsam, Leinenführigkeit und das Kommen auf Pfiff.

Hat man sich, wie eingangs empfohlen, der Hilfe eines erfahrenen Rüdemannes bedient, weiß man jetzt genau, wie man den Hund zum Vorstehen an Wild heranbringt, wie man ihn unter richtiger Ausnutzung des Windes auf der Suche dirigiert und wie man ihn auf die Spur des nicht mehr sichtigen Hasen ansetzt. Unterschätzt wird oft die Wirkung eines sich bei der Gebissuntersuchung wie wild gebärdenden Hundes, nur weil man ihm nie gezeigt hat, sich auch von fremden Personen geduldig in den Fang schauen zu lassen und manches andere mehr.

Das gute Gefühl, dass der eigene Hund „eigentlich alles Verlangte kann“, gibt gewisses Selbstvertrauen und beruhigt die Nerven, auch wenn einem dadurch die Prüfungsangst nie ganz genommen wird.

Führer-Anteil am Erfolg

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist das richtige Verhalten des Führers während einer Prüfung. Man sollte

  • sich bei der Richtergruppe als Erstlingsführer zu erkennen geben. Das hat in der Regel zur Folge, dass einem manch guter Rat während des Prüfungsablaufs zuteil wird
  • $sich zwischen den Suchengängen stets in Rufweite der Richter aufhalten
  • $sich immer mit seinem Hund beschäftigen, damit dieser gar nicht erst beginnt, mit den Augen zu verfolgen, was der Prüfling, der zur Zeit arbeiten muss, so treibt
  • den Tross der Zuschauer, die sogenannte Korona, meiden. Dort wird oft viel Unsinn erzählt. Es empfiehlt sich, lieber Anschluss an einen versierten Führer, der ebenfalls auf seinen nächsten Durchgang warten muss, zu halten
  • sich außer Hörweite aufhalten, während das Richterkollegium sich berät
  • davon ausgehen, dass kein guter Richter darauf aus ist, einen Hund abwertend zu beurteilen. Im Gegenteil, er freut sich über jede gute Leistung, die gezeigt wurde, auch wenn die Prüfungsordnung dem Wohlwollen der Richtergruppe ganz klare Grenzen setzt
  • bei Gelegenheit vor dem eigenen Prüfungstermin als Zuschauer eine andere Prüfung besucht haben.

 

Durchgefallen– was nun?

Wenn, was erfahrungsgemäß selten passiert, ein Hund die VJP nicht besteht, so ist das keine Katastrophe. Ist man sich sicher, dass der Hund lediglich in schlechter Tagesform war, sollte man versuchen, die Prüfung zu wiederholen. In der Regel findet bei einem anderen Verein kurz darauf noch eine VJP statt. Selbst wenn dort der Nennungstermin schon verstrichen ist, wird man in einer solchen Situation nur selten zurückgewiesen. Die benötigten Telefonnummern vermittelt der Hundeobmann des Hegerings, der Kreisgruppe oder Jägerschaft.

Wenn man allerdings den Eindruck hat, dass der eigene Hund die Anforderungen einfach noch nicht sicher schafft, erspart man sich und den Richtern besser die Mühe. Es gibt Fälle, in denen beispielsweise nur sporadisch gezeigte Vorstehleistungen eines Hundes mehr einen Glücksfall darstellen, weil er viel lieber Wild greift, als es vorzustehen. Dann sollte man den Plan fallen lassen und sich ganz der Vorbereitung auf die HZP widmen.

Oft platzt beim Hund der Knoten im einen oder anderen Aufgabenbereich erst später, und bei den Herbstprüfungen müssen die VJP-Fächer, abgesehen von der Spurarbeit, ohnehin erneut absolviert werden. Die Vorbereitung auf die VJP ist also im Hinblick auf die HZP, auch im Falle des Nichtbestehens, keineswegs verlorene Mühe. Zum einen hat die Arbeit dem Hund und (hoffentlich) auch dem Führer Spaß gemacht, und zum anderen sind beide dadurch sicher nicht dümmer geworden.

Allen Erstlingsführern und alten Hasen wünsche ich bei den bevorstehenden Prüfungen die erforderliche Gelassenheit, nicht allzutrockenes Wetter bei ganz leichtem Wind, gutes, nicht zu reichliches Wildvorkommen und das wichtige Fünkchen Suchenglück.

 

Gewöhnung ans Autofahren

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GEWÖHNUNG ANS AUTOFAHREN
Keine Heuler
im Kofferraum
Es gibt Hunde, die stimmen – noch bevor der Motor läuft – bereits ihr „Klagelied“ im Kofferraum an.
Den menschlichen Insassen dürfte dies mindestens nerven, wenn nicht sogar aggressiv machen. Wie
man seinen Vierläufer zu einem angenehm ruhigen Mitfahrer erzieht, erklärt Uwe Heiß.

Gewöhnung ans Autofahren

Wenn wir einen Welpen mit dem Auto vom Züchter abholen, kann es vorkommen, dass er
einem den Innenraum vollkotzt. Gut, bei der ersten Fahrt scheint dies durchaus normal zu sein. Aber dieses Verhalten hätte so mancher Züchter verhindern können, wenn er mit der Mutterhündin samt Wurf ab und zu mal einen kleinen Ausflug mit dem Auto ins Revier oder im Sommer an den Teich unternommen hätte.
Lernen die Welpen mit den Geschwistern und der Mutter das Autofahren kennen, tritt meist kein Problem auf. Zur Vorsicht sollte aber der zukünftige Hundebesitzer bei der Abholung des Welpen nicht selbst fahren. Er setzt sich mit dem Welpen auf den Beifahrersitz und kümmert sich um den Kleinen. Besonders unproblematisch wird es, wenn der junge Hund
vor der Abfahrt richtig müde gespielt wird. Es gibt erschreckend viele Hunde, die mit dem Autofahren wirklich Probleme haben. Wie beim Menschen auch ist die so genannte Reiseunverträglichkeit eine Ursache. Dieser ist meist medikamentös sehr gut  beizukommen. Der Tierarzt Ihres Vertrauens weiß hier Hilfe. Neben der Unverträglichkeit
gibt es viele Hunde, die schlichtweg Stress beim Autofahren haben. Es ist wie ein Wesensmangel, der die Hunde zittern, hecheln und oft auch speicheln lässt. Ich habe Hunde erlebt, die sich über Fahrten von drei Stunden nicht ein einziges Mal hingelegt haben. Sie saßen die ganze Fahrt über angelehnt mit verstörtem Blick hinten im Kombi, waren aber seltsamerweise nach einer kurzen Erholungszeit von fünf Minuten wieder
ganz normale Hunde. Extreme Autounverträglichkeit gibt es bei Hunden, die offensichtlich eine Fehlverknüpfung mit dem Autofahren haben. Diese Hunde sind bei der Autofahrt in einem Erregungszustand. Es wird gebellt und gefiept, was das Zeug hält. Als würde
es für den Hund immer ein absolut freudiges Ereignis geben, wenn das Auto nur endlich anhält. Solche Hunde sind während der Fahrt kaum zu bändigen. Es gibt natürlich auch die typischen Ankläffer. Wann immer ein anderer Hund oder sonst etwas Interessantes durch die Scheibe wahrgenommen wird, wird es wie verrückt angekläfft.
Es gibt Hunde, da möchte man auf eine gemeinsame Autofahrt gern verzichten.
Wie gesagt, es ist immer am leichtesten, wenn der Welpe bereits beim Züchter mit den Wurfgeschwistern das Mitfahren gelernt hat. Treten dennoch Probleme auf, liegt entweder ein Wesensmangel, eine Fehlverknüpfung oder ein Erziehungsproblem vor. Werden solche
Hunde bei der Ausbildung besonders gut beobachtet, stellt man oft fest, dass das
Autofahren nicht die einzige „Macke“ des Vierläufers ist. Das Beste ist es, eine stabile Transportbox im Auto zu benutzen. Wird dieselbe oder auch nur eine ähnliche Box als Aufenthalts-und Schlafplatz im Haus gebraucht, ist der Welpe diese Behausung
gewohnt. Er wir beim Autofahren kaum Probleme damit haben. Sind die Seitenteile
der Box geschlossen, kann der Hund sich in diese Richtung schon mal nicht erschrecken
oder aufregen.
Soll der Hund sein späteres Leben lang hinten im Kombi mitfahren, tut man als Hundebesitzer gut daran, den Kleinen an diesen Platz im Auto und an das Fahren
selbst zu gewöhnen. Beim verfressenen Welpen ist es sehr einfach, wenn der
Hund seine Mahlzeiten einige Male hinten im Pkw bekommt. Wobei natürlich nicht gleich nach der Mahlzeit gefahren wird. Bald wird er liebend gern ins Auto springen. Das heißt aber noch nicht, dass er ans Fahren gewöhnt ist.

Probleme mit dem Autofahren begegnet man am besten in „jungen Jahren“. Macht der Welpe bereits mit seiner Mutter und im Kreis
seiner Geschwister die ersten Erfahrungen, dürfte es gar nicht erst zu einem Thema werden. Der Welpe registriert zum Beispiel, dass
die Autofahrt etwas Positives bedeutet, weil es dann raus ins Revier geht, wo mit den Spielkameraden gerauft werden darf
FOTOS: FRANK MARTINI, MICHAEL MIGOS (2)

Die ersten Fahrten müssen mit leerem Magen gemacht werden, damit dem jungen Organismus nicht schlecht wird. Es kann aber dem Welpen ein Kauknochen ins Auto gelegt werden, um den Hund bei den ersten kurzen Ausflügen von der eigentlichen Fahrt abzulenken. Ist kein Kauknochen zur Hand, sollte eine Person auf dem Rücksitz den „Fahrschüler“ mit einem Spielzeug ablenken. Wichtig ist es im Prinzip, das Autofahren
für den Hund gar nicht zum bewussten Ereignis werden zu lassen. Er darf sich einfach
nicht aufs Autofahren konzentrieren, sondern sollte abgelenkt sein. Darüber hinaus darf am Ziel der ersten Autofahrten nur selten etwas ungewöhnlich Schönes auf den Hund warten, damit dieser nicht in freudiger Erwartung unruhig wird. Am besten fährt man zunächst nur
kurze Strecken von ein bis zwei Minuten. Dann beschäftigt sich der Hundebesitzer kurz mit dem Vierläufer und wiederholt die Prozedur. Ist ein dem Welpen gut bekannter Hund zur Stelle, hilft es dem Kleinen bei der Gewöhnung ans Autofahren sicherlich, wenn dieser bei den ersten Fahrten mit im Auto ist. So schnell wie möglich muss ein Hund lernen, sich ruhig während der Fahrt hinten im Auto abzulegen. Dieses wird am besten erst im
stehenden Pkw geübt. Einfach mal den Hund im Auto bei geöffneter Heckklappe zuerst einige Minuten, dann immer länger ablegen.

Vor lauter Angst, die Klamotten in der nächsten scharfen Kurve abzukriegen, wird dieser
Drahthaar sicher kein freudiger Mitfahrer. Jeder Hund braucht einen sicheren Platz.
FOTO: FRANK MARTINI

Bei älteren Hunden, die Probleme mit dem Autofahren haben, hilft es auch, das Auto mit geöffneter Heckklappe abzustellen, ein Apportel in die Ladefläche zu legen und dieses den Hund aus dem Auto heraus apportieren zu lassen. Somit wird auch das Auto zu einem Platz, an dem Gehorsam gefragt ist. Bei ganz schwierigen Fällen, ist es wiederum hilfreich,
wenn der Besitzer auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, um während der Fahrt mit der Feldleine korrigierend auf den Hund einzuwirken. Spätestens nach den ersten Fahrten zum Sammelplatz wird jeder Jagdhund zum begeisterten Mitfahrer. Aber auch hier den Hund nicht sofort aus dem Auto holen, sondern mit dem Öffnen der Kofferraumklappe warten,
bis er sich ruhig verhält. Ein paar Gehorsamsübungen zur Einstimmung tun immer gut.

Nicht nur das Autofahren ist gewöhnungsbedürftig, sondern auch die Enge auf dem
Jagdwagen. Deshalb gilt auch hier: Vorsichtig und ohne Zwang herantasten.
FOTO: MICHAEL MIGOS
 
(Wild und Hund)

Der Ausdruck perfekter Kooperation von Mensch und Hund, das Gefühl der treuen Hingabe seines Jagdkumpanen erfüllt viele Hundeführer mit Stolz. Wie Sie sich Schritt für Schritt dieses Glücksgefühl mit ihrem Jagdhund erarbeiten können, erklärt Manuela van Schewick.

Die Leine hängt locker durch, der Kurzhaar himmelt seinen Herrn an, in gespannter Erwartung der gemeinsamen Jagd. Jeder Schritt, jede Bewegung ist auf das ausgerichtet, was sein Mensch ihm vorgibt. Geht Ihnen nicht auch das Herz auf, wenn Sie solch einem
Mensch-Hund-Gespann bei Gesellschaftsjagden begegnen? Mancher Rüdemann wird innerlich wohl eher verzweifeln beim Anblick dieser so selbstverständlich und scheinbar fast von allein funktionierenden Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Entnervt gezischte „Fuß“-Kommandos, der obligatorische Leinenruck, immer lauter werdende Ermahnungen für den Hund, der gerade eher nicht an der Kommunikation mit seinem Menschen interessiert ist. Auch das sind Eindrücke von Mensch- Hund-Beziehungen, die uns bei  Jagden nicht so ganz fremd sind. Standardentschuldigung für dieses kleine Kooperationsproblem mit dem Vierläufer ist dann der „temperamentvolle, jagdlich hochmotivierte“ Hund, der „passionierte harte Kerl“, dem gar nichts etwas ausmacht, den
man entsprechend „hart anpacken“ muss, um ihn überhaupt noch halten zu können.
Klar, immer ist der Hund schuld!

An dieser Stelle setzt bei mir nur noch Resignation ein! Diskussion zwecklos, egal, ob der Hundeführer 70 oder 20 Lenze zählt. Auch wenn vereinzelt schon ein heftiges Umdenken bezüglich des Umgangs mit dem Hund in der Jägerschaft Einzug gehalten hat, ist eine mangelnde Bereitschaft, Hundeverhalten zu verstehen, um es formen zu können, leider immer noch häufig anzutreffen. Die letzten Jahrzehnte Canidenforschung mit wertvollen Ergebnissen über soziale Strukturen und Lernverhalten werden gern ignoriert, an längst widerlegten Ansichten zum Thema Hundehaltung und -ausbildung wird dagegen
festgehalten. In Sachen Hund scheint manchmal etwas in den Hintergrund zu rücken. Nämlich jene Ehrfurcht, die ich als junges Mädchen von passionierten Waidmännern
gelernt habe, zu denen ich begeistert, fast ehrfürchtig, aufschaute (und es immer noch tue!), die sich mit so viel Hingabe und Sachverstand für die Natur engagieren. Selbstverständlich weiß jeder passionierte Jäger viel über das Verhalten der Wildarten,
die ihm anvertraut sind. Und natürlich ist man bestrebt, sich neue Erkenntnisse in
der Hege und Revierpflege zunutze zu machen.
Mit der gleichen Selbstverständlichkeit aber ist unser wertvoller Jagdgehilfe in vielen Fällen immer noch das Stiefkind der Jagd. Meine Worte sollen keine Schelte sein, sondern ein Plädoyer für unsere Hunde und für eine würdigere und effektivere Mensch-Hund-Beziehung! Die Fähigkeit der Hunde, mit uns gemeinsam zu jagen, sich in ihrer Bewegung an uns zu orientieren, sprich vernünftig neben uns zu gehen und „in Absprache“
mit uns zu handeln, ist letztlich nichts anderes als die Fähigkeit, im Rudel koordiniert
zu jagen. Das vernünftige „Fuß-Gehen“ ist nicht nur Handwerk, es symbolisiert
auch die Beziehung zwischen Mensch und Hund! Voraussetzung für diese Kooperationsbereitschaft ist zweifellos die Fähigkeit eines hoch sozialen Tieres, mit den
Mitgliedern seiner Gemeinschaft sehr konzentriert und in einer perfekten Feinabstimmung
zusammen zu arbeiten. Die dafür erforderliche Bindungsfähigkeit beginnt beim Welpen, der bereits in den ersten sieben Lebenswochen lernt, wer potenzieller Sozialpartner ist. Taucht der Mensch, beispielsweise bei sehr isolierter Zwingerhaltung, in dieser Zeit nicht ausreichend als „Rudelmitglied“ auf, so ist für den Welpen die spätere Zusammenarbeit
mit dem Menschen schon deshalb heftig erschwert, weil er kaum noch in der Lage sein wird, entsprechendes Vertrauen aufzubauen. Jeder seriöse Züchter weiß, dass er in dieser prägenden Phase, den Grundstein für die Fähigkeit „seiner“ Hunde legt, mit dem Menschen zu kooperieren.

Schaut man sich erfolgreich jagende Hunde- oder Wolfsgruppen an (es gibt hervorragende Videoaufnahmen aus Freilandbeobachtungen), fällt auf, dass die Koordination der Jagd, die Kommunikation der Rudelmitglieder untereinander durch dezente, minimale Signale erfolgt. Wenn also Caniden miteinander in der Lage sind, über eine so dezente, aber klare Kommunikation erfolgreich zusammenzuarbeiten, sollten wir Menschen es auch lernen können. Also den Hunden unseren Willen klar zu signalisieren, ohne uns auf eine Gewaltspirale einzulassen. Ich möchte betonen, dass es nicht darum geht, mit „Wattebällchen zu werfen“, sondern auf dem Stand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse artgerecht zu arbeiten! Legen Sie das Stachelhalsband zumindest für einen Augenblick zur Seite! Es symbolisiert nicht das, was über so lange Zeit glaubhaft gemacht wurde: die Zurechtweisung durch die „Zähne der Wölfin“, die angeblich den ungehorsamen Welpen oder Junghund durch heftiges Schütteln im Genick zur Raison bringt. Diese äußerst resistente Mär ist vermutlich eine tragische Schlussfolgerung aus einer Einzelbeobachtung,
verallgemeinert auf die gesamte Art und bedauerlicherweise auch in neuer Literatur
noch propagiert. Natürlich wird mit Einsatz der Zähne reglementiert, denn weder Wölfe noch Hunde haben Hände. Es handelt sich hierbei aber immer um ein sehr kontrolliertes, gehemmtes Beißen, im Allgemeinen um den situationsbezogen dosierten Griff über den Fang, zum Teil auch um ein kurzes Packen ins Fell. Letzteres eher mit dem Ziel, den lästigen Artgenossen auf Abstand zu halten, gegebenenfalls auch ein Umwerfen und „Auf-dem-Boden-halten“ des Rüpels. Das kräftige Schütteln im Genick aber bedeutet nichts
anderes als Tötungsabsicht und führt in der Hund-Mensch-Beziehung zu heftigem Vertrauensverlust.

In den ersten vier Lebensmonaten ist die Fähigkeit und die Bereitschaft unserer Welpen, wichtige Dinge zu lernen und „abzuspeichern“, besonders ausgeprägt.
Mit 16 Wochen ist das Gehirn des Hundes zu 80 Prozent ausgewachsen, alle wichtigen
Verknüpfungen sind vorhanden. In freier Natur hätte er bereits vieles lernen müssen, denn das Rudel ist darauf angewiesen, möglicht bald „funktionierende“ Mitglieder zu haben. Diese Zeit gilt es zu nutzen: Setzen Sie Ihren unangeleinten Welpen auf eine Wiese und entfernen Sie sich von ihm. Sie werden feststellen, dass er Ihnen folgen wird. Diese Bereitschaft, seinen Rudelmitgliedern, in diesem Fall seinen Menschen, zu folgen, ist von elementarer Bedeutung für sein Überleben. Der Welpe kann allein in freier Wildbahn
nicht existieren. Er muss zusehen, dass er in der Nähe seiner Sozialpartner bleibt. Alleingelassen hat er Todesangst und schreit mit dem Ziel, sein Rudel auf sich aufmerksam
zu machen. Dies gilt übrigens auch für den jammernden Welpen, der die ersten Nächte im neuen Heim allein gelassenwird. Er will sich weder zanken noch Spielchen betreiben – er hat Todesangst! Eine gewisse Folgebereitschaft hat die Natur unserem Hund also von Anfang an mitgegeben. Nutzen wir sie, bestätigen wir das freiwillige Folgen positiv, sooft es möglich ist! Beobachtet man den Welpen im Spiel, wird deutlich, dass die Zeit, in der er
sich auf ein bestimmtes Handeln konzentrieren kann, recht gering ist. Mehr als zwei bis drei Minuten Aufmerksamkeit am Stück können wir zu Beginn unserer Übungen –beim acht bis zwölf Wochen alten Welpen – nicht erwarten. Auch der erwachsene Hund, der es nicht gewöhnt ist, konzentriert zu arbeiten, kann sich zunächst nur wenige Minuten konzentrieren. Bevor unser Junghund im wild lebenden Rudel mit zur Jagd gehen darf, muss er im Spiel nicht nur lernen, seinen eigenen Körper perfekt genug zu beherrschen und ausreichend trainiert zu sein für die körperlichen Strapazen. Er muss auch begriffen
haben, mit den Rudelmitgliedern zu kooperieren, sein Verhalten, seine Bewegungen
genau auf die gemeinsame Aktion abzustimmen. Die Fähigkeit, über einen Zeitraum, der wenige Minuten übersteigt, neben uns „bei Fuß“ zu gehen, können wir also vom Welpen oder jüngeren Jagdhund nicht erwarten. Was passiert dem ungestümen Jungwolf im Rudel, der auf eigene Faust und mit unbändiger Energie wild durch die Gegend jagt? Allein das Hetzen, die Ausführung aller Elemente jagdlichen Verhaltens, denen er sich bedient, macht ihm Spaß und erzeugt durch die Ausschüttung entsprechender Botenstoffe im Gehirn so genannte Glücksgefühle, die ihn zunächst in seinem Handeln bestätigen – selbst wenn er
nicht den gewünschten Jagderfolg hat. Auch wenn Restriktionen durch ranghöhere
Rudelmitglieder zunächst aubleiben, wird der junge Wolf oder Wildhund irgendwann
feststellen, dass diese Glücksgefühle zwar ganz nett sind, aber nicht das Knurren im Magen beseitigen. Ganz langsam und nach vielen Fehlversuchen wird er begreifen, dass der gewünschte Erfolg nur über die Zusammenarbeit mit seinem Rudel und über eine diffizile Koordination des Handelns in der Gruppe möglich ist. Er hat am Erfolg gelernt – also durch positive Bestätigung richtigen Handelns! Niemand hat ihn wegen seiner Ungestümheit und
Ungeschicklichkeit in den Hals gebissen oder geschlagen, er hatte nur nicht den angestrebten Erfolg.

LEINENFÜHRIG UND „BEI FUSS“
Der Hundeführer genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Deutsch-Kurzhaars. Ein eventuelles Anspringen wird dagegen ignoriert. FOTOS: CHRISTINE STEIMER

Ein angeleinter Hund kann sich in seinem Verhalten gegenüber anderen Hunden oder auch Menschen gegebenenfalls deutlich anders zeigen als der frei laufende Hund. Zum einen kann ihm die Leine sehr viel Sicherheit geben durch die Tatsache, dass er ja mit seinem Chef in enger Verbindung steht. Dieses Verhältnis könnte ihn aber zu Verteidigungs- oder Aggressionsbereitschaft motivieren, die er sonst nicht zeigt. Zum anderen ist seine Möglichkeit korrekter Kommunikation mit seinem Gegenüber durch die Leine  eingeschränkt. Die mangelnde Ausweichmöglichkeit könnte durchaus beim eher unsicheren
Hund eine aus der Angst resultierende Aggression, sozusagen als „vorbeugende Verteidigung“, zur Folge haben.

Jeder Mensch und jedes Tier sind Individuen. Man sollte daher erkennen können, wann eine
Übung den Hund überfordert. Wichtig ist, eine Trainingseinheit positiv zu beenden.

Um dem jungen Hund das Tragen von Halsband und Leine angenehm erscheinen zu lassen, werden diese Dinge zunächst auch nur in angenehmen Situationen und nur für kurze Zeit angelegt, zum Beispiel beim Füttern oder Spielen. Akzeptiert er es, beginnen Sie, ihn daran zu führen. Wählen Sie Ort und Zeit für diese ersten Übungen ganz bewusst aus, damit Ihr kleiner Freund sich ausschließlich auf Sie konzentrieren kann. Das  wichtigstes Lernziel für Ihren Hund ist: Mit meinem Menschen zusammen zu arbeiten ist schön, birgt Erfolg! Nehmen Sie die Leine locker in die rechte Hand, in die linke Hand ein Leckerchen und locken den Hund spielerisch mit sich mit. Halten Sie das Bröckchen genau dort, wo Ihr Hund neben Ihnen gehen soll, Vermeiden Sie jede Zappelei mit der Hand, halten Sie sie korrekt neben Ihrem Bein. In dem Moment, wo Ihr Welpe versehentlich
korrekt neben Ihnen läuft, hört er das Hörzeichen „Fuß!“ und erhält sofort eine Belohnung.
So lernt er, die gewünschte Handlung mit dem richtigen Wort zu verbinden, und verknüpft den Begriff „Fuß“ mit etwas Positivem. Loben und belohnen Sie ihn immer wieder. Sprechen Sie freundlich mit ihm, während er korrekt neben Ihnen geht, tun Sie dies, auch wenn die Herren jetzt Protest anmelden, mit möglichst hoher Stimmlage (positive Grundstimmung). Klappt das einigermaßen, beginnen Sie, das Bröckchen langsam hochzuziehen, bis Sie es irgendwann vor der Brust halten und der Hund zu Ihnen hochäugt. Jegliches Hochspringen wird dabei ignoriert. Erfolg hat der Welpe nur für einige korrekte
Schritte neben Ihnen. Sollte Ihr Hund sich eher durch ein Spielzeug, durch einen Rehlauf oder ein Felldummy animieren lassen, spricht nichts dagegen, auch das zu benutzen
und es dem Hund für gute Konzentration kurze Zeit zu überlassen. Sprechen Sie während der Übung sehr viel und sehr freundlich mit ihm, halten Sie zunächst ständig Kontakt mit dem Welpen über Ihre Stimme. So treten andere Reize in den Hintergrund, und er wird sich eher auf Sie konzentrieren. Halten Sie von sich aus die Leine betont locker, denn Druck erzeugt Gegendruck. Durch die gespannte Leine könnte der Hund auch Angst bekommen und sich eventuell nur auf seine Gegenwehr konzentrieren. Bleiben Sie möglichst stehen oder ändern Sie die Richtung, wenn der Welpe vorwärts zieht, damit Ziehen keinen Erfolg hat. Loben Sie dagegen, wenn er sich dann wieder zu Ihnen hin orientiert.
Gestalten Sie Ihre Übungen durch häufige Richtungs- sowie Tempowechsel, variierende Belohnungen oder durch Ihre Ansprache für den Hund interessant. Nach einigen Übungstagen können Sie das Hörzeichen „Fuß“ bereits geben, wenn Sie sich in Bewegung setzen. Achten Sie aber darauf, dass der Hund auch tatsächlich konzentriert und motiviert genug ist zu folgen. Jeder Tempowechsel, jede Richtungsänderung, jedes neue Angehen
wird eingeleitet durch Ihr Hörzeichen. Durch eine eindeutige Körpersprache erleichtern Sie es dem unerfahrenen Hund, seine Bewegungen den Ihren anzupassen. Lassen Sie sich immer etwas mehr Zeit, bis die Belohnung gegeben wird, tun Sie dies aber immer, solange
das Verhalten noch korrekt ist und nicht, wenn der Hund bereits überfordert ist. Das könnte zu einer gänzlich ungewollten Verknüpfung führen. Steigern Sie ganz langsam
Übungszeit und Ablenkung durch die Umwelt. Suchen Sie neue, unbekannte Orte auf. Üben Sie auch dort, wo es später auf guten Gehorsam besonders ankommt: in Wald und Feld

Die Wittrung von Wild übt eine magische Anziehungskraft auf Jagdhunde aus. Der Lehrling darf aber erst zum Stück, wenn der Führer dies gestattet.

Das tägliche Training
• Arbeiten Sie zunächst, egal ob Welpe
oder erwachsener Hund, immer in möglichst
reizarmer Umgebung und steigern
Sie die Ablenkung nur ganz langsam und
nur dann, wenn ein Lernschritt verstanden
scheint.
• Fordern Sie nichts, was Ihr Hund noch
nicht kann! Motivieren Sie – erwarten Sie
nicht! Bedenken Sie, dass ein Kommando
mehrere Tausend Mal ausgeführt worden
sein muss, bis man davon ausgehen kann,
dass es wirklich gelernt ist.
• Arbeiten Sie nur dann mit Ihrem Hund,
wenn Sie selbst auch die nötige Ruhe dazu
haben! Strahlen Sie Ruhe und Souveränität
aus.
• Sprechen Sie leise mit Ihrem Hund! Sein
Hörvermögen ist um einiges besser als das
Ihre, er wird unverstandene Anweisungen
nicht dadurch besser verstehen, dass Sie
laut werden und gerade bei der Jagd sind
laute Kommandos mitunter ziemlich kontraproduktiv.
• Arbeiten Sie mit Ihrer Stimme! In der
Kommunikation unter Hunden bedeuten
hohe Stimmlagen eher positive Grundstimmung,
tiefe Laute eher Drohung, Warnung.
• Bestätigen oder korrigieren Sie Ihren
Hund sofort! Sie haben ungefähr eine Sekunde
Zeit für eine positive oder negative
Reaktion. Ihr Hund verknüpft Ihre Reaktion
immer mit dem, was er jetzt gerade tut,
nicht mit eventuellem Ungehorsam von
eben. (Bestätigen Sie Ihren Hund, wenn er
gerade zu Ihnen hochäugt, nicht erst,
wenn er schon wieder wegschaut!)
• Beenden sie die Ausführung eines jeden
Kommandos, indem Sie den Hund bewusst
daraus entlassen, zum Beispiel mit
dem Wort „lauf“ oder „frei“. Dulden Sie
nicht, dass Ihr Hund die Übung beendet.
• Gestalten Sie die Trainingseinheiten interessant
und abwechslungsreich für den
Hund. Gerade für den jungen Hund ist die
ganze (Um-)Welt höchst interessant. Seien
Sie attraktiver!
• Beenden Sie Ihre Trainingseinheiten immer
mit einer gelungenen Übung!

 

Sinnvoll wäre es, immer wenn der Hund beginnt zu ziehen, stehen zu bleiben oder die Richtung zu wechseln. Da man gelegentlich aber auch mit Hund sein Ziel erreichen möchte, wäre es eine Möglichkeit, mit „erlaubtem Ziehen“ zu arbeiten. Wenn Sie merken, dass es knapp wird mit der Konzentration, geben Sie schlicht das Hörzeichen „Lauf!“ und lassen die Leine lang. Warten Sie damit aber nicht so lange, bis der Vierläufer von sich aus zieht, um ihn dann in seinem Fehlverhalten zu bestätigen. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass es auch in
der Nähe von lebendem oder verendetem Wild zum Erfolg führt, auf Sie zu achten. Dazu lassen Sie ihn in unmittelbarer Nähe eines erlegten Stückes seine Fußübungen machen. Belohnen Sie reichlich, wenn der Hund sich auf Sie konzentriert und erlauben Sie nach gelungener Übung, dass er an das Stück heran darf. Zieht er dorthin und ist nicht kooperativ, darf er nicht zum Erfolg kommen. Sie bestimmen, wann Ihr Hund ans Wild darf! Nutzen Sie Bereiche mit vielen Umweltreizen, beispielsweise Wildgehege. Sowie
Ihr Hund sich einige Minuten wirklich auf Sie konzentrieren kann, machen Sie dort kleine Trainingsspaziergänge. Gehen Sie zunächst nur an den Gattern entlang, später darauf zu, um kurz vorher abzuwenden. Arbeiten Sie mit ihm so, als wäre dort gar kein Wild. Versuchen Sie, selbst so interessant zu sein, dass Sie die volle Aufmerksamkeit bekommen. Auch die Umgebung von Schießständen ist ein idealer Trainingsort! Halten Sie zunächst genügend Distanz und arbeiten Sie sich ganz langsam an die Schießstätte heran. Nehmen
Sie die Anforderungen etwas zurück, wenn Sie merken, dass Ihr Hund überfordert ist und beenden Sie das Programm mit einer Übung, die gut klappt. Sehr hilfreich ist es, besonders in ablenkungsreicher Umgebung und bei großer Anspannung, wenn ein Hund gelernt hat,
die Person auf Kommando anzuschauen. Äugt er zu Ihnen, so ist dadurch automatisch
seine Aufmerksamkeit von anderen interessanten Dingen weggelenkt. Ihre Einwirkungsmöglichkeit ist so deutlich größer, die Chance der beruhigenden Einflussnahme
zumindest vorhanden. Erarbeiten kann man ein „Schau!“ indem Sie sich zunächst ein Leckerchen in Höhe Ihres Gesichtes halten, mit dem Ziel, dass der Hund Sie anäugt. Guckt er hoch, kommt Ihr Kommando und sofort die Futterbelohnung. Das Anschauen und das entsprechende Hörzeichen dazu werden auf diese Weise positiv verknüpft. Auch dieses Kommando wird natürlich zunächst in reizarmer Umgebung geübt. Je selbstverständlicher Ihr Hund bei Fuß geht, desto mehr ersetzen Sie Futterbelohnung durch Lob und freundliche Ansprache. Später gibt es nur noch gelegentlich eine Belohnung, so dass unser Freund nie
weiß, ob für besondere Aufmerksamkeit vielleicht doch was rausspringt. Hat der Hund begriffen, dass die konzentrierte Zusammenarbeit mit seinem Führer für ihn positiv und befriedigend ist, dass sogar gemeinsam gejagt wird, hat er im Zweifel nur noch wenig Interesse an Bröckchen, sondern erwartet Wichtigeres, nämlich seinen jagdlichen Einsatz. Die positive Bestätigung, welcher Art auch immer, für erwünschtes Verhalten darf nie ganz wegfallen. Erlerntes kann durch mangelnde Bestätigung oder unreflektiert falsche Reaktionen auf Dauer wieder gelöscht werden.

Die locker durchhängende Leine muss das Ziel sein. So lassen sich angenehme und erfolgreiche Jagdtage miteinander verleben.

Sollte sich die Arbeit, zum Beispiel in einer pubertären Phase oder auch bei Hunden, die gelernt haben, durch Ziehen zum Erfolg zu kommen, schwierig gestalten, kann für eine Übergangsphase mit einem „Kopfhalfter“ gearbeitet werden. Es handelt sich dabei um ein nahezu geniales Hilfsmittel, welches von Wissenschaftlern entwickelt wurde.
Mit diesem Halfter („Halti“,„Gentle Leader“ oder ähnlichem) wird der Hund am Kopf geführt. Beim Versuch zu ziehen, kann er zwar seinen Körper von uns wegdrehen, der
Kopf bewegt sich dadurch aber wieder in Richtung Hundeführer. Durch das Halfter wird
beim Ziehen ein sanfter Druck auf Nacken und Fang ausgeübt. Hierdurch setzt eine entspannende Wirkung ein, gleichzeitig signalisiert der Druck auf den Fang Ihre Dominanz.
Auch wenn die Leine in vielen Fällen ein erforderliches Hilfsmittel bleiben wird, muss es das Ziel sein, zuverlässigen Gehorsam auch an der „unsichtbaren Leine“ zu haben. Bauen Sie das freie Folgen ähnlich auf wie die Leinenführigkeit. Es ist sinnvoll, jedes Angebot unseres
Hundes, von sich aus neben uns zu laufen und uns dabei vielleicht „anzuhimmeln“, als Übungseinheit auszunutzen, indem wir ihn sofort mit der Stimme bestätigen und ein wenig mit uns locken, um ihn dann bewusst aus der Übung zu entlassen.

Geplante Übungen der freien Folge sollten Sie erst beginnen, wenn es mit Leine schon
recht gut klappt. Lassen Sie die Leine oder eine dünne Kordel zunächst einfach auf dem Boden mitschleifen, haben Sie immer die Möglichkeit, mal eben „auf die Bremse“ zu treten,
wenn der Azubi eigene Wege einschlagen möchte. Gerade jetzt ist es besonders wichtig,
dass Ihr Hund nicht die Erfahrung macht, dass Ungehorsam zum Erfolg führt. Verhindern
Sie deshalb unerwünschtes Verhalten, gehen Sie kein Risiko ein, nur weil Sie der Meinung
sind, er habe das jetzt zu können. Erfolge durch Fehlverhalten können viel zerstören, was
mühevoll aufgebaut wurde. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ Würde dieser Spruch bedingungslos zutreffen, hätten wir oder unsere Hunde ziemlich schlechte Karten, wenn wir mit der Arbeit erst beginnen können, wenn der Hund dem Welpenalter bereits entwachsen ist. Die Fähigkeit zu lernen endet allerdings nicht mit dem ersten Lebensjahr, sie bleibt ein Leben lang, nicht nur bei Hunden! Beim älteren Hund haben wir meist damit zu kämpfen, dass es ja bereits Erfahrungen gibt, die nicht unbedingt hilfreich
sind. Hat ein Hund gelernt, dass man mit Ziehen sein Ziel erreicht, dass die diversen Lautäußerungen des Menschen am anderen Ende der Leine nicht von Bedeutung sind, oder dass es unangenehm und schmerzhaft ist, angeleint ganz nah beim Menschen gehen zu müssen, wird es viel Geduld, Konsequenz und Einfühlungsvermögen kosten, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Benutzen Sie grundsätzlich ein bequemes Leder- oder Nylonhalsband. Würgehalsbänder führen allein durch ihre mechanische Wirkung nicht zum Erfolg, da die Einwirkungszeit im Notfall länger ist als bei normalen Halsbändern. Die Verletzungsgefahr für den Kehlkopf sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden. Stachel- und Würgehalsbänder (ohne Stopp) sind in meinen Augen ungeeignete Erziehungsmittel für Hunde. Ihr Einsatz ist eher der Beginn einer Gewaltspirale, die uns und den Hunden das Leben erschwert. Da auch beim Hund die Liebe durch den Magen geht, ist es zumindest einen Versuch wert, ihn größtenteils oder sogar ganz über diese Trainingseinheiten zu füttern. Jede Bewegung, jede Kontaktaufnahme des angeleinten Hundes, die auch nur die leise Bereitschaft der Zusammenarbeit signalisiert, wird sofort mit Futter belohnt.

Geben Sie dem Hund die Chance, sich selbst an Sie heranzuarbeiten. Beginnen Sie, indem Sie mit dem Hund an langer Leine – fünf Meter reichen – auf eine große Wiese gehen. Denken Sie sich ein Quadrat von vielleicht zehn mal zehn Metern und gehen Sie nun stur, das Leinenende in der Hand und ohne den Hund in irgendeiner Weise zu beachten, von Eckpunkt zu Eckpunkt. Dort verharren Sie wenige Sekunden, um dann den Weg fortzusetzen, egal was der Hund gerade macht oder wo er sich befindet. Nach wenigen Minuten werden die meisten Hunde feststellen, dass man sich innerhalb eines gewissen
Umkreises um Sie herum, ganz passabel bewegen kann, ohne durch die Gegend gezerrt zu werden. Ihre ignorante und souveräne Art, einfach stur Ihres Weges zu gehen, signalisiert
zudem Stärke. Eine Stärke, die den Hund motivieren kann, sich Ihnen, dem „ranghohen Hund“, anzuschließen. Beginnt der Hund, relativ nah mitzulaufen, wird es Zeit für freundliche Zusprache und Belohnung. Verkürzen Sie Ihre Leine im Laufe der nächsten Übungseinheiten nur sehr langsam! Gehen Sie lieber wieder einen Schritt zurück, wenn es nicht klappt, als zu zerren und zu kämpfen. Das ungewünschte Ziehen hat Ihr Hund ja bereits gelernt. Die stets lockere Leine muss Ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Bauen
Sie Ihr Training langsam auf, steigern Sie die Ablenkungen bedächtig, arbeiten Sie mit „erlaubtem Ziehen“, wenn Konzentration nicht mehr möglich ist, trainieren Sie mit so viel ablenkenden Reizen wie möglich, bevor Sie von Ihren Hund erwarten, dass er sich auch bei durchaus heftigem Stress einer Gesellschaftsjagd auf Sie konzentriert! Denken Sie immer an die positive Bestätigung, denn Gelerntes kann durch ausbleibenden Erfolg sehr schnell wieder gelöscht werden. Bauen Sie im Alltag immer wieder Übungssituationen für ihren Vierläufer ein– das ganze Hundeleben lang.

 

 

 

Handy oder Schlüssel verloren? Kein Problem! Wie Sie Ihrem Hund das sichere Verlorenbringen auf Ihrer eigenen Spur beibringen, zeigt Jagdhundeausbilder Udo Hüttner.

 

Unser Reviergang musste wegen des starken Regens abgebrochen werden. Im Laufschritt auf dem Weg zum Auto überholt mich meine Drahthaar-Hündin, setzt sich vor mich und gibt mir ein Schlüsselmäppchen aus. Etwas erstaunt erkenne ich meinen eigenen Autoschlüssel. Ich hatte ihn verloren. Und „Ondra“ brachte ihn mir, bevor ich es bemerkt hatte.
Verlorenbringen auf der Führerspur ist eine nützliche Fertigkeit des Gebrauchshundes für alle jagdlichen Lebenslagen. Obendrein stellt sie eine kurzweilige Beschäftigung für den Hund in der jagdlosen Zeit dar. Das Nasentraining hält den Hund geistig beweglich und ist das beste Mittel, ihn zum freudigen, schnellen Zutragen im Galopp zu erziehen.
Die Abrichtung ist einfach. Vorausgesetzt, der Hund ist sauber im Apport durchgearbeitet und bringt verlässlich. Die ersten Übungen verlaufen immer auf kurzer Distanz und auf Sicht.

 

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Auf einem Waldweg wird ein Gegenstand fallen gelassen, sodass der Hund diesen eräugt.Fotos: Silvia Muuss

Schritt 1

Gehen Sie mit dem Hund bei Fuß einen Waldweg entlang. Wege dienen dem Vierläufer als Leitlinie und erleichtern die ersten Schritte. Den gleichen Zweck erfüllt auch das „Bei-Fußgehen“.
Der Hund soll sich später an den Weg erinnern. Ein Gegenstand, den der Hund gerne bringt, wie beispielsweise sein Lieblingsspielzeug oder -apportel wird fallengelassen. Zunächst soll der Vierläufer das genau beobachten können. Nach etwa zehn Schritten bleiben Sie stehen, knien sich hin und stimmen den Hund mit einem kleinen Ritual auf die bevorstehende Arbeit ein. Dazu greifen Sie ihm vor die Brust, streicheln seinen Kopf und wiederholen immer wieder: „Ich hab was verloren! Verloren!“ Zeigen Sie dabei mit gestrecktem Arm zum verlorenen Gegenstand. Wie immer ist der Erfolg maßgeblich von der Ruhe und Konzentration abhängig, die der Führer dem Hund entgegenbringt.
Dieser wird durch die ungewohnte Einstimmung freudig erregt und besonders aufmerksam bei der Sache sein. Mit „Bring Apport!“ (oder ihrem festgelegten Apportierkommando) schicken Sie den Hund dann los.

 

 

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Wenig später wird der Hund zum Bringen geschickt.

Schritt 2

Hat der Hund die ersten Bringübungen auf kurze Distanz zuverlässig ausgeführt, vergrößern Sie die Entfernung. Aber nicht gleich zu weit, damit der Hund nicht überfordert wird. Bei allen Übungen darf der Führer nicht vergessen, den Hund durch freudiges Lob zur Arbeit zu motivieren. Ab und zu ein saftiger Brocken hilft, das Erlernte zu festigen.

Schritt 3

Bringt der Hund auf etwa dreißig Meter sauber und freudig, bauen Sie die erste Schwierigkeit ein. Der Bringgegenstand wird wieder so abgelegt, dass der Hund ihn sieht. Gehen Sie nun allerdings mit dem Hund um eine Wegbiegung herum, damit er den Gegenstand aus den Augen verliert. Jetzt muss er die ersten Meter aus dem Gedächtnis zurücklaufen. Das fördert zum einen die Konzentration auf den Apportiergegenstand, zum anderen fängt der Hund allmählich an, seine Nase einzusetzen.

 

 

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Anfangs sollte die Strecke, die der Vierläufer zurücklegen muss, nur wenige Meter betragen.

Schritt 4

Diese Variante üben Sie nun immer weiter. Der Bringgegenstand wird so abgelegt, dass der Hund es sieht. Das Einstimmungsritual, das den Hund ruhig macht, muss immer wieder in der gleichen ruhigen Weise abgespult werden.
Mit der Zeit verinnerlicht der Vierläufer seine Aufgabe, und die Sache läuft wie geschmiert. Nun wird die Entfernung so weit vergrößert, dass der Hund mehr und mehr seine Nase gebrauchen muss. Zwischendurch legen Sie aber auch wieder kürzere Spuren, damit die Sache für den Vierläufer nicht eintönig wird.

Schritt 5

Zeigt der Jagdhelfer, dass er die Aufgabe verstanden hat und bringt zuverlässig, freudig und flott, kommt die gravierende Hürde, die erst ein Verlorenbringen aus der Übung macht. Dass der Hund nämlich den Gegenstand bringt, ohne dass er ihn fallen gesehen hat. Der Gegenstand wird dabei so fallen gelassen, dass der Hund dies nicht eräugt. Auf eine kurze Distanz von höchstens zehn Metern wird er nun zurückgeschickt. Jetzt zeigt sich der Wert des kleinen Rituals. Im ersten Moment wird unser Freund etwas ratlos um sich schauen, da er ja nichts von einem „verlorenen“ Gegenstand weiß. Kraft der Gewohnheit wird er jedoch auf unserer Spur zurücksuchen. Anfangs zögerlich und öfters zurückäugend. Durch Ermunterung wird er jedoch die paar Meter zurücklegen, bis er das Apportel sieht. Freudig wird er darauf zulaufen und es bringen. Natürlich ist ein ausgelassenes Lob dafür fällig.

 

 

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Sobald der Hund alle Übungen auf Wegen verlässlich ausführt, kann man die Ausbildung auf Wiesen oder ähnlich homogenem Gelände weiterführen.

Schritt 6

Das Gröbste ist nun erledigt. Als nächstes wird in kleinen Schritten die Entfernung vergrößert. Zwischendurch lassen Sie den Hund das Fallen des Gegenstandes immer mal wieder eräugen, damit die Verknüpfung von Bringgegenstand und Spurarbeit im Kopf des Hundes gefestigt wird. Bringt der Vierläufer dann auf zweibis dreihundert Metern zuverlässig, wird die nächste große Hürde eingebaut: Verlassen Sie den Weg und legen Sie die Spur in einförmigem Gelände. Eine große Wiese, ein Stoppelfeld oder ähnliches bieten sich dazu an. Zunächst wird die Distanz wieder auf etwa zwanzig bis dreißig Meter verkürzt. Kürzer sollte die Strecke nicht sein, weil der Hund anfangs dazu neigt, erst einmal loszurennen. Dabei könnte er den zu nahe abgelegten Gegenstand überlaufen. Zwar kann dies auch bei einer Entfernung von 20 Metern passieren. Trotzdem sollte man den Hund aber noch nicht überfordern.
Aufgepasst! Die ersten Übungen auf freier Fläche können den Führer zur Weißglut bringen. Der Hund findet nämlich auf einmal gar nichts mehr und läuft kreuz und quer übers Feld, ohne seine Nase zu benutzen. Der Wechsel der Örtlichkeit und der Wegfall der optischen Leitlinie des Weges verunsichern den Zögling so stark, dass er anscheinend alles vergessen hat. Jetzt dürfen Sie nicht die Nerven verlieren! Legen Sie eine Spur nach der anderen und weisen Sie den jungen Hund ein. Arbeiten Sie geduldig und eisern bis er begreift, dass er sich jetzt nur noch auf seine Nase verlassen kann. Das kann dauern und mitunter zwanzig und mehr Übungsspuren brauchen. Selbstverständlich sollten Sie dieses Programm nicht an einem Stück durchziehen. Bei allen Abrichtübungen gilt es, langsam und Schritt für Schritt vozugehen, ohne den Auszubildenden zu überfordern. Hast und Übereifer rächen sich in der Hundeabrichtung immer.

Schritt 7

Ist diese Phase gemeistert, widmen Sie sich nun der gründlichen Suche. Dazu wird dem Hund ein kleiner Gegenstand (zum Beispiel eine Patrone) auf ganz kurze Distanz – etwa drei Meter – ausgelegt. Der Phylax wird losgeschickt. Sobald er überschießt, wird er eindringlich zurückgerufen, neu eingewiesen und bringen gelassen. Nach etwa zehn bis zwanzig Übungen zügelt der Hund deutlich seine Geschwindigkeit und sucht von Anfang an gründlich.

Schritt 8

Hat er das begriffen, erweitern Sie die Spur auf etwa einhundert Meter Länge. Dadurch wird der Hund wieder erinnert, sich nur auf seine Nase zu konzentrieren. Diese Variationen halten den Hund wach und verhindern das „Kenn-ich-schon-weiß-ich-schon-Gefühl“ des Adlatus, welches schnell zu oberflächlicher, schlampiger Arbeit verführt.

 

 

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Für jede gute Arbeit wird der Hund belohnt! Ebenso wie das Gelände sollten auch immer wieder unterschiedliche Apportiergegenstände verwendet werden.Foto: Silvia Muuss

Schritt 9

Ist dieses Stadium überwunden und hat der Hund gelernt, dass nichts berechenbar ist, erhöhen Sie die Ansprüche Stück für Stück – sowohl im Bezug auf Länge als auch Stehzeit der Spur. Arbeiten Sie nun immer wieder in unterschiedlichem Gelände. Gehen Sie über Wege, durch Hecken oder überqueren Sie Bäche – der Phantasie des Jägers sind kaum Grenzen gesetzt. Auch die Wahl des Bringgegenstandes erhöht den Schwierigkeitsgrad. Vom Kirreimer bis zum einzelnen Schlüssel ist alles möglich.

Schritt 10

Im letzten Abschnitt lernt der Zögling das flotte Zutragen im Galopp. Dies erreichen Sie, indem Sie weitergehen, sobald der Hund zum Verlorensuchen gestartet ist. Für den Vierläufer ist das keine Schwierigkeit, denn er folgt ja sowieso der menschlichen Spur. Die Tatsache aber, dass Sie weitergehen, spornt den Hund zu schnellster Gangart an.
Steigern kann man dies, indem man schon beim Wegschicken des Hundes wieder losgeht. Merkt der Hund das, wird er zunächst unschlüssig zurückschauen. Am liebsten würde er seinem Herrn sofort folgen. Der Gehorsam fordert ihn jedoch, zuerst den gesuchten Gegenstand zu bringen. So wird er sich im gestreckten Galopp ins Zeug legen, um möglichst schnell wieder bei Ihnen zu sein. Das Ergebnis ist ein Hund, der freudig und mit langen Sätzen apportiert. Dass er nach vollbrachter Leistung für diese brave Arbeit ausgiebig abgeliebelt wird, versteht sich von selbst. Er ist dann ausgelassen wie ein Welpe und stürmt mit angelegten Behängen um uns herum und weiß sich vor Freude kaum zu fassen. So manches Messer, Handy und den einen oder anderen Schlüssel, aber auch schon eine verlorene Schere fanden meine Hunde. Erst vor Kurzem hatte meine Große-Münsterländer-Hündin auf einem meiner Seminare die verlorene Nylonhalsung eines Terrier-Welpens auf der Rückspur gefunden. Dabei war das Halsband nur etwas größer als ein Schnürsenkel. Obendrein waren wir mehrere Hundert Meter kreuz und quer über hohe Wiesen gelaufen. Natürlich sind das Arbeiten für geübte Hunde. Mit Geduld und Konsequenz kann das aber jeder Jagdhund lernen. Genauso schnell lernt der Hund auf dieselbe Weise das freie Verlorenbringen. Das Verlorenbringen ist ein weiterer Stein im reichen Mosaik der Fähigkeiten des firmen Gebrauchshundes.
 

Das Muss vor dem Schuss

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Ausbildung an der lebenden Ente von Egbert Urbach
Ist die Arbeit hinter der lebenden Ente noch zeitgemäß oder handelt es sich hier um eine antiquierte Methode zur Einarbeitung des Junghundes? Um nicht den sechsten vor dem ersten Schritt zu machen, stellt sich die Frage, wie der Hund für die Arbeit am lebenden Breitschnabel ordentlich vorbereitet wird?

FOTO: MICHAEL MIGOS

Der erste und sicher auch wichtigste Schritt bei der Wasserarbeit ist die Gewöhnung des Welpen an das nasse Element. Hier hilft bereits die Hündin, die mit ihrem Wurf beim Reviergang durch Pfützen und schmale, seichte Bäche läuft. Kein Welpe will zurückbleiben, und so wird ohne Zwang die Bekanntschaft mit dem Wasser gemacht. Wenn dies in der kalten Jahreszeit nicht möglich ist, geht es mit dem Junghund, sobald es wärmer ist, an ein
leicht abfallendes Gewässer. Dann heißt es, mit gutem Beispiel und Gummistiefeln ins
Wasser voranzugehen. Wird dem kleinen Hund dort auch noch etwas Interessantes an der Reizangel präsentiert, ist die Scheu bald überwunden. Im Sommer sollte der „Rudelführer“ auch mal eine Runde mit dem Hund schwimmen, damit die Überwindung immer mehr in Gewohnheit übergeht. Auch mit einem wasserfreudigen Artgenossen im Weiher oder See zu toben, hilft dem jungen „Freischwimmer“. Am besten eigenen sich hierfür stehende Gewässer, deren Grund nur langsam abfällt.
Solche Bedingungen sind für den Junghund berechenbar. Nach und nach wird er sich vom Ufer lösen und schwimmen.

Langsame Fließgewässer mit problemlosem Ein- und Ausstieg sind der nächste Schritt, und auch dieser gelingt leichter, wenn man sich Zeit lässt. Dass es nichts bringt, einen Junghund ins Wasser zu werfen, damit er seine Schwimmfähigkeit erkennt, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Man sollte auch nie vergessen, den Hund danach abzureiben. Zum einen verhindert man, dass das „Hundchen“ friert. Außerdem empfindet
der Kleine den Kontakt und die Aufmerksamkeit seines Herrn als sehr angenehm –ein zusätzliches Lob für die mutige Auseinandersetzung mit dem nassen Element.
Unabdingbare Voraussetzung für eine saubere Wasserarbeit ist das sichere Apportieren.
Als überzeugter Anhänger der Frühprägung und -erziehung beginne ich damit bereits vor dem Zahnwechsel (4. bis 6. Monat). Natürlich muss das Apportel dem Milchgebiss des Hundes angepasst sein. Ein Stück dünnes Plastikrohr mit einem Kaninchenbalg umwickelt, ein Welpendummy oder auf Styropor geklebte Entenschwingen eignen sich hierzu. Genauigkeit und Konsequenz sind aber der Schlüssel zum Erfolg. Allerdings sollte man nie vergessen, dass man mit „Kindern“ arbeitet. Lob ist hier besonders wichtig – wie überhaupt
bei der Hundearbeit –, aber auch das Zeigen, was Herrchen nicht will. Dies hat nichts mit Schlägen oder anderen Gewaltmaßnahmen zu tun. Wir haben in der Schule auch kein bisschen besser gerechnet, wenn wir für eine falsch gelöste Aufgabe eine „Watschn“ bekommen haben. Ein scharfes „Pfui“, eine Korrektur mit der Hand und sofortiges Lob, wenn der Kleine richtig hält, genügen meist schon. Wenn ein junger Hund richtig angefasst wird und Vertrauen zu seinem Führer hat, dann will er diesem gefallen. Ist der Junghund dabei nicht überfordert, freut er sich darauf, mit seinem Führer zu arbeiten.
Die ersten kurzen Schleppen an der Feldleine werden bald sicher gearbeitet, und ein kurzer Ruck an einer Schur, der den Apportiergegenstand zum Leben erweckt, fördert das schnelle und sichere Zugreifen des kleinen Hundes. Eichelhäher, Krähe, Elster und Taube sind das erste Federwild, das auf diese Weise gearbeitet wird, erst später sollten schwerere Enten genommen werden.
Wenn die Schleppen auf verschiedene Distanzen sicher frei gearbeitet werden, ist das
Wichtigste geschafft. Funktioniert es einmal nicht, geht es sofort zurück an die lange
Leine, und die Grundübungen werden wiederholt. Wem die Ausführungen zum Apportieren
an Land im Zusammenhang mit der Arbeit hinter der lebenden Ente etwas ausführlich
erscheinen, sollte bedenken, dass es ohne ein absolut sicheres Apportieren an Land kein zuverlässiges Ausarbeiten der Schwimmspur und Bringen der Ente aus dem Wasser gibt. Der Junghund lernt an Land und mittels der Feldleine, dass er bringen muss. Dies bedeutet einen ganz klaren Zwangsapport, ohne den ein sicheres Bringen nicht gewährleistet ist. Dieser hat allerdings nichts mit der Art „Apport“ gemeinsam, der immer noch in manchen
Köpfen herumgeistert und mit Koralle oder Stecken in Verbindung gebracht wird.
Die Kunst des Führers besteht darin, dem Junghund dies so beizubringen, dass er es freudig tut. Benutzen sie das Kommando „Apport“ auch nur, wenn Sie mit dem Hund arbeiten und es auch durchsetzen können. Wurde sauber gebracht und ausgegeben, sollte man keinesfalls vor lauter Begeisterung die Übung wiederholen. Sie überfordern den Hund. Er wird nicht begreifen, warum er etwas, was er sauber ausgeführt hat, ständig wiederholen muss. Er wird die Lust an der Übung verlieren und sich letztendlich verweigern. Hören Sie immer mit einer gelungenen Übung und einem Lob auf, niemals mit einem Misserfolg.

Sicherheit und Vertrauen im Wasser sollten bereits dem Welpen vermittelt werden.
lebende Ente
Das Einsetzen der Ente sollte so erfolgen, dass sie über eine offene Wasserfläche die nächste Deckung annimmt. So hinterlässt sie die gewünschte Schwimmspur für den Hund.

Die Kommandos „Apport“ und „Aus“ müssen getrennt werden. Apport heißt aufnehmen,
bringen und vor den Führer hinsetzen. Bereits jetzt ist es Zeit, den Hund zu loben, ihm Kopf, Rücken und Brust zu streicheln. Hierbei muss er den Apportiergegenstand weiter festhalten, ohne darauf herumzukauen. Er lernt dabei, dass eine Handbewegung seines Führers zum Kopf nicht bedeutet, dass er den Gegenstand loslassen darf. Das unschöne Fallenlassen des Wildes kommt meist daher, dass der Führer das Kommando „Aus“ sofort gibt und mit der Hand nach dem Wild greift, wenn der Hund vor ihm sitzt. Der Hund lernt so, die auf ihn zukommende Hand als Sichtkommando „Aus“ zu interpretieren, und lässt das Wild fallen. Die Folge ist, dass der Führer immer schneller zugreift und der Hund Wild immer schneller fallen lässt. Man kann den Hund ruhig einmal ein wenig warten lassen, bis man ihm den Apportiergegenstand abnimmt.
Für das Apportieren aus dem Wasser gilt wieder der alte Spruch: „Vom Leichten zum
Schweren!“ Dies hat nichts mit dem Gewicht des Apportiergegenstandes zu tun, sondern mit der Länge und Komplexität der Arbeit. Begonnen wird mit einem auf kurze Distanz ins Wasser geworfenen Apportiergegenstand, den der Hund noch ohne zu schwimmen bringen kann. Hier achte man von Anfang an besonders darauf, dass der Hund sich sofort sauber setzt, ohne sich erst zu schütteln. Es ist ganz normal, dass der junge Hund versuchen wird, erst den Apportiergegenstand abzulegen, sich zu schütteln und dann erst zu bringen. Dies kann man leicht dadurch unterbinden, indem man eng am Wasser steht und dann ein, zwei Schritte rückwärts geht. Der Hund wird einem folgen. Ein schneller Schritt vorwärts und der
Hund wird das an Land Gelernte wiederholen und sich auf die Keulen setzen. Eine Unterstützung des zutragenden Hundes durch Lob fördert das Tempo und verhindert das unliebsame Schütteln.
Zwischenzeitlich ist der zukünftige Jagdhelfer soweit herangewachsen, dass er auch die verendete Ente sicher an Land bringt und ein guter Schwimmer geworden ist. Vermeiden Sie bereits von klein auf das zu Lande und zu Wasser so beliebte „Stöckchen-werfen“. Der Hund wird sonst später, wenn er einmal nicht gleich den Apportiergegenstand oder die Ente findet, einen Stock apportieren, weil er ja dafür sonst immer gelobt worden ist. Gehen Sie immer davon aus, dass der Hund nicht im menschlichen Sinne denken kann, sondern Punkt für Punkt verknüpft. Man sollte überhaupt beim Spielen jegliche Arbeitskommandos vermeiden. Spiel und Arbeit sind zwei unterschiedliche Welten.
Das Spiel mit dem Führer oder einem Artgenossen ist jedoch sehr wichtig, um den Hund wieder zu entspannen und dem jugendlichen Temperament gerecht zu werden.

Bevor der Vierläufer an der lebenden Ente ausgebildet wird, sollte er das Finden und Bringen
einer toten Ente aus der Deckung sicher beherrschen.
FOTOS: CHRISTINE STEIMER, KLAUS WARTER, MICHAEL BREUER

Wenn man früh mit einem Welpen beginnt, ist der Kleine jetzt etwa fünf bis sechs Monate alt. Dieses Geschöpf ist aber einfach noch ein „Kind“, das auch viel spielen muss, um alles, was ihm vor die kleine Nase kommt, kennenzulernen sowie seine Kräfte und Fähigkeiten zu erproben. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um mit der Flinte zu arbeiten. Nachdem der Junghund sich schussfest zeigt, wird eine tote Ente ins Wasser geworfen, ein Schuss darauf abgegeben und nach einer Wartezeit wird unser Kleiner zum Apportieren geschickt. Die Pause zwischen Schuss und Kommando ist zwingend erforderlich, denn wer kennt sie nicht, die ewigen Winsler und Pfeifer, die einem auf der Entenjagd das Leben schwer machen, wenn sie am Horizont die ersten Enten eräugen, oder das Pfeifen der Schwingen vernehmen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen ist diese Unart anerzogen und nicht angewölft. Der erste Schritt zur Standruhe ist bereits getan, wenn ich meinen Hund dazu erziehe, in aller Ruhe zu warten, bis das Kommando zum Apportieren kommt. Ein
Schuss darf für den Hund nie den Ersatz für ein Apportierkommando darstellen. Ist
dieser Ausbildungsstand gefestigt, wird der Hund nach einer kurzen Wartezeit in Richtung
der geworfenen Ente geschickt und der Schuss erst dann abgegeben, wenn der Hund schon auf die Ente zuschwimmt. Damit ist das Kapitel der Schussfestigkeit im Wasser auch abgehakt und der Schuss auf die später vor dem Hund wegschwimmende kranke Ente bereits simuliert.
Nun müssen eigentlich nur noch zwei Schritte getan werden, bevor der Junghund
seine erste lebende Ente arbeiten darf. Dazu muss der Hund sicher die Strecke zum
gegenüberliegenden Ufer absolvieren und dort selbstständig suchen. Ersteres lässt
sich leicht bewerkstelligen: Ein Weiher mit vielleicht 20 bis 40 Meter Breite oder ein
nicht zu schnelles Fließwasser mit zehn bis 15 Metern Breite reichen völlig aus. Beim
ersten Durchgang steht ein dem Hund bekannter Helfer am anderen Ufer, hält die
Ente hoch und lässt sie dann fallen. Auf das Kommando „Apport“ durchrinnt der
Hund das Wasser, nimmt die Ente auf und trägt sie seinem Führer auf direktem Weg
zu. Hat er diese Übung begriffen, wird die Ente, ohne dass der Hund sie eräugt hat, am
jenseitigen Ufer abgelegt. Hat er auch diese Hürde gemeistert, wird eine Schleppe
mit einer verendeten Ente über das Gewässer gezogen.
Den „Sausewind“ an Schilf zu gewöhnen, ist keine große Kunst mehr. Egal, ob ein Dummy mit künstlicher Witterung oder eine verendete Ente genommen wird – hier spielen Wind und Motivation eine größere Rolle. Zu Beginn führen wir ihn gegen den Wind an das Schilf heran. Er wird schnell begreifen: Wenn ich nur ausdauernd suche und meine Nase einsetze, werde ich das Objekt meiner Begierde schnell finden. Steigert man die Entfernung langsam und schickt ihn seinen Fähigkeiten entsprechend mit immer schlechterem Wind, dann weiß er bald, dass bei genügend Ausdauer und Naseneinsatz ein „Verloren Apport“ immer Erfolg bedeutet. Zu Beginn kann ab und zu mal ein Stein in Richtung des Apportiergegenstandes geworfen werden. Dies dient der Unterstützung, wird aber bald durch Handzeichen ersetzt und unterbleibt schließlich ganz. Wir wollen ja einen Hund, der selbstständig so lange im Schilf sucht, bis er durch seine Nase zum Erfolg kommt. Damit sind nun alle Grundsteine gelegt, die wir benötigen, um mit unserem Hund eine kranke Ente nachsuchen zu können – fast alle!
Noch hat unser Hund nicht bewiesen, dass er unter kontrollierten Bedingungen einer kranken Ente wirklich folgt und diese nach dem Schuss apportiert, gerade wenn sie noch etwas flattert. Denn erst, wenn unser vierläufiger Kumpel gelernt hat, dass die Schwimmspur zur Ente führt, wenn er begriffen hat, dass die hartnäckige Verfolgung im Schilf damit endet, dass eine Ente vor ihm erlegt wird, erst dann haben wir einen
brauchbaren Jagdhund, mit dem eine Nachsuche auf die geflügelte Ente in der Praxis möglich ist. Um dies zu simulieren, wird eine Ente, die nach Professor Müller mit einer Papiermanschette vorübergehend flugunfähig gemacht wurde, auf dem Übungsgewässer
freigelassen. Dass dabei die Bestimmungen der Prüfungsordnung „Wasser“ aus Tierschutzgründen peinlich genau eingehalten werden müssen, ist selbstverständlich.

Mit einer Papiermanschette nach Methode Professor Müller wird die Ente kurze Zeit flugunfähig gemacht.
Hat der Hund den Breitschnabel aus der Deckung gedrückt und ist genügend Abstand zwischen beiden, muss die Ente erlegt werden.

So darf der Vierläufer das Einsetzen des Flugwildes nicht mitbekommen. Ist der Breitschnabel im Schilf verschwunden, wird der Hund mit dem Kommando „Such verloren Apport“ in Richtung der Schwimmspur geschickt. Die gut eingearbeiteten Hunde werden sofort der Spur folgen. Unter normalen Bedingungen ist die Ente dem Hund im Wasser deutlich überlegen.
Es gilt deshalb, die Ente, sobald der Hund sie aus dem Schilf gedrückt hat, zu erlegen. Greift der Hund die verendete Ente sicher und bringt sie seinem Führer, hat sich unsere Arbeit gelohnt. Wir wissen, dass der Hund schussfest und nicht wildscheu ist. Nach meiner Erfahrung reichen die drei zur Einarbeitung zugelassenen Enten locker aus, um den Junghund für die Wasserpraxis einzuarbeiten. Das Gros der Hunde kommt auch mit weniger aus.
Wichtig erscheint mir, dass der Schuss auf die Ente so schnell wie möglich angebracht
wird, damit es nicht zu Sichthetzen kommt. Dann zeigt die Ente auch keine besondere
Scheu, da sie dem Gegner bisher erfolgreich und meist ohne Mühe ausgewichen ist. Ein sauberer Schuss sichert dann den Sonntagsbraten, was ein durchaus erwünschter Nebeneffekt ist.
Ich denke, dass es den meisten Hundeausbildern so geht wie mir. Es macht absolut keinen Spaß, eine Ente mit der Papiermanschette flugunfähig zu machen, sie ins Wasser zu setzen und ein paar Minuten später vor dem Hund zu schießen. Was wäre aber, wenn wir diese Möglichkeit der Einarbeitung und Prüfung nicht mehr hätten? Hier auf der Schwimmspur muss der Hund beweisen, dass seine Nase fein genug ist, um der Ente zu folgen. Er muss zeigen, dass er hartnäckig genug ist, sie vor unsere Flinte zu bringen und dass er den Schuss auf die Ente aushält. Er muss in der Lage sein, das noch lebende Federwild sicher zu greifen. Wer schon einmal erlebt hat, wie geschickt eine Ente vor dem verfolgenden Hund abtaucht, um wie ein U-Boot nur mit Augen und Nasenlöchern über Wasser weiter zu
schwimmen, wird nie mehr behaupten, dass eine solche Nachsuche für den Hund in der Praxis ein Kinderspiel ist. Die überwiegende Mehrzahl der Enten wird beim abendlichen Strich in der Dämmerung geschossen. Wir sind dann auf Gedeih und Verderb dem Können unserer Hunde ausgeliefert, um die verendeten Enten zu bergen oder krankgeschossene aus dem Schilf zu drücken. Daher müssen wir diese schwierige Arbeit zuvor mit der lebenden Ente unter kontrollierten Bedingungen simulieren, um unseren Hund fit zu machen. Nur der firme, also brauchbare Hund ist in der Lage, die Leiden der Kreatur so schnell wie möglich zu beenden. Ein Junghund, der die Wasserarbeit nicht von der Pieke auf gelernt hat, wird nicht in der Lage sein, eine schwierige Schwimmspur zu meistern, die verletzte Ente zu apportieren oder aus dem Schilf zu drücken. Sie würde verludern – das darf nicht sein.
Es ist unsere Pflicht als Hundeführer, unnötige Schmerzen und Leiden des Wildes zu vermeiden. Außerdem haben wir dafür Sorge zu tragen, dass kein Wildbret verludert, denn es ist ein hochwertiges Lebensmittel. Wer meint, ein Hund sei in der Lage, ohne entsprechende Einarbeitung – inklusive an der lebenden Ente – eine absolut zuverlässige Wasserarbeit zu leisten, der irrt. Der eine oder andere wird bei genügend Praxis vielleicht firm werden. Aber wie viele Enten hat er bis dahin verloren?
Wir werden es nie erfahren. Diese Art von Jagd ist mit einer waidgerechten Einstellung zu unserem Wild nicht vereinbar – es handelt sich schlicht um Tierquälerei. Ich bin überzeugt, dass die Jagd nur mit gut eingearbeiteten Hunden Zukunft haben kann, denn Jagd ohne Hund ist nicht nur Schund, sondern einfach nicht machbar.
Der Gesetzgeber schreibt klar und deutlich brauchbare Hunde in ausreichender Anzahl für die Wasserjagd vor. Außerdem: Was gibt es Schöneres, als mit dem Hund bei der Nachsuche erfolgreich zu sein, auch wenn es sich „nur“ um eine Ente handelt?

Prüfungsordnung „Wasser“

Im richtigen Rahmen

In Bundesländern wie Hessen, Rheinland- Pfalz, Schleswig-Holstein und vermutlich bald Berlin ist die Ausbildung an der lebenden Ente heute verboten. Dagegen hat Baden-Württemberg frühzeitig eine Prüfungsordnung „Wasser“ festgelegt – die so genannte Stuttgarter Vereinbarung. Sie war Grundlage einer heute innerhalb des JGHV geltenden Regelung, die in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angewendet wird. Das
Saarland hat die „Lebende Ente“ im Jagdgesetz verankert. Bremen und Hamburg
haben es nicht gesondert geregelt. red.
Nachstehende Grundsätze sind verbindlich für aller Mitgliedsvereine (JGHV), die Prüfungen hinter der lebenden Ente durchführen, unter Beachtung der einzelnen Ländervorschriften. Sie sind auch bei Wasserübungstagen der Vereine genau zu beachten, wobei ein Hund nicht an mehr als drei (lebenden) Enten insgesamt eingearbeitet werden darf.
Ein Prüfungsgewässer muss hinsichtlich seiner Größe (mindestens 0,25 ha Wasserfläche), seiner Tiefe beziehungsweise Breite von stellenweise sechs Metern, seiner Wassertiefe (die vom Hund nur schwimmend überwunden werden kann) und seiner Deckung (ca. 500 qm) so beschaffen sein, dass die Ente ihre Fluchtmöglichkeiten voll ausnutzen kann.
Zur Wasserarbeit dürfen nur voll ausgewachsene Stockenten verwendet werden, deren Flugfähigkeit mit einer Papiermanschette über einzelne Schwungfedern einer Schwinge für kurze Zeit eingeschränkt wird (Methode Prof. Müller).
Die Enten müssen während ihrer Aufzucht und Haltung mit Wasser und Deckung vertraut sein, das heißt schwimmen, tauchen und sich drücken können. Wasserarbeit mit lebenden Enten darf nur außerhalb der Brutzeit, die von Mitte April bis Mitte Mai gilt, geübt werden.
Die Prüfung mit der Ente darf erst dann durchgeführt werden, wenn der Hund Schussfestigkeit sowie sicheres Verlorensuchen und -bringen einer toten Ente aus
der Deckung unter Beweis gestellt hat. Bei jeder Prüfung (und Wasserübungstag)
muss ein geprüfter, jagderfahrener Hund zur Verfügung stehen, der gegebenenfalls
zur Nachsuche eingesetzt wird. Quelle: Auszug aus der Prüfungsordnung zur Wasserarbeit des JGHV.

 
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