Jagdhunderassen

Stöbern ist ihre Passion

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Deutsche Wachtelhunde:
Der Deutsche Wachtelhund (DW) ist der einzige einheimische Stöberhund. Durch gezielte Zucht wurde erreicht, dass er heute spur -, fährtensicher und vor allem laut jagt, aber auch bei Arbeiten nach dem Schuss ist er ein verlässlicher Partner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Siegfried Sassenhagen

Die Geschichte des Deutschen Wachtelhundes (DW) beginnt mit den vierbeinigen Jagdhelfern, die in der Fachliteratur schon früh als „Spione“ oder „Stöberer“ erwähnt werden und die Noe Meurer 1561 bereits als „Wachtelhunde“ bezeichnet. Solche Jagdhunde waren damals in unterschiedlichen Schlägen weit verbreitet. Ihren hauptsächlichen jagdlichen Einsatz fanden sie bei der Netzjagd und zur Hochblüte der Beizjagd zum Finden und Aufstöbern des Wildes mit tiefer Nase in deckungsreichem Gelände.

Durch Rodung und Kultivierung nahmen die deckungsarmen Räume zu, die bewaldeten und wild bewachsenen Landschaftsteile wichen relativ großen landwirtschaftlichen Nutzflächen. Einhergehend mit der Enführung von Schusswaffen, hatte dies eine starke Ausbreitung von kulturfolgenden Wildarten wie dem Rebhuhn zur Folge. Die Jagdstrategien änderten sich und man benötigte nun Jagdhunde mit weiter Feldsuche und verlässlichem Vorstehen.

So waren aus den alten deutschen Jagdhundschlägen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, teilweise auch durch Einkreuzung englischer Rassen, zunächst die Deutschen Vorstehhundrassen entstanden, wobei alle langhaarigen von den Wachtelhunden stammen.

Wichtige Arbeiten nach dem Schuss

Offenbar waren bei der Entwicklung zu großen, hochläufigen Vorstehhunden, was der weiträumigen Suche mit hoher Nase in übersichtlichem Gelände entgegenkam, einige typische Eigenschaften der „alten“ Wachtelhunde auf der Strecke geblieben. Doch diese wurden bald nicht nur von Waldjägern vermisst. Man wollte einen mit tiefer Nase suchenden und dadurch auch langsamer jagenden, zuverlässig spur- und fährtenlauten, vielseitigen Jagdgebrauchshund. Auch eine Reihe namhafter Vorstehhundanhänger erkannten durchaus eine Nische für diese Hunde und schlossen sich den beginnenden Initiativen zur Rettung und Neuzüchtung der Wachtelhunde an. Als Friedrich Roberth am 27. November 1897 in „Zwinger und Feld“ den ersten Aufruf hierzu veröffentlichte, waren die ursprünglichen Wachtelhunde bereits fast verschwunden.

Vereinzelt fand man sie noch in deckungsreichen Revieren zum Buschieren, vorwiegend auf Kaninchen und Fasan und zur Wasserjagd. Insbesondere von Waldjägern wurden sie in niederwildarmen Revieren mit Schalenwild für alle anfallenden Arbeiten gebraucht. Diese Hunde verfügten über

– sehr starken Finderwillen, durch den sie bei weiträumiger, selbstständiger, gründlicher Stöberarbeit auch die wenigen Hasen in ausgedehnten Dickungen fanden;

– sehr gute Nasen und starken Spurwillen sowie ausgeprägte Spursicherheit, die auch der gewitzteste Löffelmann mit seinen Absprüngen und Widergängen nicht abzuschütteln vermochte;

– korrekten und sicheren Spur- und Fährtenlaut, der dem vorstehenden Jäger das sich auf den laut jagenden Hund konzentrierende und damit oft vertraut anwechselnde Wild ankündigte.

Diese Eigenschaften waren, neben ausgeprägter Bringfreude und Wesenfestigkeit, die Grundvoraussetzungen für die bei jeder Jagdausübung so wichtigen Arbeiten nach dem Schuss.
Am Hubertustag 1903 wurde von 18 Hundeführern aus Deutschland und Österreich der „Wachtelhund-Klub“ (W.H.K.) zur Reinzucht und jagdlichen Führung des deutschen Wachtelhundes“ in München gegründet.

Die Zucht baute anfangs auf nur zehn Patriarchen

Die Initiatoren dieser Neuzüchtung des DW, insbesondere Rudolf Frieß, dem wir auch das 1921 erschienene Standardwerk „Der Deutsche Wachtelhund“ (Jagd- und Kulturverlags Anstalt, Vaduz) verdanken, waren der Überzeugung, dass: „Verschieden entwickelte Veranlagung zur Hochwindarbeit und zum Spurhalten rein anatomisch festgelegt ist und zum Beispiel die Pointernase gar nicht fähig ist, schwierige Fährtenarbeit zu leisten, die Nase des Spurhalters gar nie die erstere an Weite (nicht zu verwechseln mit Güte) erreichen kann.“

Deshalb wurde von Anbeginn in der Wachtelzucht auf die Förderung der weiträumigen Suche in übersichtlichem Gelände und das Vorstehen verzichtet.

Trotz der Vielseitigkeit der „alten“ Wachtelhunde, die auch Voraussetzung für die heutigen Jagdgebrauchshunde war, wurde ein Schwerpunkt auf die genannten Stöberhundeigenschaften gelegt.

Die Zucht baute anfangs auf nur zehn Patriarchen – vier Rüden und sechs Hün-dinnen – auf. Die meisten dieser Hunde stammten aus Oberbayern, zwei aus Niedersachsen und eine Braunschimmelhündin aus Westfalen. Viele schieden im Lauf der Zeit durch Nachzuchtauslese aus, so dass alle heutigen DW ausschließlich auf den Rüden „Lord-Augusta“ und die beiden braunen Hündinnen „Fleckensteins Rieke“ und „Wanda-Augusta“, sowie die Braunschimmelhündin „Baby auf der Schanze“ zurückgehen.

Der aufgestellte FCI-Standard besteht fast unverändert

Frieß bezeichnet diese enge Familienzucht „…nur von Vorteil für die Rasse; nie hätte ohne diese so rasch eine so außerordentliche Ausgeglichenheit im Typ, und eine so überraschende Übereinstimmung im Charakter, eine so sichere und einheitliche Vererbung der hohen jagdlichen Fähigkeiten erreicht werden können“.

Heute, nach rund 100 Jahren kontrollierter Leistungszucht, werden jährlich durchschnittlich etwa 700 in Deutschland, 20 in Österreich, 300 in Schweden, 50 in der Schweiz und 100 in der Tschechischen Republik gezogene DW-Welpen, die alle von den genannten Patriarchen abstammen, in die einzelnen Zuchtbücher der Länder eingetragen.

Der Verein für Deutsche Wachtelhunde (VDW) vereinigt in der Bundesrepublik rund 3 700 Jäger. Außerdem gibt es Schwestervereine in den genannten Ländern, die sich alle 1996 zum Internationalen Verband für Deutsche Wachtelhunde (IVDW) zusammengeschlossen haben. Als sich 1952 der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) auch den Zuchtvereinen der Nichtvorstehhunde öffnete, trat der VDW diesem bei.

Der anfangs vom Wachtelhund Klub (W.H.K.) aufgestellte FCI-Standard besteht fast unverändert. Danach ist der DW ein mittelgroßer, langhaariger, sehr muskulöser Stöberhund mit edlem Kopf und kräftigen Knochen. Das Erscheinungsbild des DW wirkt eher lang als hoch. Keinesfalls soll er hochläufig aussehen. Die Schulterhöhe beträgt bei Rüden 48 bis 54, bei Hündinnen 45 bis 52 Zentimeter. Der DW wird in zwei Farbschlägen gezüchtet:

1. Einfarbig braun, selten auch einfarbig rot; oft mit weißen oder geschimmelten Abzeichen an Brust und Läufen,
2. Braunschimmel, selten auch Rotschimmel. Hierzu gehören auch Schecken und getigerte Hunde.

Die „Verwandten“ sind eine wichtige Information bei der Zuchtwahl“

Der VDW legt großen Wert darauf, dass ausschließlich mit HD-freien Hunden gezüchtet wird. Eine Zuchtzulassung ist nur in absoluten Ausnahmefällen mit leichter HD möglich. Darüber hinaus müssen die Hunde in allen für ihr „Fachgebiet“ wichtigen Anlagefächern, wie Nase, Spurlaut, Spurwillen und Stöbern mindestens die Note „gut“ nachweisen und über absolute Schussfestigkeit (bei DW gibt es mehrere Abstufungen) verfügen. Zuchthunde sollen sich im Jagdbetrieb bewährt und dort Raubwildschärfe nachgewiesen haben. In die heute bestehende EDV-Nachzuchtkontrolle fließen neben den gezeigten Eigenleistungen des einzelnen Hundes auch die seiner gesamten nahen „Verwandten“ ein. Sie ist somit eine wichtige Information bei der Zuchtwahl.

Ohne Laut geht für einen Stöberspezialisten nichts. Ein Wachtel, der keinen Spur- oder Fährtenlaut zeigt, kann eine DW-Prüfung nicht bestehen und schon gar nicht zur Zucht eingesetzt werden.

1909 wurde die erste DW-Prüfungsordnung (PO) entworfen. Sie war eine reine Gebrauchsprüfung (GP) und enthält neben dem Stöbern als Hauptfach alle Bring- und Gehorsamsfächer, die Wasserarbeit, sowie die Schweißarbeit, entsprechend der PO der Vorstehhundvereine. Das Bringen des Fuchses ist allerdings Wahlfach. Zusätzlich fand bei dem DW bereits damals eine Zuchtbewertung statt, bei der die Nase und der Laut beim Finden von Wild und bei der Spur- respektive Fährtenarbeit bewertet wurde. Die Raubwildschärfe war bis 1934 fester Bestandteil der Prüfung.

Konkrete Aussagen für die Zucht sind bedeutsam

Alle späteren praxisbedingten Änderungen bauen auf dieser PO auf. Die Beteiligung an den GP blieb bis heute bedauerlicherweise viel zu gering, um daraus genügend Informationen für eine kontrollierte Leistungszucht zu ziehen. Dabei wäre das besonders für eine so eng gezüchtete Rasse wie den DW wichtig.

Da konkrete Aussagen für die Zucht bedeutsam sind, kam es 1926 zur Einführung einer Anlageprüfung (AP). Heute wird sie als Jugendprüfung (JP) fast ausschließlich im Frühjahr in offenem Gelände abgehalten. Hier können sich die Richter ein besseres Bild von der Spurarbeit des vom Hund nicht eräugten, ablaufenden Hasen machen als im Wald. Bei der JP gilt es ferner, die Stöberanlage, die Wasserfreude, die Führigkeit und die Schussfestigkeit zu bewerten. 1963 wurde das Prüfungssystem durch eine DW-Eignungsprüfung (EP) ergänzt. Sie enthält, neben der Möglichkeit der nochmaligen Prüfung der Anlagefächer, die Mindestanforderungen für den Nachweis der jagdlichen Brauchbarkeit nach den Bestimmungen der Bundesländer. Daneben gelten für den DW auch alle gemeinschaftlichen PO des JGHV, wie bei der Verbandsschweißprüfung (VSwP), dem Verlorenbringer (Vbr), der Verbandsprüfung nach dem Schuss (VPS) und der Bringtreue-Prüfung (Btr).

Da die von einem Jagdgebrauchshund in der Praxis gezeigten Leistungen besondere Bedeutung für die Zucht haben, vergibt der VDW folgende Nachweise im praktischen Jagdbetrieb:

1. Einen Weitjagernachweis zur Kennzeichnung von Hunden, die das Brackenerbe beim Finden und Jagen auf der Hasenspur nachgewiesen haben.

2. Einen Leistungsnachweis nach mindes-tens 500 Metern Riemenarbeit auf einer wenigstens fünf Stunden alten natürlichen Schweißfährte mit Hetze, zuverlässigem, anhaltendem Stellen von wehrhaftem, dem Hund körperlich deutlich überlegenem Wild oder schnellem, sicherem Töten nicht wehrhaften Schalenwildes.

3. Einen Leistungsnachweis an Schwarzwild. Der Hund muss als „Solojäger“ Schwarzwild alleine finden, sprengen, andauernd laut jagen, beziehungsweise anhaltend stellen, so dass das Wild aufgrund der Hundearbeit zur Strecke kommt.

Diesem Leistungsnachweis kommt heute wegen der aktuell hohen Schwarzwildbestände und der großflächigen Bewegungsjagden besondere Bedeutung zu.

Im Schnitt bekommen sechs Prozent eines Jahrgangs das Leistungszeichen VSwP

Von allen in das DW-Zuchtbuch eingetragenen Welpen legen jährlich etwa 72 Prozent eine Jugendprüfung (JP) ab. Circa 36 Prozent erbringen den Nachweis der gesetzlich geforderten Brauchbarkeit durch GP oder EP. Zehn Prozent haben ein oder mehrere Leis-tungszeichen in der Jagdpraxis erworben. Das Leistungszeichen VSwP bekommen im Schnitt sechs Prozent eines Jahrgangs.

Der Deutsch Wachtel ist als Stöberhund für den Einsatz bei Bewegungsjagden prädestiniert. Er soll dem Jäger durch sicheren Fährten- oder Spurlaut ankündigen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

RAUHHAAR REINZUCHT VERBAND Fraktion der Bärtigen

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Markus Wörmann

Griffon, Pudelpointer und Deutsch Stichelhaar spielen im Vergleich zu der übermächtigen Rasse Deutsch-Drahthaar seit Jahrzehnten eine eher untergeordnete Rolle in der  Jagdhundeszene. Um dies ein wenig zu ändern, wollen die drei Vereine jetzt eine alte Idee mit neuem Leben füllen.

Zum Kreis der rauhaarigengehört auch der Korthals-Griffon. Sein Blut fließt in den Adern vieler deutscher Vorstehhundrassen FOTO: MICHAEL BREUER

Auf der Münchner Messe „Jagen und Fischen“ Anfang April 2005 präsentierten sich die drei Vereine erstmalig seit fast 40 Jahren wieder unter einem Dach, oder besser gesagt auf einem Stand. Eine neue Rasse soll nicht geschaffen werden, ganz im Gegenteil, erzählt Rainer Hornung, Mitglied einer Arbeitsgemeinschaft, die den „Rauhhaar Reinzucht Verband“
aus der Versenkung der Geschichte geholt hat. Es gelte, die Eigenständigkeit jedes einzelnen Rauhhaarigen zu erhalten, aber die RAUHHAAR REINZUCHT VERBAND Fraktion der Bärtigen Gemeinsamkeiten in der heutigen Zeit zu bündeln. Die Bedeutung dieser Aussage lässt sich zum Teil in der Geschichte der deutschen Jagdgebrauchhundzucht wiederfinden. Anfang des 20. Jahrhunderts vereinnahmte die Drahthaar-Bewegung einen nicht geringen Teil der rauhaarigen, insbesondere der stichelhaarigen Vorstehhunde, um eine neue Rasse zu begründen. Nach dem heute noch gültigen Motto „durch Leistung zum Typ“ griffen die Initiatoren des Deutsch-Drahthaars auf die ihrer Meinung nach besten Griffons, Pudelpointer (PP) und Deutsch-Stichelhaar (DSt) zurück. Einer der rührigsten unter ihnen war zweifelsohne Freiherr Sigismund von Zedlitz und Neukirch (1838-1903), auch „Hegewald“ genannt. Ihm und Carl Rehfus (1857-1927), besser bekannt als „Oberländer“, verdankte bereits 20 Jahre zuvor der Pudelpointer seine Entstehung. Zwangsläufig schwächten die Aufnahmen von Rauhhaarigen in das Zuchtbuch der Drahthaarigen die drei etablierten Vereine. 1924 formierte sich dagegen der erste Widerstand. Die Liebhaber der „Reinzucht“ wollten dem Untergang der Rassen Griffon, Pudelpointer und Deutsch Stichelhaar nicht tatenlos zusehen und gründeten den
„Reinzuchtverband Deutsch Rauhhaar“.

Aus dem Verein Pudelpointer gehen jährlich zwischen 120 und 200 Welpen hervor. Dieses Niveau sichert den Verantwortlichen eine züchterisch tragfähige Basis für die Zukunft

Was verstand man damals unter dem Begriff Reinzucht? In den 1926 erstmals veröffentlichen Rauhhaarblättern, einer gemeinsamen Postille, steht dazu: „Unter Reinzucht verstehen wir im allgemeinen die Paarung gleichgearteter Hunde, also Hunde, die sich im Körperbau, im Haar und auch in ihrer Veranlagung möglichst ähnlich sind, um dadurch die Nachkommenschaft mit den gleichen Eigenschaften auszustatten und eine sich gleichmäßig vererbende Rasse zu erzielen“.

Aber nicht nur die Hunde waren rau(h) in dieser Zeit, sondern auch der Umgangston.
Die DD-Funtionäre forderte man vehement auf, nur noch mit eigenen Nachkommen zu züchten, anstatt „allemöglichen Kreuzungen zuzulassen“. Würden die Drahthaarleute diesem Begehren nachkommen, so schrieb man damals, stünde einer Einigung mit dem „Neuling“ nichts im Wege. Auf dieses honorige Angebot brauchten die Nachfolger von Hegewald nicht einzugehen, denn Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte Drahthaar die anderen Rassen in punkto Welpenzahlen und Eintragungen in das Gebrauchshund-Stammbuch überflügelt. 1933 folgte die Gleichschaltung aller Zuchtvereine im „Reichsverband für das Deutsche Hundewesen“ (RDH). Von 1926 bis 1933 fanden insgesamt zwölf gemeinsame Feld- beziehungsweise Zuchtsuchen der Griffon, Pudelpointer und Stichelhaarigen statt. Das mag recht wenig erscheinen, ist aber im Hinblick auf die damalige Mobilität und finanziellen Möglichkeiten der Menschen mit der heutigen Zeit kaum
vergleichbar. Anfang 1937 wurde die „Fachschaft Jagdgebrauchshundewesen“
aus dem RDH gelöst und an die Deutsche Jägerschaft angeschlossen. Es ist fast schon eine Ironie der Geschichte, dass dabei die drei Rauhhaar-Vereine in die Abteilung für „deutschdrahthaarige Vorstehhunde“ eingegliedert wurden. Die DD-Zucht hatte sich endgültig an die Spitze gesetzt, woran sich bis heute nichts geändert hat. Während des Krieges ruhten die Aktivitäten der einzelnen Vereine weitgehend. Der Rauhhaar-Reinzucht-
Verband fand erst 1956 wieder zusammen, und dies auch nur für kurze Zeit. Bis 1960 führte man einige Zuchtprüfungen gemeinsam durch, und auch die Rauhhaar-Blätter erschienen wieder, bis sie mit der Ausgabe 36 im März 1967 eingestellt wurden. Das vorläufige Ende der vorher als „Vernunftehe“ bezeichneten Interessengemeinschaft.
Heute, knapp ein halbes Jahrhundert später, formiert man sich nun zum dritten Anlauf – mit etwa den gleichen Vorzeichen wie damals: geringe Mitgliederzahlen und niedrige Welpenerwartung.

So individuell wie die Rassen sind aber auch die jüngeren Bemühungen aus dem Schatten des Drahthaars herauszutreten. Dem Verein Pudelpointer (VPP) ist es wohl am besten von allen dreien gelungen: Seit mehr als zehn Jahren fallen jedes Jahr mehr oder weniger konstant zwischen 120 und 200 PP in Deutschland. Einer Inzuchtdepression oder zu geringen Zuchtbasis scheint damit vorgebeugt. Seit 1990 ist die Reinzucht wieder oberstes Gebot im VPP, nachdem in den 80er Jahren sowohl in Westdeutschland als auch in der ehemaligen DDR gezielt Pointerblut eingekreuzt wurde. Mittelfristig will der Verein Pudelpointer jährlich über 150 Welpen in sein Zuchtbuch eintragen, um den zur Zeit etwa
1 000 Mitgliedern und solchen, die es noch werden wollen, einen jagdlich gut veranlagten Hund an die Hand zu geben. Im letzten Zuchtjahr 2004 ist dies mit 156 Welpen gelungen.
Auch der Griffon-Klub hat seine Aktivitäten zur weiteren Verbreitung der Rasse Korthals-Griffon in der letzten Zeit forciert. Im Gegensatz zu den Pudelpointern konnten sie nach dem Aufgang der Mauer nicht mit einer blutauffrischenden Zucht der DDR rechnen. Alle dort einst geführten Griffons wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in die Zucht der Deutsch-Drahthaar integriert. Eine eigenständige Linie war damit ausgelöscht. Heute präsentiert sich der Griffon-Klub als kleiner, aber aufstrebender Verein. Nach eigenen Angaben beheimatet er etwa 570 Anhänger des Korthals-Griffon in seinen Reihen. Die jährliche
Welpenerwartung gibt der Klub mit 80 bis 100 an, was im letzten Jahr mit 122 kleinen
Bärtigen übertroffen wurde.

Obwohl eine der ältesten hiesigen Rassen erfährt der Deutsch Stichelhaar nur eine geringe Verbreitung in der Jägerschaft
In einigen Deutsch-Drahthaar erkennt man heute noch seine Urahnen, wie Griffon oder Deutsch Stichelhaar. Neben den Rauhaarigen wurde aber auch Deutsch Kurzhaar eingekreuzt FOTO: BURKARD WINMANN-STEINS

Das „Sorgenkind“ unter den drei Rauhhaarigen ist seit langem der Deutsch-Stichelhaar. Registrierte der Verein 1994 noch 74 Welpen, so sank die Zahl in den letzten zehn Jahren stetig. Der Tiefpunkt im Zuchtjahr 2004 mit nur acht (!) Welpen ließ bei den Verantwortlichen die Alarmglocken läuten. Aus Reihen des zirka 250 Mitglieder starken Vereins kam letztlich auch die Initiative zur Wiederbelebung des Rauhhaar Reinzucht Verbandes. Der Sinn und Zweck dieses Bestrebens lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Öffentlichkeitsarbeit. Für Rainer Hornung, Landesobmann Süd im Verein Stichelhaar, ist der Verband eine weitere und wichtige Präsentationsplattform für seine Rasse oder besser gesagt zur Erhaltung des Deutsch Stichelhaars. Die Verantwortlichen wollen auch ein Stück Aufklärung betreiben. Trotz des bundesweiten Anspruchs im Namen „Deutsch“ Stichelhaar liest man in vielen Beschreibungen, dass der DSt eher eine regionale Rasse aus der niedersächsischen Küstenregion ist. Diesem Vorurteil sei man in der Vergangenheit seitens des Vereins auch nicht energisch genug entgegengetreten, räumt Rainer Hornung ein. Er selbst führt die erste und einzige Landesgruppe im Verein. Damit sei es aber nicht getan, erklärt der Mittelfranke, es müsse mehr gezüchtet werden – nicht nur im Norden. Es gelte den Stichelhaar bundesweit wieder in die Köpfe der hundeführenden Jäger zu bekommen. Doch im Moment könnte man eventuelle Interessenten aufgrund der geringen Welpenzahlen nur auf eine Warteliste setzen.
Dies ist nicht unproblematisch, denn wer sich zur Anschaffung eines Jagdhundes entschlossen hat, will meist nicht ein oder gar zwei Jahre warten, bis der Welpe ins Haus
kommt. Sollte die jährliche Nachzucht fortdauernd unter 70 Welpen bleiben, wird die
Zuchtbasis so gering, dass im schlimmsten Fall mit dem Verschwinden der ursprünglichen
Rasse gerechnet werden muss. Jetzt könnte man sich auf den Standpunkt stellen, dass der Bedarf aus jagdpraktischer Sicht oder die Präferenzen der einzelnen Jäger nun einmal den Fortbestand, die Weiterentwicklung oder auch den Untergang einer Jagdhunderasse beeinflussen. Im Fall Stichelhaar liegt ein entscheidender Aspekt auch in der bewährten Alternative „Deutsch Drahthaar“. Die Behauptung, dass die Stichelhaarigen in den Drahthaarigen „aufgegangen“ seien, wird die Verantwortlichen im Verein DSt kaum trösten
und in ihrem Bestreben nicht voranbringen.

Man kann nämlich auch die Meinung vertreten, dass es auf jeden Fall lohnenswert ist, diese alte Jagdhunderasse mit allen Mitteln, oder besser gesagt mit enormem Aufwand zu erhalten. Dazu wurde die DNS (Desoxyribosenukleinsäure, Träger der Erbinformation) des Stichelhaars analysiert und mit denen anderer rauhaariger Jagdhunderassen verglichen, erklärt Rainer Hornung. Dabei sei nicht ganz unerwartet herausgekommen, dass der Cˇesky´ Fousek (Böhmischer Rauhbart) „gen-identisch“ mit dem Deutsch Stichelhaar ist.
Wie gesagt, dies war keine Überraschung, wusste man doch seit jeher um die enge
Verwandtschaft zwischen beiden. Erst 1963 wurde der Böhmische Rauhbart von der FCI (Fédération Cynologique Internationale), der Welthundeorganisation, als eigenständige Rasse anerkannt, damals gegen den Widerstand des deutschen Hundeverbandes (VDH), da sich die Rasse von den hiesigen rau- und stichelhaarigen Vorstehhunden kaum unterschied. Was vor 40 Jahren in der kynologischen Welt zu Kontroversen geführt hat – vielleicht auch
aus politischem Kalkül, liegt dank moderner Genanalysen nun schwarz auf weiß vor. In Tschechien hat der Cˇesky´ Fousek derweil eine Beliebtheit unter den Jägern erlangt, wie hierzulande der Deutsch-Drahthaar. Aus unserem Nachbarland sollen nun Böhmische Rauhbärte importiert, auf Prüfungen geführt und anschließend in die Stichelhaarzucht integriert werden. „Dieser Zuchtversuch ist bereits vom VDH genehmigt“, erläutert Rainer Hornung. Die Angelegenheit war recht unproblematisch, da der Verein DSt seit jeher in Deutschland für die Rasse Cˇesky´ Fousek zuständig war. Durch die Einkreuzung erhofft man sich, den Deutsch-Stichelhaar auf eine breitere Basis zu stellen und damit langfristig am Leben zu erhalten. Doch was nützen alle Zuchtbemühungen, wenn die Vorstehhunde bei den Jägern nicht ankommen. Landesobmann Hornung glaubt, dass alte Vorurteile über
den Deutsch Stichelhaar sich lange Jahre zu Unrecht in den Köpfen der Jägerschaft gehalten hätten. Die Hunde seien ruhig und wesensfest – das Hauptziel aller züchterischen
Bemühungen neben den rassetypischen Äußerlichkeiten, erläutert der Mittelfranke. Die „Mannschärfe“ früherer Tage sei heute kein Thema mehr und auch nicht rassetypisch. Rainer Hornung züchtet selber und hält seine Stichelhaarigen als Jagd- und Familienhunde.
Das Engagement für ihre Rasse wollen die Verantwortlichen im Verein Deutsch Stichelhaar auch in den Rauhhaar-Reinzucht-Verband einbringen – zum Wohle aller rauhaarigen Vorstehhunde, wie offen bekundet wird. In 2005 finden weitere Treffen der Vereine untereinander statt, im nächsten Jahr soll die erste gemeinsame Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) abgehalten werden. Es gelte, die Plattform des Verbandes zu nutzen, um die Rassen einer breiteren jagdlichen Öffentlichkeit zugänglich
zu machen. „Vom Leistungsvermögen unserer Rauhaarigen her brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken“, sagt Mitinitiator Rainer Hornung selbstbewusst. Ein solcher Verband kann aber nur existieren, wenn er von den Beteiligten mit Leben erfüllt wird, dazu reichen gute Absichten oft nicht aus. Begriffe wie „Zweckgemeinschaft“, „lose Vereinigung von Hundeleuten“ oder „Vernunftehe“ spiegeln nicht den absoluten Willen zum Miteinander
wieder. „Häufig entwickelt sich aus ihr im Laufe der Zeit, beim Sich-näher-Kennenlernen,
eine Liebesehe“, erklärt dazu der Rauhhaar Reinzucht Verband und macht Hoffnung, dass die alten deutschen, rauhaarigen Vorstehhundrassen wieder an Popularität gewinnen.

Um den Deutsch- Stichelhaar züchterisch eine breitere Basis zu erschaffen, sollen geprüfteCˇesky´ Fouseks (Böhmische Rauhbärte) in die Zucht integriert werden.

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WESTFÄLISCHE DACHSBRACKE – RASSE PORTRÄT – kleiner Klassiker

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Wenn von Bracken die Rede ist, denken wir meistens an die hochläufigen Vertreter dieser Gattung. Die Westfälische Dachsbracke ist dagegen weniger bekannt. HARTMUT ROTH stellt den einzigen Vertreter der deutschen Niederlaufhunde vor.

Fotos: Ulf Muuss, Dr. Georg Zerfass
Bundesweit wird 2009 mit etwa 40 Welpen der Westfälischen Dachsbracke gerechnet.           Foto: Dr. Georg Zerfass
Als „Olper Bracke mit Sportfahrwerk“ beschrieb ein Jäger nach einer Drückjagd den dreifarbigen Hund, der ihm fährtenlaut und mit tiefer Nase zwei Stück Rotwild schussgerecht vor die Büchse gebracht hatte. Mit seiner Beschreibung des jagenden Hundes lag er gar nicht so verkehrt. Die Westfälische Dachsbracke wird seit fast 150 Jahren rein gezüchtet. Einzelne Liebhaber dieses Laufhundes hatten um 1870 damit begonnen, bereits vorhandene Rassemerkmale festzuschreiben. Abbildungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen bereits weißbunte Niederlaufhunde in den Zwingern des jagenden Adels, auch wenn es die Bezeichnung „Dachsbracke“ damals noch nicht gab.
Im August 1906 wurde der Westfälisch-Rheinische Dachsbracken-Klub in Hagen/Westfalen gegründet. Zu dieser Zeit hatten sich etwa 150 Mitglieder eingetragen. Sie hatten erkannt, dass die zu der Zeit gezüchteten Niederlaufhunde und Dackel mit ihrem plumpen Körper und meist krummen Läufen den Anforderungen in den Mittelgebirgsrevieren nicht gewachsen waren. Trotzdem sollte die Schulterhöhe von 35 cm nicht überschritten werden, um die Hunde auch noch zur Baujagd verwenden zu können. Selbst zur Otterjagd wurden sie eingesetzt, wozu Wasserfreude und Härte erforderlich waren. Ziel war die Veredelung der weißbunten Westfälischen Dachsbracke, die für ein ruhiges Jagen bürgen sollte, damit sie sich auch für kleine Reviere eignete. Vorgaben also, die heute wieder aktuell sind. In den ersten Jahrzehnten waren die Vorgaben für die Züchter bei weitem nicht so streng wie heute. Sie waren lediglich gehalten, sich an den im Jahre 1900 festgelegten Rassekennzeichen zu orientieren und die Bracken auf Schau-Bewertungen und „Preisjagden“ vorzustellen. Das waren Gesellschaftsjagden, auf denen eine Vielzahl von Richtern die unterschiedlich markierten Hunde bewerteten. Entsprechend den politisch gesteuerten Erfordernissen der damaligen Zeit wurde der Klub 1935 in die „Fachschaft Westfälische Dachsbracke“ umgewandelt. 1936 schlossen sich die Vertreter des Brackenlagers unter der Schirmherrschaft von Prof. Lutz Heck zur Fachschaft „Deutsche Bracken“ zusammen. Diese Interessengemeinschaft hat sich bis heute bewährt.
Nach den großen Rückschlägen in der Brackenzucht während der Kriegs- und Nachkriegsjahre haben passionierte Jäger die Restbestände der Deutschen Bracke und der Westfälischen Dachsbracke in Kleinarbeit zusammengetragen und ein neues Zuchtbuch angelegt. Hier werden seitdem die Würfe erfasst und mit durchlaufenden Zuchtbuchnum-

mern versehen. Zur Zucht zugelassen wurden alle Bracken und Dachsbracken, die keine zuchtausschließenden Mängel hatten, wie zum Beispiel Gebiss- oder Formfehler, Wesensmängel und ähnliches. 1972 wurde eine umfassende Zuchtordnung erlassen. Seitdem darf nur mit Hunden gezüchtet werden, die eine Anlagen- oder Gebrauchsprüfung sowie eine erfolgreiche Formbewertung vorweisen können. Nach verschiedenen Verschärfungen werden heute nur schussfeste Hunde zur Zucht zugelassen, die in den Anlagenfächern wie in der Formbewertung gute Werte (mindestens Note 3) erzielt haben. Erwünscht sind selbstverständlich Nachweise auf Leistungsprüfungen sowie Leistungszeichen. Der Gedanke der Zucht gesunder und leistungsstarker Gebrauchshunde im korrekten Arbeitstyp wird heute vorbildlich umgesetzt. Das Zuchtvolumen der Bracken und Dachsbracken orientiert sich seit jeher am Bedarf. Gezüchtet wurde immer nur so viel, wie auch benötigt wurde.

Ein „handlicher“ Hund, der sich auch leicht mit auf den Ansitz nehmen lässt.
Das Interesse an der Westfälischen Dachsbracke war Ende des vergangenen Jahrhunderts zurückgegangen, wodurch die Zuchtbasis enger wurde. In der Zwischenzeit konnte die Nachfrage durch ein Umdenken in der Zucht und erfolgreiches Auftreten in der Praxis merklich gesteigert werden. Die zunehmenden Schwarzwildbestände und Stöberjagden erhöhten das Interesse zusätzlich. Mit der breiteren Basis verbesserten sich die Zuchtergebnisse. Die Westfälische Dachsbracke ist ein niedriger, mäßig langgestreckter, kräftig gebauter Jagdhund mit edlem Kopf und langer Bürstenrute. Die Schulterhöhe liegt zwischen 30 und 38 cm. Das Haar ist am ganzen Körper, auch am Bauch, sehr dicht und grob. Die Dachsbracke ist meist dreifarbig rot bis gelb mit schwarzem Sattel und den typischen weißen Brackenabzeichen. Seltener finden sich zweifarbige Hunde mit roter bis gelber Grundfärbung sowie weißen Abzeichen. Die „kleine Schwester“ der Olper Bracke ist ein anpassungsfähiger und freundlicher Jagdhund mit feiner Nase und großer Spur- und Fährtenpassion. Im Hause ist sie familientauglich, kinderlieb und ruhig, draußen zeigt sie ihr wahres Temperament mit gutem Finderwillen selbst in wildarmen Revieren. Durch ihr ausgeglichenes Wesen ist sie ein angenehmer und aufmerksamer Pirschbegleiter, der aufgrund seiner Größe und Handlichkeit in jeden Fußraum eines Autos passt und nicht extra den Laderaum belegen muss.

Als typischer Vertreter der Waldgebrauchshunde soll die Westfälische Dachsbracke alles Wild finden und laut vor die Schützen bringen. Sie muss weder apportieren noch im Wasser arbeiten. Die Bracke muss bei der ihr eigenen Passion viel gearbeitet und gefordert werden, da sie sich sonst ihre Arbeit gern selbst besorgt. Die „Gebrauchsanleitung“ zum erfolgreichen Stöbern steht in der Prüfungsordnung. Wenn der Hund so ausgebildet wird, dass er die Anlagen- und Gebrauchsprüfung besteht, ist er in aller Regel brauchbar. Man sollte auf keinen Fall eine Dressur nach herkömmlichem Muster vornehmen. Alle Bracken sind durch Konsequenz, Verständnis und die enge Bindung ihrem Führer zu motivieren. Für ihn tun sie dann alles und kommen nach getaner Arbeit auch wieder zurück. Es sollte nicht Ausbildungsziel sein, den Hund in jeder Lage abrufen zu können, so beruhigend das im Einzelfall sein mag. Selbstverständlich sind Grundgehorsam und das Folgen-Wollen unverzichtbar.

Für die Arbeit vor dem Schuss zeichnet sich die Westfälische Dachsbracke aus durch sicheres und zähes Kleben an der angejagten Fährte, bei ausgeprägtem Finderwillen und ausdauerndem Fährtenlaut. Ihr Haupteinsatz liegt daher bei der Lauten Jagd, also dem Stöbern auf Niederwild sowie zunehmend auf Schalenwild bei Bewegungsjagden. Durch das langsame Tempo wird das Wild weniger beunruhigt und kehrt in aller Regel schneller wieder in seinen Einstand zurück, wobei die tiefläufige Dachsbrackeoft kurze Zeit später fährtenlaut folgt. Der sichere Laut zeichnet den Weg des vor den Hunden ziehenden Wildes akustisch nach. Interessant ist auch die häufig gemachte Beobachtung, dass sich beim Einsatz von fährtenlaut jagenden Hunden immer nur das Stück Wild oder der Familienverband bewegt, der von einem fährtenlauten Hund angejagt wird. Das andere Wild, insbesondere Rehwild, drückt sich nur kurz und lässt die Jagd an sich vorbeiziehen. Bei solchem Verhalten kommt das Wild vor den langsamen, laut jagenden Hunden selten hochflüchtig, verhofft immer wieder und kann so besser angesprochen und beschossen werden.
Das langsame, fährtenlaute Jagen der Dachsbracke erlaubt in aller Regel ein zuverlässiges Ansprechen und eine sichere Schussabgabe auf das anwechselnde Wild. Foto: Gr. Georg Zerfass
Immer wieder wird bei der Frage nach der Rassewahl hervorgehoben, man benötige den Hund „für die Schweißarbeit“. Mal Hand aufs Herz: Wie viele erschwerte Nachsuchen fallen denn im Jahr im Einsatzbereich des Hundes an, und wie viele davon werden von ihm zu bewältigen sein? Durch die feine Nase, gepaart mit ausgeprägtem Fährtenwillen, ihre Ruhe und Ausdauer ist die Westfälische Dachsbracke zu konzentrierter Riemenarbeit besonders befähigt und leistet dabei Beachtliches auf der Schweißfährte. Trotzdem soll sie hier nicht als der bunte, kurzläufige Schweißhund angepriesen werden. Das Leistungsvermögen allein garantiert aber noch nicht das Fortbestehen einer Rasse. Der vom Zuchtverein einzubringende Teil ist – den Vorgaben der Zuchtordnung entsprechend – ein ordentlicher Arbeitstyp, gute Veranlagung und ein familientaugliches Wesen. Die Verantwortung des Züchters endet aber nicht mit der Abgabe der Welpen an geeignete Führer.
Deshalb werden Welpen dieser Rasse nur an aktive Jäger abgegeben, die die Hunde später auf Prüfungen vorstellen: Um die züchterischen Bemühungen zu kontrollieren, muss die Nachzucht beurteilt werden. Dies geschieht auf den Anlagen- und möglichst Leistungsprü-
fungen sowie bei Pfostenschauen (Formbewertung). Wenn dabei Hunde den Zulassungsvorgaben nach der Zuchtordnung entsprechen, sollten die Besitzer auch bereit sein, sich an mindestens einem Wurf zur Erhaltung der Zuchtlinie zu beteiligen. Zur Zeit befassen sich Brackenfreunde in etwa zehn Zwingern mit der Zucht der Westfälischen Dachsbracke. Schon die geringen jährlichen Welpenzahlen lassen erkennen, dass hier ein sehr enger Kontakt und großes Vertrauen der Züchter wie auch der Käufer angesagt ist. Die Zuchtleitung erarbeitet mit den Züchtern gemeinsam die Paarungen, wobei das Ausweiten der Zuchtlinien Priorität haben muss. Der Käufer erwirbt einen Hund, der nach den strengen Vorgaben der Zuchtordnung aus gesunden und leistungsstarken Elterntieren stammt. Alle Welpen sind DNA-erfasst.
Weitere Informationen unter www.deutscher-bracken-club.de
 
 

Beagle: Kleiner Jagdhund mit großem Potential?

Beagle-schaut-nach-oben © Kathrin Führes
Die Fan-Gemeinde der bunten Hunde wächst.

Als Beagle-Führer hat sie wohl schon jeder erlebt: Die leicht spöttischen Blicke zum Hund, kurz bevor das Treiben anfängt. Genauso wie die Frage, warum man keinen „richtigen“ Jagdhund hat. Doch all der Spott und Hohn verfliegen dann meist ganz schnell.

Gespannt steht der Schütze auf seinem Drückjagdbock. Das Holz knarzt leise bei jeder Bewegung unter den schweren Stiefeln. Der Stand trotzt schon seit Jahren Wind und Wetter. Doch der Platz verspricht bei Anlauf gute Chancen. An diesem Samstag ist es ein ungewöhnlich milder Novembertag. Vereinzelte Sonnenstrahlen fallen auf die Lichtung und lassen das Moos in der Wintersonne glänzen. Falten bilden sich auf der Stirn des Jägers, und gespannt horcht er in die Ferne. Leises Laut der eingesetzten Hunde ist zu vernehmen. Einzelne Schüsse sind zu hören. Plötzlich ist ein Knacken im Unterholz zu vernehmen. Früher als erwartet. Langsam zieht Rehwild über die Lichtung. Mit Ruhe kann der Schütze einem Schmalstück den Schuss antragen. Es verendet im Knall. Zufrieden blickt der Schütze auf. Erst langsam scheint das Geläut der Hunde näherzukommen. Ein Beagle folgt wie auf Schienen der Fährte der Rehe, mit perfektem Laut. Die weiße Rutenspitze zeigt kerzengerade nach oben, die Nase tief auf dem Boden, arbeitet sich der bunte Hund voran. Bei der Entfernung zwischen Hund und Wild ist es kein Wunder, dass die Rehe nicht hochflüchtig anwechselten, sondern sich langsam durch den Bestand trollten. Als wir später den Stand verlassen, fallen auch dort die Worte: „So schlecht sind diese Beagle ja gar nicht.“ Auch die anderen Jäger werden später am Streckenplatz Ähnliches sagen.

Britisch? Die Herkunft liegt woanders

Beagle rennen über Wiese © Kathrin Führes

Sie gelten als Briten aber so britisch ist ihre Vergangenheit tatsächlich nicht.

Doch woher kommen diese Vorurteile nur? Fangen wir doch mal bei der Herkunft an. So britisch, wie man meint, ist der Beagle gar nicht. Es wird vielmehr angenommen, dass seine Vorfahren tatsächlich in Frankreich beheimatet waren. Die Normannen brachten um das Jahr 1060 weiße Hubertushunde, die später auch Talbot oder Northern Hounds genannt wurden, nach England. Die schlanken, mit einem flachen und unangenehmen Spurlaut ausgestatteten Hunde wurden dann mit Southern Hounds, recht große und behäbige Meutehunde, die ihren Ursprung auch in Frankreich hatten, gekreuzt. Die Southern Hounds gaben dem Beagle seine Spurtreue und Jagdleidenschaft. Aus zwei Franzosen entstand also etwas Britisches: Der Beagle. Bei den britischen Royals kam man schon früh auf den bunten Hund. In den Haushaltsbüchern von König Heinrich VIII. wurden 1515 erstmals Buchungen an den „Keeper of the beagles“ verzeichnet. Doch im Unterschied zu den größeren Foxhounds, die überwiegend zu Pferd begleitet wurden, wurden Beagle zu Fuß auf Hasen und Kaninchen eingesetzt. Daher wurden sie auch als Treibhunde der armen Leute bezeichnet. Später machten die Hunde dann Karriere in den großen Meuten für die Fuchsjagd. Über den Namensursprung gibt es verschiedene Theorien. Möglich ist es, dass der Name Beagle vom französischen Wort „beugler“ kommt, was brüllen bedeutet, oder doch seinen Ursprung im walisischen Wort „beag“ hat, welches für klein steht.

Manche sind „Allesfresser“

Skadi-wird-belohnt © Kathrin Führes

Härte braucht die Ausbildung des Beagles nicht, vielmehr sind Konsequenz und Belohnung über Futter erfolgversprechend.

Neben ihrer Aufgabe als Jagdhunde, machten Beagle eine traurige Karriere als Laborhunde. Der Großteil der Hunde in den Forschungslaboren sind auch heute noch Beagle. Durch ihre Vergangenheit als Meutehunde bringen sie eine rassetypische Verträglichkeit mit, die einer Gruppenhaltung im Labor zu Gute kommt. Der beagletypische „Saumagen“ spielt bei der Beliebtheit als Forschungsobjekt sicherlich ebenfalls eine tragende Rolle. Denn für seine Verfressenheit ist der Beagle mindestens genauso bekannt wie für seine Sturheit. Nichts ist vor dem Beagle-Maul sicher. Habe ich mit meiner Beagle-Hündin noch „Glück“, dass sie tatsächlich nur (theoretisch – darüber sind wir manchmal unterschiedlicher Ansicht) Fressbares verschlingt, gibt es durchaus auch Exemplare, die vorsorglich alles erstmal runterschlingen, was in den Fang passt. Kronkorken, Autoschlüssel und Co. wurden da schon aus dem Magen eines bekannten Beagle-Rüden rausgeholt. Die Spritze zum Übergeben wird wohl fast jeder Beagle-Führer früher oder später beim Tierarzt einmal kennenlernen. Was ehemals als Zuchtziel galt, treibt die Beagle-Führer also heute in den Wahnsinn. Aber die Verfressenheit kann man in der Ausbildung auch ideal für sich nutzen: Denn für Futter lernt der Beagle ziemlich schnell und tut dafür (fast) alles. Doch die schlanke Linie sollte man dabei im Blick behalten, sonst hat man wirklich schnell die „Biotonne auf vier Beinen“ an der Leine.

Der Führer muss Sturer sein als der Hund

Ein Los, das alle Beagle-Führer eint: Die Sturheit ihres Hundes. Der Dickschädel der bunten Hunde ist groß, und wenn sich ein Beagle etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird das Ziel mit stoischer Beharrlichkeit verfolgt. Das kann dabei sowohl die Rehwildfährte sein als auch der Mülleimerdeckel, der doch irgendwie aufzubekommen sein muss. Bei der Ausbildung muss man also noch ein bisschen sturer sein als der Hund. Allerdings: Mit Gewalt und übermäßigem Druck kommt man hier nicht weiter. Aber neben der Sturheit müssen sich Rasse-Liebhaber oftmals auch mit dem „Beagle-Alzheimer“ rumschlagen. Bereits erlerntes? Manchmal „vergisst“ der Beagle es ganz gerne. Genauso wie die Tatsache, dass es bereits Fressen gab.

Warum Schafft man sich einen Beagle an?

Beagle-am-Schweissriemen © KF

Einfache Totsuchen sind für die bunten Hunde kein Problem.

Stur, verfressen – nicht gerade die besten Werbeattribute für eine Rasse. Doch was bewegt jemanden dazu, sich einen Beagle als Jagdbegleiter anzuschaffen? Bei Jägerin Juliane spielten zwei Gründe eine Rolle: Die Familienfreundlichkeit und natürlich die für sie idealen Einsatzmöglichkeiten als Jagdhund. Der Beagle gilt als kinderlieb und idealer Familienhund. Sein freundliches Wesen macht ihn jedoch nicht zu einem guten Wachhund. Er würde wohl jeden Einbrecher schwanzwedelnd begrüßen. Doch bei der Jagd muss er sich nicht verstecken. Zusammen mit ihrem Mann Klaus bewirtschaftet Juliane ein Hochwild-Revier in den Bergen. Sie suchte daher einen Hund, den sie sowohl auf Drückjagden als auch bei einfachen Totsuchen auf Schalenwild einsetzen kann. Für den Beagle ein optimales Einsatzgebiet. Doch woher bekommt man einen bunten Hund? Neben dem Beagle Club Deutschland gibt es in Deutschland seit 30 Jahren auch den Verein Jagd-Beagle. Über den Verein kam Juliane an den für sie passenden Züchter. Zwar fast am anderen Ende Deutschlands, doch für ihren Hund war ihr kein Weg zu weit. Seit knapp zwei Jahren lebt „Skadi“ nun bei Juliane und Klaus und hat sich zu einem vorbildlichen Jagdhund entwickelt. Fleißig trainieren Juliane und „Skadi“ wöchentlich auf Schweiß, und auch die ersten Drückjagdeinsätze ist die kleine Hündin mittlerweile gelaufen. „Skadi“ apportiert sogar und geht ins Wasser. Doch diese Anwendungsgebiete sollte man bei einem Beagle nicht unbedingt erwarten.

Angenehmer Begleiter im Alltag

Skadi-auf-Kanzel © Kathrin Führes

Ob auf dem Stand oder vom Stand geschnallt: Beagle sind vielseitig einsetzbar.

Auch im Alltag ist sie, wie wohl die meisten Beagle, ein angenehmer Begleiter. Egal ob im Büro oder beim Restaurantbesuch – der Hund macht alles mit, Hauptsache, er ist dabei. Hier tritt seine Vergangenheit als Meutehunde zu Tage. Für den Zwinger in Einzelhaltung ist ein Beagle nicht geeignet, er will in der Nähe seines Führers sein. Doch ist man einmal vom Beagle-Virus infiziert, kommt man nur schwer wieder davon los. Denn wie oft man auch schimpft, flucht oder an dem Beagle-Hirn zweifelt, die Hunde schaffen es immer wieder, einen um den Finger zu wickeln. Auch Juliane geht es so. Sie und „Skadi“ trainieren momentan für die vereinsinterne Gebrauchsprüfung. Nebenbei engagiert sie sich beim „Beagle-Spielplatz“. Das sind Treffen für Beagle und ihre Führer, Jäger sowie Nichtjäger. Dort können die Hunde unter ihresgleichen flitzen, raufen und gemeinsam das Kuchen-Buffet abräumen. Die Besitzer sind es ja gewohnt …

 

 

 

DER DEUTSCHE JAGDTERRIER Allzeit bereit

Quelle Wild und Hund

 

Er will arbeiten, er will gefordert werden, er will Aktion – der beherzte Deutsche Jagdterrier. Unter und über der Erde ist im Jagdbetrieb auf ihn Verlass, wenn er artgemäß geführt und gehalten wird.

FOTOS: CHRISTINE STEIMER

Der Deutsche Jagdterrier ist ein Jagdgebrauchshund, der den Erd- wie den Stöberhundrassen zugeordnet wird. Vor 75 Jahren ist diese Rasse erst entstanden.
Doch woher stammt sie und wie kommt sie zu ihrem Namen? Die ersten Berichte über Terrier stammen aus dem 14.Jahrhundert. Im Schrifttum der Äbtissin Juliana Berners (Boke of St. Albans, 1485) tauchen diese Hunde, „die der Jagd auf wilde Tiere dienen“, erstmals auf. Bereits 1686 gab Blome in seinem Buch „Gentlemen’s Recreations“ eine Beschreibung über den Arbeitsansatz der Terrier ab: „Der Terrier ist ein sehr kleiner Hund und wird für Jagd auf Fuchs und Dachs verwendet. Seine Aufgabe ist es, unter die Erde zu gehen und WiId zu stellen. Das heißt, sie halten das Wild in einem Winkel des Baus,– die Höhle eines Fuchses hat viele Winkel – während sie von oben ausgegraben werden. Der Stellaut des Hundes und sein Kläffen zeigen an, wo sich der Fuchs befindet. Meist verwendet man eine Koppel Terrier, so dass man einen frischen Terrier einsetzen kann, um den, der zuerst einschlüpfte, zu entlasten.“ Sydenham Edward beschreibt die Farbe dieser Terrier in seiner „Cynographia Britannica (1800)“ als „gewöhnlich schwarz mit rotbraunen Läufen, rotbrauner Schnauze und Flecken derselben Farbe über den Augen“. Es gäbe jedoch auch fahlrote und weiß gedeckte. Aus diesem kleinen historischen Rückblick ergibt sich, dass bereits die Stammeltern des Foxterriers schwarzrot wie unsere heutigen Deutschen Jagdterrier waren. Sie besitzen damit immer noch die Färbung des Urterriers. Um 1880 tauchten die ersten, überwiegend noch aus guter Leistungszucht stammenden
Foxterrier in Deutschland auf. Die Rasse wurde sehr bald als „Fox“ populär, wobei anfangs vorwiegend der glatthaarige Typ geführt und gezüchtet wurde. Zu den süddeutschen Bodenjägern, die Foxterrier führten, gehörten Forstassessor Rudolf Frieß, Gutsbesitzer Walter Zangenberg und Fabrikant Carl-Erich Gruenewald.
Sie tendierten zum guten Arbeits-Dachshund oder zu dem Foxterrier, den sie über der Erde als sicheren Fuchs- und Hasenjäger benötigten. Er sollte ferner ein kleiner tüchtiger Schweißhund sein und unter der Erde der tapfere Kämpe gegen seine Erzfeinde Fuchs und Dachs. Die „Jagdpartei“ war im Foxterrier-Verband nur das fünfte Rad am Wagen ihrer auf Formzucht ausgerichten Zucht. Irgendwann wurden die Jäger des ewigen Haders um ihre Ziele müde. So reifte in der „Villa Rosa“, dem Gutshof von Walter Zangenberg in Riesenfeld
vor den Toren Münchens der Plan, einen jagdlichen Terrier zu schaffen. Sie verbanden den scheckigen Engländer der wenigen Arbeitszuchten mit dem Blut schwarzroter Welsh-Terrier und schufen dadurch in reiner Leistungszucht den Deutschen Jagdterrier. Von dieser Rassegründung erfuhr Dr. Herbert Lackner aus Königsberg in Ostpreußen. Er fuhr nach München, es begannen tiefschürfende Verhandlungen, und hier schlug die Geburtsstunde des Deutschen Jagdterriers. Diese fähigen Jagdkynologen haben sich mit Leidenschaft
und Passion dieser verantwortungsvollen Aufgabe angenommen, konsequent an einer
Zucht- und Prüfungsordnung gearbeitet und alle Probleme professionell gelöst. Dieses Vorhaben wurde von der Jägerschaft begrüßt und akzeptiert. Die neue Rasse gewann namentlich bei den Bodenjägern in ganz Deutschland, in Österreich, der Tschechoslowakei und in Jugoslawien überraschend viele Anhänger. Es begann eine stürmische Aufwärtsentwicklung, aber trotzdem wurden keine Vermehrungszuchten geduldet.
Der Deutsche Jagdterrier wurde ein Jagdgebrauchshund, vom Jäger für den Jäger. Wenn am Anfang der Einsatz des Deutschen Jagdterriers unter der Erde auf Fuchs und Dachs im Vordergrund stand, so wird er heute ebenso häufig für die Stöberarbeit auf Schalenwild bei den vermehrt durchgeführten Bewegungsdrückjagden mit Erfolg eingesetzt. Seine sprichwörtliche Härte und Beharrlichkeit lassen ihn selbst vor wehrhaftem Wild nicht zurückweichen. Aber auch seine Eignung für die Arbeit nach dem Schuss hat in Jägerkreisen den entsprechenden Niederschlag gefunden. Seine feine Nase und der absolute Finderwille, gepaart mit Ausdauer, lassen ihn auch Nachsuchen auf krankes
Wild erfolgreich abschließen

Kritische Augen und Ohren verfolgen den Einsatz des Terriers im Röhrengewirr der Schliefanlage
und am Drehkessel.
Der deutsche Jagdterrier
Die „Jacke“ des deutschen Jagdterriers soll entweder dichtes, knappes und hartes Rauhaar mit Bart aufweisen…

Er eignet sich zur Wasserjagd, wo er durch ausdauerndes Stöbern im Schilf und Bringen aus tiefen Wasser seinen Mann steht. Zum Apportieren von Wildarten wie Kanin, Fasan, Rebhuhn und Taube ist der kleine, universelle Jagdgebrauchshund ohne weiteres in der Lage. Der Deutsche Jagdterrier hat eine Schulterhöhe von 33 bis 40 Zentimetern; seine
Farbe ist schwarz mit rotbraunen Abzeichen an Kopf, Brust und Läufen. Braune Varianten sind zulässig. Als Behaarung sind ein dichtes, knappes, hartes Rauhaar mit Bart oder dichtes oder hartes Glatthaar erwünscht. Sein Körperbau zeigt flüssige Linien mit einem harmonischen Bewegungsablauf. Wesentliche Rassemerkmale sind: flacher, breiter Schädel ohne besonderen Stirnabsatz mit kräftigem Fang, kleine, ovale und dunkle Augen, hoch angesetzte Kippohren und ein kräftiger, aufgesetzter Hals. Das Scherengebiss besteht aus
starken Zähnen. Ein gerader Rücken, eine tiefgewölbte Brust, ein guter Knochenbau, eine feste Bemuskelung sowie die lange, schräge Schulter und die gute Winkelung der Hinterhand sind typisch. Die Rute trägt der Deutsche Jagdterrier leicht schräg, sie wird um ein Drittel ihrer Länge kupiert. Das zeichnet ihn besonders aus: Er ist mutig und hart, arbeitsfreudig und ausdauernd, vital und temperamentvoll, ehrlich und zuverlässig, kinderlieb und umgänglich. Dennoch sollten Sie folgendes beachten: Der Deutsche Jagdterrier ist ein vollwertiger Jagdgebrauchshund vom Jäger für den Jäger. Als Mode- oder Stubenhund scheidet er ohnehin aus. Dafür ist er zu schade. Er ist als Welpe formbar, anpassungsfähig und neugierig, braucht aber meistens eine konsequente Führerhand.
Bringen Sie diese Voraussetzung mit, so wird er Sie gern als „Leittier“ anerkennen und mit Ihnen auch so umgehen. So gern wie er mit Ihnen rauft, so gern lässt er sich von Ihnen und von ihm vertrauten Menschen streicheln, deren Nähe er sucht. So zäh und ausdauernd er als Jagdgebrauchshund ist, so liebebedürftig kann er auf der anderen Seite sein. Jeder Jäger und jede Jägerin ist als Mitglied im Deutschen Jagdterrier-Club willkommen, wenn die für diese Rasse ausreichende Zeit und entsprechende Einsatzmöglichkeiten gegeben sind.

 

 

DER DEUTSCH-DRAHTHAAR Bärtige Allrounder

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Ihre Verbreitung belegt es: Sie sind Symphatieträger, die universell einsetzbaren Jagdgebrauchshunde mit dem energischen Gesichtsausdruck und der rauhen Jacke.

Henning Bergmann
Deutsch-Drahthaar – eine Idee stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Anfang dieser vielseitigen Jagdgebrauchshundrasse. Es war die Idee von einem jagdlichen Universalhund, unempfindlich gegen Witterung, passioniert, pflegeleicht und anhänglich. Obwohl sich vor
allem durch Gründung der Deligierten-Commission im Jahr 1879, die einen Kennzeichen-Katalog für die einzelnen Rassen aufgestellt hatte, die Reinzucht durchzusetzen begann, war das äußere Erscheinungsbild nicht der Ausgangspunkt der Drahthaar-Bewegung. Stattdessen wurde mit Hunden gezüchtet, die sich im praktischen Jagdbetrieb besonders bewährt hatten. Jagdhunde mit rauhem Haar gab es zu dieser Zeit bereits unter verschiedenen Rasse-Bezeichnungen wie Griffon, Pudelpointer und Stichelhaar. Sie alle haben genau wie ihre Verwandten in anderen Ländern Europas wohl ihren Ursprung in den
rauhhaarigen Hütehunden des Mittelalters, deren Blut sich in Schafpudel und Wasserhund wiederfindet und deren Vorkommen ab dem 16. Jahrhundert in Wort und Bild bezeugt ist:
„Bei den Hunde-Racen ist eine vorzügliche Neigung zu Schwimmen und Waden im Wasser
oder Sumpf angeboren, die dichte Haarkleidung neben der sie umgebenen Fetthaut machen sie unempfindlich gegen Nässe und Kälte. Bemerkenswerth ist: daß Blendlinge vom Pudel und dem Hühnerhunde vortrefflich einschlagen indem sie die Tugenden beider Gattungen zu vereinen pflegen.“ (W. F. Freiherr v. d. Borch, Sylvan, Jahrbuch für Forstmänner, Jäger und Jagdfreunde, 1825/26) Da ist er bereits, der Ansatz, die Leistung
im Jagdbetrieb zur Maxime der Zucht zu machen. Mit der zunehmenden Bedeutung
des Bürgertums in der Jägerschaft Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch der Ruf nach
einer vielseitigen Leistungsfähigkeit der Jagdgebrauchshunde lauter. Waren an den Fürsten- und Jägerhöfen bisher noch für jede jagdliche Aufgabe Spezialisten gehalten
worden, so waren diese Möglichkeiten nach der Revolution von 1848 häufig nicht
mehr gegeben, und das Interesse an vielseitigen Jagdhunden für sämtliche Arbeiten
sowohl vor als auch nach dem Schuss wuchs. „Eine andere, wie es mir scheint, von den
Jägern zu wenig beachtete und gewürdigte Race ist der rauh- oder stachelhaarige Hühnerhund, den Döbel Barbet nennt, in Frankreich unter dem Namen Griffon bekannt und von den Engländern the russian pointer genannt. Auch er kommt bei uns nur selten in reinen Exemplaren vor und ist nicht schön, hat aber die vortrefflichsten Eigenschaften.
Er ist im höchsten Grade unverdrossen, derb und ausdauernd, stets vergnügt und muthig,
apportiert gern und arbeitet im Wasser mit einer merkwürdigen Passion; daher ist er vorzüglich solchen Jägern, welche große Wasserjagden haben, eine willkommene Erscheinung, und vielleicht die brauchbarste Race für den Küchenjäger. Da seine Nase indessen nicht so fein ist, wie die der Setter, so ließen sich gewiß durch Paarung einer stachelhaarigen Hündin mit einem Setter außerordentlich gute Hunde erzielen“ (Ziegler in: „Federwildjagd“, Anfang des 19. Jahrhunderts). Hegewald – wie sich der Freiherr v.Zedlitz und Neukirch als Jagdschriftsteller und Rüdemann nannte – kreuzte Pudel und Pointer, um den gewünschten vielseitigen Jagdhund mit rauhem Haar zu züchten. „Die Idee, den intelligenten, gelehrigen, dressurfähigen, frühreifen, apportierfrohen Pudel im Interesse der praktischen Jägerei für Gebrauchszwecke züchterisch auszunutzen, ist keineswegs von mir ausgegangen. In Italien waren es lange vor mir die Italiener bei erfolgreicher Züchtung der Spinone, in Frankreich die Franzosen bei Züchtung ihrer verschiedenen Barbets und Griffons und im eigenen Vaterland unsere hirschgerechten Altmeister – an erster Stelle die beiden Klassiker Flemming und Döbel. Diesen Autoritäten und ihren Zeitgenossen gebührt allein das Verdienst, zuerst aus Pudelblut den berühmten polnischen Wasserhund
geschaffen zu haben.“ Mit diesen Worten versuchte Hegewald 1887 seinen Einfluss auf die Züchtung drahthaariger Jagdgebrauchshunde zu relativieren. Aber der Keim der Idee, die bis heute die Zucht des Deutsch-Drahthaar und deren Leitsatz „durch Leistung zum
Typ“ bestimmt, geht zweifelsohne auf den Altmeister zurück: „Ich ließ die Pudelpointer-
Idee nicht nur nicht fallen, sondern stehe im Gegensatz derselben, welche diese durch den Verein Drahthaar erfahren hat, sympathisch gegenüber.“ 1902 finden sich im „Verein Drahthaar“ einige wenige Gleichgesinnte zusammen und formulieren ihr Ziel, der Jägerschaft genügend brauchbare Jagdhunde mit harter, wetterfester Behaarung an die Hand zu geben. Und nun sind wir endlich am Beginn der Rasse Deutsch-Drahthaar (DD)
angelangt, die gerade dieses zuerst nicht sein wollte, eine neue Rasse! Vielmehr sollte
„die zerfahrene Rauhhaarzucht in einheitliche Bahnen“ (Mitteilungen des Vereins
Deutsch-Drahthaar, 1905) gelenkt werden. Im Lauf der Zeit ergab sich dann allerdings durch den großen Erfolg des auf Leistung basierenden Konzepts die Rasse Deutsch-Drahthaar. Außer Hunden aus den bereits erwähnten älteren, rauhhaarigen Rassen wurde vor allem zur Verbesserung der Leistung im Feld auch Blut von Deutsch-Kurzhaar zugeführt. Getreu der Idee, der die Rasse ihre Entstehung verdankt, ist der DD ein universell einsetzbarer Vorstehhund: Im Feld sucht er weiträumig das Wild und zeigt es seinem Führer durch Vorstehen an. Krankes Wild sucht er nach und apportiert es. In Wald
und Wasser treibt er dem Jäger durch Stöbern das Wild zu oder macht es hoch. Insbesondere seine Fähigkeiten als Verlorenbringer zeichnen ihn aus: Er verfolgt krankes
Wild ausdauernd und kompromisslos. Er erlöst es von unnötigen Qualen und ermöglicht
damit eine tierschutzkonforme, waidgerechte Jagdausübung. Schon in der Zucht wird auf diese Eigenschaft besonderer Wert gelegt, Folgedrang und Spursicherheit gehören zu den wichtigen genetischen Merkmalen, die den DD als Hund der Folge auszeichnen. Deshalb kann er bei entsprechender Einarbeitung auch auf der Schweißfährte beachtliches vollbringen und so manches „Waidmannsheil“, das dem Jäger am gestreckten Wild überbracht wird, gilt auch seinem vierläufigen, drahthaarigen Jagdhelfer. Der vielseitige Arbeitseinsatz erfordert einen intelligenten, geistig beweglichen Hund, der sich schnell auf wechselnde Anforderungen einstellen kann. Neben der ausgeprägten Jagdpassion ist ein ausgeglichenes, ruhiges Wesen erforderlich, das den Hund befähigt, bei schwierigen Aufgaben mit Ruhe und Konzentration zu arbeiten. Nach „Dienstschluss“ ist es sein
angenehmer Charakter, der den DD zum anspruchslosen Hausgenossen macht, der
auch im Zwinger gut zu halten ist. Er ist wachsam, aber frei von Aggression gegen
Artgenossen und Menschen; schnell wird er zum Liebling der Kinder und deren treuer
Freund. Aber auch wenn ihn die ganze Familie bald ins Herz schließt, darf man nicht vergessen, der DD wird vom Jäger für den Jäger gezüchtet! Der Einsatz im Jagdbetrieb
ist Bestandteil seiner artgerechten Haltung und wie jeder echte Arbeitshund braucht er eine fachgerechte Ausbildung und konsequente Führung. Dann arbeitet er gern mit seinem Herrn zusammen und zeigt sich ausgesprochen führig. Für seine Aufgaben im Jagdbetrieb muss der DD robust und gesund sein. Er ist mittelgroß und muskulös, seine Anatomie soll
kraftvolles und ausdauerndes Arbeiten ermöglichen; körperliche Ermüdung würde

Manche Hundeführer bevorzugen einfarbig braune DD oder braune mit weißem Brustfleck
Guter Jagdhund und treuer Freund. Bei fachgerechter Ausbildung und konsequenter Führung ist der DD nicht nur ein stets zuverlässiger Jagdbegleiter, er wird mit seinem angenehmen Charakter schnell zum Liebling der Kinder

die Leistungsfähigkeit mindern. Die „drahtige“, eng anliegende Behaarung bietet Schutz vor äußeren Einflüssen, wie Witterung, Schilf und Dornen. Das äußere Erscheinungsbild, der
„Typ“, der sich im Gefolge der Leistungszucht herausgebildet hat, wird neben dem
quadratischen Körperbau vor allem durch den ausdrucksstarken Kopf mit deutlichen
Augenbrauen und ausgeprägtem Bart bestimmt. Er verleiht dem DD einen energischen
Gesichtausdruck. Die Fellfarbe des Deutsch-Drahthaar soll, wie es für den jagdlichen Gebrauch zweckmäßig ist, unauffällig sein. Die meisten DD werden als Braunschimmel gezüchtet. Aber auch der Zucht von einfarbig braunen Hunden, die es mit und ohne
Brustfleck gibt, und von Schwarzschimmeln hat sich ein fester Züchterstamm verschrieben. Die Elterntiere vererben die Fellfarbe an die Welpen, allerdings heißt das
nicht, dass die Farbe von Eltern und Welpen gleich sein muss. Zwei Faktoren spielen
bei der Vererbung eine Rolle: die Farben braun oder schwarz und die Zeichnung
Schimmel oder einfarbig. Zu diesen Faktoren bekommen die Welpen von Vater und Mutter jeweils eine Erbinformation, ein Allel. Braun kann ein DD nur sein, wenn er von beiden Eltern das Farballel „braun“ erhält, ebenso müssen Schimmel zwei gleiche Allele besitzen. Die Erbinformationen „schwarz“ und „einfarbig“ überlagern die anderen Allele. Folglich
können einfarbig braune DD neben zwei Allelen für „braun“ eins für „einfarbig“ und
eins für „Schimmel“ besitzen. Die Dominanz der Einfarbigkeit bestimmt das Aussehen. Ähnlich ist es bei Schwarzschimmeln, die immer einer Paarung eines Braunschimmels
mit einem Schwarzschimmel entspringen: Das Allel mit der Information „schwarz“ überdeckt die Information „braun“. Also nicht wundern, wenn aus zwei einfarbig braunen Hunden Braunschimmelwelpen hervorgehen. In ihnen haben sich die beiden überdeckten
Schimmelallele der Eltern zusammengefunden. Jeder kann sich den DD in der Farbe aussuchen, die ihm am besten gefällt. Er bekommt unabhängig von der Farbe einen
Jagdhund mit schützender und wetterfester Behaarung. Der „Verein Deutsch-Drahthaar e.V.“ (VDD) ist für die Zucht des DD verantwortlich. Gegliedert in 34 regionale Gruppen
berät und unterstützt er die Züchter vor Ort, betreut die Welpenkäufer und veranstaltet
die für die Zuchtauswahl wichtigen Zuchtprüfungen. Einmal jährlich findet die „Hegewald-Zuchtprüfung“ als zentrale Zuchtausleseprüfung des gesamten Vereins statt. Es handelt sich um eine Herbstzuchtprüfung (HZP), die – dem Zuchtziel als Hund der Folge entsprechend – auf der Hasenspur abgehalten wird. Alljährlich werden auf der Hegewald etwa 200 ausgewählte Hunde geprüft, was fünf bis sieben Prozent der im vorangegangenen Jahr gewölften Welpen entspricht. Im Deutsch-Drahthaar-Weltverband haben sich die Drahthaar-Klubs und -Vereine zusammengeschlossen, die die Rasse aufgrund der im
Mutterland gewonnenen Erfahrungen fördern. Damit wird verhindert, dass das jagdliche
Potenzial eingeschränkt oder gar einer auf Schönheit ausgerichteten Zucht geopfert
wird. So gehen von der deutschen DD-Zucht weltweite Impulse zur Leistungsüberprüfung
und Zuchtauswahl aus. Es ist erstaunlich, dass dieses Konzept hervorragende Ergebnisse
in der Jagdpraxis der einzelnen Länder bringt – auch wenn diese von deutschen Jagdbedingungen stark abweichen.

 

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