Hegering Gillenfeld


 

Der Termin für die Hegeringversammlung ist der 17. März 2023

 

 

Schwarzwild bejagen: Gezielt Frischlinge und Überläufer erlegen

Um den Schwarzwildbestand abzusenken, ist eine scharfe Bejagung von Frischlingen und Überläuferbachen besonders wichtig.
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28. November 2022
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Besonders Frischlinge und Überläuferbachen sollten stark bejagt werden.
Besonders Frischlinge und Überläuferbachen sollten stark bejagt werden.

Der Sommer war heiß. Mit durchschnittlich 820 Sonnenstunden war er laut Deutschem Wetterdienst der sonnenreichste Sommer seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1951. Deshalb wundert es nicht, dass bei der Hitze in vielen Feldrevieren die Sauen ausblieben und deren Jäger sich fragten, wo die Schwarzkittel wohl stecken. Im Getreide kamen sie kaum vor. Auch an Kirrungen war vergleichsweise wenig los. Sogar im Mais gingen erstaunlich wenige Wildschweine zu Schaden. Und selbst im Wald wartete mancher Waidmann vergeblich.

 

Weniger Schwarzwild vorhanden?

Viele Pächter haben den Eindruck, dass es in diesem Jahr weniger Schwarzwild gibt. Regional mag dies sogar stimmen. In Waldgebieten hingegen scheint es anders zu sein: Dort finden sich vielerorts gebrochene Areale und Bankette. Auch die eine oder andere waldnahe Wiese wurde nach Regenfällen komplett umgedreht. Ob der subjektive Eindruck – es gebe nur noch wenige Sauen – täuscht, ob der Einsatz opto-elektronischer Technik wirkt, ob die Jägerschaft Schwarzwild damit wirklich bestandsreduzierend bejagt, ob die Sauen bei der heißen Witterung einfach im kühleren Wald geblieben sind und dort übers Jahr hinweg wenig bejagt wurden, oder ob sich das Schwarzwild gezielt in bislang ruhigere Gebiete zurückgezogen hat: Wer weiß das schon?

In Niedersachsen darf Nachtsichttechnik wie dieses Vorsatzgerät zur Schwarzwildjagd eingesetzt werden.
In Niedersachsen darf Nachtsichttechnik wie dieses Vorsatzgerät zur Schwarzwildjagd eingesetzt werden.

Fakt ist: Durch die zunehmende Verbreitung von Wärmebildtechnik verfügen viele Jäger heute über bessere Informationen über nachtaktives Wild in ihren Revieren als vor wenigen Jahren. Die Legalisierung der Vorsatztechnik hilft Waidgesellen zudem zusätzlich, in Zigtausenden dunklen Ansitzstunden schießen zu können, in denen es in der Vergangenheit für einen sicheren Schuss schlicht zu finster war.

 

Gezielt Überläuferbachen strecken

Am wirkungsvollsten für eine signifikante Bestandsreduktion wäre es, wenn bei der Schwarzwildbejagung die neu gewonnene Zeit genutzt würde, um weibliche Frischlinge und Überläuferbachen zu erlegen. Die Begründung: Mit 75 bis 85 Prozent kommen Frischlinge im Schwarzwildbestand anteilig am häufigsten vor. Zudem reproduzieren sie zu einem großen Teil bereits selbst und tragen zu rund einem Drittel zum Zuwachs bei.

Allerdings kann man bei einem Frischling nicht immer sicher das Geschlecht erkennen. Wer einen Frischling beschießt, wird also eventuell ein männliches Stück erlegen. Überdies ist die Lebenserwartung von Frischlingen gering. Angesichts der hohen Mortalität verhindert ein Jäger, der einen Frischling erlegt, in diesem Jahr laut TiHo Hannover 2,5 neue Frischlinge.

Noch besser ist es in puncto Bestandsreduktion, wenn man eine Überläuferbache streckt (Tierschutz beachten!). Sie bringt in ihrem Leben durchschnittlich noch mehr als 16 Frischlinge zur Welt und kann auch schon sicher als weiblich angesprochen werden. Starke Bachen hingegen, die die Hälfte ihrer Lebenserwartung schon hinter sich haben, frischen zwar statistisch pro Wurf bis zu 13 Frischlinge, allerdings haben sie – auf ihre Lebenszeit gerechnet – schon rund die Hälfte ihrer Nachkommen produziert. Das Ende ihrer Fortpflanzungsfähigkeit ist absehbar.

 

Sonderheft „Saujagd“

 

Das Sonderheft „Saujagd - Waidwerken auf Schwarzwild im Jahresverlauf“ (inkl. DVD) widmet sich einer der spannendsten heimischen Wildarten überhaupt: dem Schwarzwild! Biologie, Verhalten und Krankheiten werden ebenso umfänglich besprochen, wie die Jagd und das richtige Ansprechen der Schwarzkittel. Auch das Thema Wildschadensabwehr wird umfassend behandelt. Preis: 14,90 € (Abonnenten 12,50 €)

Erhältlich unter Tel.: 089-12705-228 oder im Onlineshop www.dlv-shop.de.

 

Früheintretende Geschlechtsreife beim Schwarzwild

Warme Winter und eine ganzjährig gute Fraßsituation verhindern die natürliche Auslese und sorgen dafür, dass mehr Frischlinge überleben und eher geschlechtsreif werden als früher. Die Grenze für die Geschlechtsreife bei Bachen liegt bei etwa 20 Kilogramm aufgebrochen, bei Keilern bei 30 Kilogramm. Das entspricht etwa einem Drittel ihrer späteren Körpermasse und einem Alter von etwas mehr als einem halben Jahr bis acht Monaten.

Bei anderem Schalenwild setzt die Geschlechtsreife erst ein, wenn es 80 Prozent seiner Masse erreicht hat. Mit ihrer frühen Geschlechtsreife können Frischlinge bereits in ihrem ersten Lebensjahr zum Zuwachs beitragen. Schon deshalb sollten sie strikt bejagt werden. Aktuelle Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass manche Bachen zweimal pro Jahr frischen. Neben ihrer biologisch normalen Rauschzeit im Dezember/Januar werden sie etwa im September/Oktober ein weiteres Mal rauschig.

 

Ausreichend Frass über das Ganze Jahr hinweg

Die Ursache dafür ist, dass dem Schwarzwild heutzutage über das ganze Jahr hinweg energiereiches Futter zur Verfügung steht. Der großflächige Anbau von Feldfrüchten wie Weizen, Raps und Mais in Kombination mit deutlichen Ertragssteigerungen hat die Ressourcen und die Lebensraumkapazität für das Schwarzwild vervielfacht. Durch den Klimawandel hervorgerufene steigende Stickstoff- und Kohlendioxid-Anteile in der Luft führen zudem dazu, dass sich im Wald die Mastjahre häufen und die Bäume mehr Früchte tragen.

Bei einer Vollmast liegen dann unter Eichen je Hektar zwischen 600 und 1.200 Kilogramm, unter Buchen 400 bis 800 Kilogramm Baumfrüchte. Untersuchungen zufolge nehmen ausgewachsene Sauen täglich bis zu fünf Kilogramm Eicheln oder Bucheckern auf. In diesem Herbst ist bei der Eiche regional unterschiedlich eine gute Mast und bei den Buchen eine Vollmast zu erwarten. Der Tisch ist also fürs Schwarzwild reich gedeckt.

Je nach Recherchequelle liegt die Reproduktion von Schwarzwild zwischen 180 und 330 Prozent.
Je nach Recherchequelle liegt die Reproduktion von Schwarzwild zwischen 180 und 330 Prozent.

Viel Nahrung führt zu starker Reproduktion. Die Reproduktionsrate von Schwarzwild schwankt je nach literarischer Quelle zwischen 180 und 330 Prozent. Realistisch ist wohl ein Mittelwert von 200 Prozent. Bei 100 vorhandenen Sauen – von denen 50 weiblich sind – kommen in einem Lebensraum mittelfristig 200 Frischlinge neu hinzu. Die Mortalität ist dabei schon herausgerechnet.

Trotz dieser enormen Reproduktion ist das Schwarzwild zurzeit weit von der Kapazitätsgrenze seines Lebensraumes entfernt. Solange übers Jahr hinweg unterhalb des Zuwachses erlegt wird, wächst die Zahl der Sauen in den Folgejahren zwangsläufig weiter an. Nur damit im oben genannten Beispiel der Bestand gegenüber dem Vorjahr nicht wächst, müssten in dem Lebensraum also 200 Sauen erlegt werden. Erst wenn diese und mehr erlegt werden, würde der Bestand in diesem Lebensraum reduziert!

 

Hohe Jahresstrecken täuschen oft

Dass dies gelungen sein könnte und das Schwarzwild substanziell reduziert wurde, lassen die hohen Schwarzwildstrecken der vergangenen Jahre vermuten. Immerhin zeigte die bayerische Sauenstrecke im Jagdjahr 2019/2020 mit 114.844 Stück einen nie da gewesenen Rekord. Bereits bereits im Jahr 2017/2018 kratzte die Jahresstrecke mit 95.096 erlegten Sauen an der 100.000 Marke.

Tatsächlich ist es jedoch möglich, dass der Rückgang der Schwarzwildstrecke im vergangenen Jahr und das weitgehende Ausbleiben der Sauen in der Feldflur derzeit einen wirklichen Bestandsrückgang nur vortäuschen. Immerhin sank die Strecke nach hohen Erlegungszahlen stets – um jedoch anschließend nur noch höher zu steigen als zuvor.

Schwarzwildstrecke-Bayern
Die Schwarzwildstrecke in Bayern zeigt einen Trend nach oben, unterliegt jedoch jährlichen Schwankungen.

Sich nach einem vermeintlichen sauenarmen Sommer 2022 im Feld nun im Herbst bei guter Mast der Eichen und Vollmast der Buchen im Wald mit der Jagd zurückzuhalten, ist nicht sinnvoll. Frischlinge sollten einen Anteil von 70 bis 80 % der Strecken ausmachen und Überläuferbachen sollten scharf bejagt werden. Insofern liegt der Schlüssel zur Lösung des Schwarzwildproblems in diesem Jahr wieder mal im Wald.

Dort kann durch eine effektive Bejagung der Bestand reduziert werden. Die Jägerschaft muss Bewegungsjagden im Herbst und Winter deshalb nutzen, intensiv jüngere Sauen zu erlegen. Das soll aber nicht heißen, dass ältere Stücke Schwarzwild nicht erlegt werden, falls jüngere Tiere nicht vorkommen. Denn nach wie vor ist es wichtig, dass die Schwarzwildpopulation insgesamt reduziert wird – und nicht nur reguliert.

Text & Bild: Thomas Fuchs
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Der Keiler ist sehr missgestimmt, ...

... weil seine Kinder Ferkel sind. Zumindest in der Jägersprache stimmt dies nicht. Junge Wildschweine werden als Frischlinge bezeichnet, Einjährige als Überläufer und erwachsene Tiere als Bache oder Keiler, je nach Geschlecht. "Sauen!!!" schallt es durch den Wald, wenn auf Jagden eine Rotte (Gruppe) Wildschweine aufgemüdet (aufgescheucht) wird. Rotte war früher auch ein Begriff für eine Gruppe Waldarbeiter. Das wurde durchaus nicht als Herabsetzung empfunden, schließlich gelten die "Schwarzkittel" als wild, ausgesprochen wehrhaft und sehr intelligent.

 

Wildwechsel!

Gefährlicher Gleichklang: Während die Wildtiere vom Hunger auf die Äsungsflächen getrieben werden, ziehts den Menschen von der Arbeit nach Hause zum Abendbrot. Derzeit fällt der Feierabendverkehr mit den Bewegungen der dämmerungsaktiven Wildtiere zusammen und kann zu kritischen Situationen führen. Deshalb gilt insbesondere in Waldgebieten und an Waldrändern: vorausschauend fahren, Tempo drosseln, aufmerksam sein! Und immer daran denken: Ein Schwein kommt selten allein! Auch Reh und Hirsch kreuzen oft im Familienverband oder als Rudel die Straße.

 
 
 
 
 
 

18.11.2022

Jagdkritiker behaupten oft, dass Jäger Katzenhasser sind. Doch auch unter Jägern gibt es Liebhaber von Stubentigern. Problematisch sind verwilderte #Katzen. Sie töten jährlich mehrere hundert Millionen Vögel sowie Kleinsäuger und tragen so zum Schwinden der #Biodiversität bei. Verwilderte Katzen sind meist krank und schlecht ernährt. Damit dieses doppelte Tierleid ein Ende findet, fordern Jäger das Paderborner Modell bundesweit: eine generelle Kastrations- und Registrationspflicht für #Hauskatzen. Unkontrollierter Nachwuchs durch Freigänger wird so verhindert.

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